Des Bahnhofs neues Dach

Noch regnet es gelegentlich rein und wirklich sicher fühlt mensch sich unter den schon längst in die Jahre gekommenen Dachpfannen, die durch ein grünes Netz stabilisiert werden, nicht. Das soll sich ab dem nächsten Jahr ändern. Innerhalb des Landesprojekts „1 von 150: Moderne Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen (NRW)“  wird Duisburgs Hauptbahnhof als erster erneuert. Ein Schnäppchen sind die gläserne Decke und die Hightech-Bahnzugänge allerdings weniger: Das Investitionsvolumen soll rund 152 Millionen Euro betragen.

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Ab 2023 soll hier laut Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link „mehr Aufenthaltsqualität entstehen“. (Foto: BRIT)

Anfang vergangener Woche wurden auf einer Pressekonferenz der Deutschen Bahn die offiziellen Pläne der künftigen Glasdecke in der Duisburger Gleishalle vorgestellt. Starten soll die Sanierung dann im neuen Jahr und wird voraussichtlich 2023 abgeschlossen sein. Die Struktur bleibt bestehen: Aus Stahl gefertigte, schlanke Elemente sollen das wellenförmige Glasdach über die Gleise tragen. Diese sollen nicht wie aktuell im Gleisbereich, sondern direkt auf dem Bahnsteig platziert werden. Neben der optischen Aufhübschung wirbt die Deutsche Bahn vor allem mit der Nachhaltigkeit der neuen Verglasung, denn durch diese würde die Halle zunehmend mit Licht durchflutet, sodass wenigstens tagsüber auf die künstliche Beleuchtung verzichten werden könnte. Auch die Ausstattung an Bahnsteigen – der Wartebereich, die Beleuchtung und Beschallung – sollen verbessert werden. Denn die Aufenthaltshalle und der 212 Meter lange Personentunnel wurden bereits im vergangenen Jahr für zehn Millionen Euro modernisiert.

Eröffnet wird das Modernisierungsprojekt am Osteingang (Ausgang am Kino), wofür Gleis zwölf und 13 zunächst gesperrt werden. Die dort zu sehende, brüchig wirkende Stützwand wird durch eine stabilere aus Stahl ersetzt. Zeitgleich wird das marode Dach zurückgebaut und der neue Blickfang aus Glas errichtet. Nach der Überdachung folgt dann die Erneuerung der bisher weniger einladenden, grau-grünen und tristen Gleishalle. Zehn Bauphasen beinhaltet das Bahnhofsprojekt insgesamt und ist unter laufendem Verkehr eine logistische Herausforderung ─ besonders in der Nachverkehrshochburg-Ruhrgebiet. Kirsten Verbeek, die Pressesprecherin der NRW-Deutsche Bahn AG, sieht diese schwierige Aufgabe des auf die Minute genau und auf die Gewerke abgestimmten Zeitplans dennoch recht gelassen: „Es werden ja lediglich Gleise gesperrt und Züge verlegt. Das bedeutet für Reisende einfach nur, dass sie zu einem anderen Bahnsteig müssen.“ Dadurch verursachte Wartezeiten für die etwa 100.000 Mitfahrer*innen oder gravierende Einschränkungen für 900 Züge  täglich lehnt Verbeek vorläufig ebenfalls ab.

Warum erst jetzt?

Nicht erst seit Neustem bedarf es unbedingt einer Grundsanierung der längst ausgedienten Bahnstation. Gerade in der lokalen Berichterstattung fand diese Debatte vor acht Jahren ihren Höhepunkt, als die ohnehin schon marode Bedachung durch einen Sturm zunehmend beschädigt wurde. Die erstmals 1933 errichtete Bahnhofshalle, die dann nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebaut werden musste, stand lange Zeit unter Denkmalschutz. Neben der Finanzierung habe dieser das Vorhaben immer wieder verzögert, äußert die Deutsche Bahn auf ihrer Homepage. Bis es allerdings zu den schätzungsweise fünf bis sechs Jahre andauernden Umbaumaßnahmen kommt, muss der Bahnhof zunächst auf Kampfmittel untersucht werden.

Duisburg macht den Startschuss des landesweiten Großsanierungsprojekts. Im weiteren Verlauf sollen 150 Bahnhöfe in NRW modernisiert werden. Der Neuanstrich äußert sich durch Installation neuer Rampen und Leuchten sowie darin, mehr Sicherheit für sehbehinderte Menschen zu schaffen. Bereits vor dem Projekt wurden 87 Gleishallen instand gesetzt, jetzt soll der nächste Modernisierungsschub erfolgen. Mehr als eine Milliarde Euro stellen Land, Bahn- und Verkehrsbetriebe dafür bereit – Duisburg beansprucht davon alleine 152 Millionen. Finanziert werden die Umbaumaßnahmen unter anderem aus dem Budget der Modernisierungsoffensiven zwei und drei, als auch des Ausbaus der Infrastruktur für den Rhein-Ruhr-Express (RRX). Die Volleinführung des Systems von beschleunigten Regionalzügen RRX soll bis zum Jahr 2020 andauern. Ob Duisburg diese Möglichkeit erst jetzt, mit dem endgültigen Ausstieg aus der städtischen Nahverkehrsfusion Via und dem ausgeglichenen Haushalt ganz zufällig nutzt, bleibt dahingestellt.