Breaken, Battles & Powermoves

Der Headspin ist einer der prägendsten Moves im Breakdance. Der offizielle Weltrekord liegt übrigens bei 131 Umdrehungen. (Foto: Pixabay.com/Peggy_Marco/CC0 Public Domain)

Der Headspin ist einer der prägendsten Moves im Breakdance. Der offizielle Weltrekord liegt übrigens bei 131 Umdrehungen. (Foto: Pixabay.com/Peggy_Marco/CC0 Public Domain)

Das Battle of the Year (BOTY) ist die größte Breakdance-Veranstaltung Deutschlands und eines der wichtigsten Turniere weltweit. Zum ersten Mal kommt die Tanz-Elite am Samstag, 29. Oktober, in die Essener Grugahalle. Grund genug, einen Blick auf die Szene zu werfen. Dabei hilft Sinan Karabulut, der seit fast 15 Jahren Breakdance tanzt und Mitglied des mehrmaligen deutschen Meisters Reckless Crew ist.

Seit 1990 gibt es das BOTY schon. Ab 2001 war, bis auf drei Jahre in Montpellier, Braunschweig Austragungsort für den Wettkampf. Dieses Jahr kommt das BOTY nach Essen. 16 Crews aus der ganzen Welt treten um den Titel als beste Breaker*innen an. Eine Crew ist der Zusammenschluss von mehreren Tänzer*innen. Richtlinien für eine feste Größe der Gruppen gibt es nicht. Auch die Reckless Crew hat in den Jahren 2011 und 2012 als deutscher Meister am BOTY teilgenommen, damals noch unter den Namen Reckless Bunch und Reckless Gang.

Sinan war als Tänzer damals noch nicht dabei: „Ich war aus verletzungstechnischen Gründen leider nicht fit genug. Ich hatte lange Zeit Probleme mit dem Handgelenk.“ Doch auch schon vor dem Sprung ins professionelle Breakdancen (kurz:  Breaken) war er als Zuschauer bei einigen Turnieren dabei. Die Stimmung sei immer super gewesen, auch wenn sie sich in den letzten Jahren doch verändert habe. „Als ich angefangen hab‘, konnte ich noch in die, ich nenn es mal ´alte Szene´, reinschnuppern. Da war die Stimmung meiner Meinung nach besser. Wenn du zum Battle of the Year gefahren bist, wusstest du nur: Da kommen nur die besten Crews aus verschiedenen Ländern. Du hast dann Moves gesehen, von denen hättest du im Traum nicht gedacht, dass die möglich sind“, erzählt Sinan. Heute würden sich die Zuschauer*innen die Shows oft vorher im Internet anschauen und wüssten dann ganz genau, welche Breaker*innen zum Turnier kommen und welche Moves sie können. „Dementsprechend sind die auf der Veranstaltung dann nicht mehr so geflasht. Da hat das Internet dann schon ein bisschen was kaputt gemacht“, sagt Sinan.

Reich wird man nicht

Bevor die Crews am internationalen BOTY teilnehmen dürfen, müssen sie sich in nationalen Vorentscheiden qualifizieren. Beim BOTY tanzt dann jede Crew eine eigene Show, die von der Jury bewertet wird. Die vier besten Crews treten in Halbfinal- und Final-Battles gegeneinander an. Bei einem Battle tanzen zwei Crews direkt gegeneinander. Dabei wechseln sich die Breaker*innen der beiden Gruppen mit ihren Choreographien ab. Den Sieger*innen des BOTY winkt hauptsächlich die Anerkennung des Publikums. „Mit den Battles kann man außer Ruhm kaum was gewinnen. Die Gagen sind halt nicht so hoch. Beim nationalen Battle of the Year gewinnt man mit der Crew etwa 1.500 Euro, beim internationalen waren das damals 2.500 Euro. Das muss man dann auch alles mit der Crew aufteilen“, erklärt Sinan. Generell sei es schwierig, nur vom Breaken zu leben: „Es ist auch eine unsichere Sache. Breaken kannst du halt so bis 35, maximal 40 vielleicht. Aber dann machen es die Knochen einfach nicht mehr mit.“ Sinan hat sich bewusst dagegen entschieden, sich nur auf das Tanzen zu konzentrieren. Er studiert Mathe und Philosophie auf Lehramt in Wuppertal.

Während eines Battles werden verschiedene Elemente des Breakdancens gezeigt. Das Tanzen im Stehen und vielleicht klassischste Element des Breakens ist das Top Rocking. Footworks sind das Tanzen auf dem Boden. Bei Freezes verharrt der Körper in einer möglichst eindrucksvollen Position und das vierte und für Zuschauer*innen sicherlich am eindrucksvollste Element sind die Powermoves, bei denen der Körper in der Luft rotiert. Sinan hat sich vor allem auf das artistische Element spezialisiert: „In der Szene nennt man mich dann Powermover. Powermoves machen mir am meisten Spaß und ich kann dabei gut Metal hören. Da musst du halt akrobatische Leistung bringen und wie der Name sagt: Power geben.“

Die Szene habe sich in den Jahren verändert, vor allem die Bandbreite sei gewachsen, meint Sinan. „Es gibt inzwischen Leute, wie ich, die das auf Metal machen oder andere Leute, die das eher auf elektronischer Musik tanzen. Das sind absolut abstrakte Breakdance-Weisen, die sich daraus entwickelt haben.“ Doch es gibt auch Kritik an den neuen Tanzstilen, vor allem von den älteren Tänzer*innen. „Die sagen: Das ist scheiße, dass Leute jetzt anfangen Breakdance zu machen, was für uns kein Breakdance mehr ist. Aber ich find das blöd. Für mich ist das ein Tanz. Und Tanz ist Kunst. Und Kunst hat keine Grenzen.“

Eine Szene im Wandel

Die fast schon zwangsmäßige Verbindung zwischen Hip-Hop und Breakdance sei durch die neuen Stile auf jeden Fall etwas gelockert worden. „In erster Linie ist Breakdance aber immer noch Hip-Hop“, so Sinan. Und nicht nur auf Elektronik und Metal lässt sich breaken. Dass Breakdance auch in der vermeintlich ungewöhnlichen Kombination mit Klassik erfolgsversprechend ist, zeigen beispielsweise Red Bull Flying Bach oder das Vivaldi-Experiment. Bei Flying Bach tanzte die Flying Steps Crew, mehrmaliger BOTY-Gewinner, zur Musik von Bach. Das Vivaldi-Experiment erlangte vor allem aufgrund des Auftritts des Rappers MoTrip mediale Aufmerksamkeit. Teil der Show war auch ein Auftritt der Reckless Crew zu Vivaldis „Jahreszeiten“. Gemeinsam mit Kindern einer Gesamtschule haben Sinan und vier andere Tänzer der Crew eine Choreographie aufgeführt.

Beim BOTY am 29. Oktober werden die Crews aber doch eher zu den szenetypischen Hip-Hop Beats tanzen. Tickets gibt es für 35 Euro. Dass Sinan zum BOTY gehen wird, steht für ihn außer Frage: „Wenn das mal in Essen ist, ganz ehrlich, da muss man doch hin.“ Und wer tatsächlich über einen Besuch nachdenkt, sollte sich vielleicht nicht alle Videos der Tänzer*innen im Netz anschauen. Doch auch ohne BOTY-Ticket kann man sich am 28. und 29. Oktober in Essen Weltklasse-Breakdance anschauen. Am Freitag finden am Limbecker Platz um 18.30 Uhr die One vs. One Battles statt. Um 20 Uhr treten im Essence Club die B-Girls in Two vs. Two Battles gegeneinander an. Der Eintritt am Limbecker Platz ist frei, im Essence kostet es 8 Euro. Ebenfalls mit freiem Eintritt am Limbecker Platz findet am Samstag um 14 Uhr das BOTY Kids-Battle statt. Breakdance satt also für das Wochenende.


Wer selbst Interesse an Breakdance hat und ein paar Moves lernen möchte: Sinan gibt auch Unterricht in den Tanzschulen Balsano, Dance & More in Essen und der Altstadt Tanzschule Mülheim. Außerdem gibt er einen Breakletics-Kurs. Infos dazu gibt es auf www.breakletics.de