Gemeinschaft gärtnern

Ein Platz im Grünen: der Lorengarten in Altendorf. (Fotos: mal)

Ein Platz im Grünen: der Lorengarten in Essen-Altendorf. (Fotos: mal)

Ob Kürbis oder Rosenkohl – sogar im alles zu jeder Zeit habenden Supermarkt hat der Herbst Einzug genommen. Und Herbst heißt in diesen Breiten vor allem auch Erntezeit. Wer pflückt aber heutzutage noch selbst Äpfel, zieht Möhren oder weiß, wie genau Obst und Gemüse wachsen? Im Lorengarten, einer der vielen Gemeinschaftsgärten in Essen, wird zusammen gebaut, gesät, Unkraut gezupft, geerntet und das ein oder andere Bier vom Kiosk um die Ecke gezischt.

Einen Garten am Wohnhaus zu besitzen, zählt in der Großstadt als Glücksfall. Diesen auch noch nach den eigenen Vorstellungen bepflanzen zu können, ist wohl eine Seltenheit. Manchmal gehört zur Wohnung oder WG immerhin ein Balkon, der mit Tomaten oder Kräutern begrünt werden kann.  „Aber da ist man schon ziemlich begrenzt“, meint Jessica (31), die zuerst auf ihrem Balkon gegärtnert hatte. Dadurch und durch so genannte Kräuterwanderungen – geführte Touren, bei denen verschiedene Kräuter gezeigt und deren Wirkung erklärt werden – wollte sich Jessica weiter ins Dickicht schlagen und suchte aktiv nach Gemeinschaftsgärten. „Von den gemeinschaftlichen Gärten habe ich durch einen Freund aus Berlin erfahren, der mich dort in einen Garten mitgenommen hatte.“ Bei einem Treffen von Transition Town Essen, einer Initiative, die seit 2012 mit Projekten wie Repair-Cafés oder Netzwerken wie dem Essener Tauschkreis, die Stadt nachhaltiger gestalten möchte, hatte sie davon erfahren, dass ein neuer Gemeinschaftsgarten in Essen Altendorf entstehen soll. So war Jessica im Januar 2015, kurz nach den ersten Treffen, zur Gruppe des Lorengartens gestoßen. Es folgten einige Monate der Planung; die Fläche, an einer Wiese hinter dem Altendorfer Treff gelegen, musste bereinigt werden. Bodenproben ergaben außerdem, dass die Erde verseucht und nicht für den Anbau von Lebensmitteln geeignet ist.

8_garten-3Beete hoch hinaus

Ab Februar diesen Jahres hieß es deshalb: Hochbeete bauen. Als Grundmaterial dienten alte Paletten. Eine kleine Hütte für die Geräte wurde gezimmert und Möbel vom Sperrmüll zu einer gemütlichen Sitzecke verwandelt. Im Garten mit dabei war nun auch Käthe (26), die gerade ihr Waterscience Studium an der UDE begonnen hatte und sich besonders über die neue Gemeinschaft freut und darüber einen Ort gefunden zu haben, wo sie einfach hingehen kann.. „Es ist auch ein Projekt, wo man sieht, was man geschaffen hat und gleichzeitig in der Natur ist. Also zum einen das Handwerkliche, wenn es was zu bauen gibt und zum anderen die Prozesse in der Natur besser wahrnehmen zu können.“

Eine Gärtner*innenlehre hat keine*r der acht aktuellen Vereinsmitglieder. Dafür schauen Käthe und Jessica gelegentlich in ein paar Bücher, aber vor allem wird sich untereinander ausgetauscht. „Jeder hat Ahnung auf einem anderen Gebiet. Und sonst probieren wir einfach aus“, meint Jessica. Nur ökologisch muss es sein, was bedeutet, dass keine chemischen Dünger verwendet werden. Ansonsten gibt es noch die Vorlage der Stadt, dass nichts fest in den Boden verankert werden darf.

8_gartenKlingt als wäre der Garten nur ein vorübergehendes Projekt? Dem sei nicht so, erklärt Jessica, die auch vom gemeinschaftlichen Ausflug zur Saatgutmesse nach Düsseldorf erzählt, von wo aus sie selbstgezogene Samen mitgebracht haben. Finanziert wird das Wenige, was überhaupt gekauft werden muss, durch Spenden oder aus eigener Tasche. Erde und Pferdeäpfel können aber umsonst von Kleingärtner*innen oder Bäuer*innen abgeholt werden, genauso wie Büsche und Bäume.

Neben dem Gärtnern, Selbstversorger*in spielen und der Gemeinschaft findet Käthe, dass eine Stadt gerade solche öffentlichen Grünflächen braucht. „Jeder kann hier dazukommen und man schafft etwas, was weder mit Arbeit noch mit Geld zu tun hat. Und man merkt, dass Projekte gemeinschaftlich ohne einen Arbeitgeber organisiert werden können.“

8_garten_onlienWer Lust bekommen hat, selbst in der Erde zu wühlen oder sich den Garten einfach mal anschauen möchte, kann zum monatlichen Treffen, jeweils am ersten Mittwoch des Monats um 19 Uhr kommen. Gerade auch am Wochenende lohnt es sich im kleinen Paradies vorbei zu schauen, irgendwer ist bestimmt im Garten in der Kopernikusstraße 8 hinter dem Penny-Markt zu finden.

Bald muss der Garten auf den Winter vorbereitet werden und Jessica schwebt auch die ein oder andere Glühweinparty für die kalten Monate vor. Noch ist es aber nicht so weit und es kann noch einiges geerntet werden. „Bei vielem Gemüse wusste ich gar nicht, wann die eigentliche Saison ist. Das liegt ja immer im Supermarkt. Aber Kürbis ist eines der Gemüse, wie Erdbeeren oder Spargel, die halbwegs noch so einen saisonalen Charakter haben.“ Da schmeckt die selbstgekochte Kürbissuppe mit dem eigen angebauten und geernteten Gemüse gleich doppelt so gut.


Nächstes Treffen: 5. Oktober, 19 Uhr, Kopernikusstraße 8, bei schlechtem Wetter im Altendorfer Treff.

Alle Gärten in der Übersicht unter: transitiontown-essen.de/gruppen/gemeinschaftsgaerten