Und im Raum steht ein großes Fragezeichen

Ein Kommentar von Björn Gögge

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Bieten ARD und ZDF nun mit „Funk“ auch etwas für jüngere Zuschauer*innen an? (Foto: Metropolico.org/flickr.com/(CC BY-SA 2.0) )

Die Schlagzeile, dass ARD und ZDF nun mit einem frischen und jungen Programm eine neue Zielgruppe (laut Webseite alle 14 bis 29-Jährigen) erreichen möchten, hat für Aufsehen gesorgt und alle Medienvertretenden in helle Aufruhr gebracht. „ARD und ZDF im neuen Gewand“ oder „Endlich auch was für unter 60-Jährige!“ hieß es und man war lange gespannt, was denn da auf uns zukommt.

Nach dem Start am 1. Oktober war aber klar: Es gibt keine neue Sendefrequenz und kein schönes, neues Programm – das Internet hat diesen Part übernommen und funk ist das neue Online-Medienangebot der Rundfunkanstalten. War man anfangs noch irgendwie gespannt, was da jetzt für neue Formate aufgefahren werden, ist nach dem Herunterladen der App die Ernüchterung schnell eingetreten. Dabei war der zwei Tage vor dem Launch eingestellte Trailer auf YouTube recht vielversprechend. Darin wurden alle möglichen Trendvideos und Memes der letzten Jahre so fantastisch miteinander verbunden, dass man gedacht hat: Okay, wow. Hier kommt etwas Neues, Großes, Gutes. Aber Pustekuchen.

Momentan sieht funk nämlich einfach nur nach einer Sammlung bereits existierender Medienmenschen aus, die über ihre verschiedenen Kanäle (YouTube, Snapchat et cetera) eigentlich genug Follower*innen haben und nicht noch jemanden brauchen, um in irgendeiner Form gepusht zu werden. Zusätzlich scheint die Zielgruppe auch nicht wirklich erreicht, denn um gewissen Content (oder dessen Ironie, Humor, Meta-Ebene et cetera) verstehen zu können, sollte man im letzten Viertel der 14 bis 29-Jährigen angekommen sein. Die Beiträge in der App hingegen zielen anscheinend auf Menschen unterhalb der Volljährigkeit, zumindest werden den Lesenden nicht mehr als acht aufeinander folgende Zeilen zugetraut.

Schade eigentlich, dass 40 Millionen Euro nicht besser verwendet wurden. Aber zu früh zu urteilen, wäre genau so falsch. Immerhin ist das Format nun etwa anderthalb Wochen alt. Lassen wir es noch etwas reifen und erwachsen werden. Aber nicht zu lange. Sonst können wir auch direkt wieder den Musikantenstadl einschalten.