Rekord mit Herz

900 Euro: Andi freut sich gemeinsam mit seinen Fußballfreunden und Mitarbeiter*innen des WinterSpielPlatzes. (Fotos: mal)

900 Euro: Andi freut sich gemeinsam mit seinen Fußballfreunden und Mitarbeiter*innen des Winter-Spiel-Platzes. (Fotos: mal)

Tag für Tag – ob Sommer, ob Winter: Zum fünften Mal hat Andre Brieux (68) ein ganzes Jahr lang Leergut auf dem Essener Campus gesammelt (akduell berichtete). Durch die Unterstützung von vielen helfenden Händen konnte Andi in diesem Jahr sogar 900 Euro für die Kinder des Winter-Spiel-Platzes zusammen bringen. Ein neuer Rekord. Vergangenen Sonntag, 23. Oktober, hieß es deshalb: auf nach Essen-Schonnebeck.

Es ist früher Nachmittag und Andi tritt strahlend, aber auch etwas nervös aus seiner Haustür. Er wird von Christian, einem Kumpel vom Rot-Weiß-Essener-Fanclub Die Adler, abgeholt. Gemeinsam geht es zur Christus Kirche, die zur Eröffnungsfeier der Winter-Spiel-Platz-Session einen roten Teppich vorm Eingang platziert hat. Im großen Saal der Kirche, der in den kalten Monaten Montag bis Mittwoch von 9 bis 12 Uhr Familien kostenlos zur Verfügung steht, sind bereits verschiedene Spielwelten aufgebaut. Die umherwuselnden Kleinen fehlen noch und auch das Buffet mit Kuchen und Waffeln wartet darauf, eröffnet zu werden. Während der letzten Vorbereitungen, füllen Andi und Regina, eine ehrenamtliche Helferin des Winter-Spiel-Platzes, die Urkunden für Andis Unterstützer*innen aus. Von der Uni-Cafete, Andis Nachbarin, dem AStA bis hin zu seinen Kumpels von Rot-Weiß-Essen: Die Liste von Menschen, bei denen sich Andi bedanken möchte, ist lang. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die das Projekt unterstützt haben“, meint er. Bloß nicht allein im Rampenlicht stehen, heißt die Devise des bescheidenen Rentners.

Auch Kleinvieh macht Mist

Wenig später wird er trotzdem auf die Bühne gebeten und überreicht stolz den 900 Euro-Check. Als Andi kurz darauf zwischen den Kindern steht, die blitzschnell ein neues Bobbycar auspacken, kämpft er, sich die Gerührtheitstränen zu verkneifen. Als Dankeschön für sein Engagement bekommt er vom Winter-Spiel-Platz einen Gutschein für das Fußballmuseum in Dortmund überreicht, inklusive der Zugfahrt.

2_andy_favouritIm letzten Jahr noch 750 Euro überreicht, hatte sich Andi dieses Jahr 700 Euro vorgenommen. Aber da mittlerweile sogar einzelne Büros auf dem Campus Pfand für ihn sammeln und er auch vom AStA weiterhin unterstützt wird, wurden daraus schließlich 800 Euro. „Auch bei den Studis hat sich mein Anliegen weiter rumgesprochen und mir wurden öfters Flaschen in die Hand gedrückt.“

Wie im letzten Jahr wurden die restlichen 100 Euro vom Fanclub Die Adler von Rot-Weiß-Essen beigesteuert.

Auch Regina schätzt Andis Unterstützer*innen und ist jedes Jahr gespannt, wer ihn diesmal begleiten wird. Neben der finanziellen Spende, von denen das Projekt getragen wird und beispielsweise neues Spielzeug kaufen kann, bewundert Regina aber vor allem Andis persönliches Engagement: „Die Unterstützung kommt nicht von einer Firma, nicht aus dem Überfluss, sondern er arbeitet richtig dafür. Und ich denke, dass er fast derjenige von allen ist, der übers Jahr gesehen am meisten Zeit für den Winter-Spiel-Platz investiert. Das berührt uns als Team und hilft uns auch dadurch, weil Andis Arbeit die unsere wertschätzt.“

Auf ein Neues

Andi erinnert sich derweil an seine Sammleranfangszeiten, als er sich nicht getraut hat, auch in den Mülltonnen nach Pfand zu suchen. Die Hemmungen am Automaten im Supermarkt das Leergut nur umzutauschen und nichts einzukaufen, holt ihn hingegen an manchen Tagen wieder ein. Denn wie auch beim Pfandsammeln begegnen ihm teilweise Menschen, von denen er angepöbelt oder verurteilt wird.

Nichtsdestotrotz macht Andi seine Beschäftigung, durch die er auch viele soziale Kontakte knüpfen konnte, Spaß. „Ich bin stolz, dass ich das machen kann und hoffe es geht noch einige Jahre weiter.“ Bald darauf verabschiedet er sich von den bis zu 35 Kindern, für die der Winter-Spiel-Platz plus Eltern Platz bietet. Nach der ganzen Aufregung braucht er ein wenig Ruhe. „Bis zur nächsten Session,“ sagt Andi. Auf der Fahrt im Auto erspäht Andi durchs Fenster schon die nächsten Pfandflaschen.