Gekommen, um zu bleiben

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Birgit Naujoks machte den Auftakt bei „Gekommen, um zu bleiben.“ (Foto: dav)

Das Institut für Optionale Studien (IOS) bietet dieses Semester eine Ringvorlesung an. In der Reihe „Gekommen, um zu bleiben“ soll das Thema Integration aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Den Auftakt machte am vergangenen Mittwoch, 2. November, Referentin Birgit Naujoks.

Der Raum des evangelischen Studierendenzentrums Die Brücke ist gut gefüllt. Etwas mehr als 50 Besucher*innen sind zum Auftakt der Ringvorlesung gekommen. Unter die Zuhörer*innen hatten sich neben den Studierenden auch einige Rentner*innen gemischt. So auch Hildegard Saß, die Lehrerin im Ruhestand ist und sich für die Anerkennung von freiwilligen Sprachkursen interessiert: „Ich gebe Deutschkurse als Ehrenamtliche in einem Flüchtlingsheim in der Klinkestraße in Essen und ich versuche, einige, die schon etwas weiter sind, auf A1 Sprachniveau zu bringen.“

Eine Ringvorlesung unterscheidet sich von anderen Veranstaltungen darin, dass die Inhalte interdisziplinär betrachtet werden. Jede Veranstaltung wird von einem*r anderen*r Dozent*in aus unterschiedlichen Fachbereichen gehalten. Die erste Veranstaltung mit dem Titel „Rechtliche Rahmenbedingungen und Integration“ hielt Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW, die auch für die fachlichen Inhalte der Reihe verantwortlich ist. Organisiert wurde die Veranstaltung von IOS-Mitarbeiterin Sabine Dittrich.

Den Vortrag eröffnet Naujoks mit Zahlen und Daten über Herkunftsländer, Geschlechts- und Altersgruppen und angenommene Asylanträge. Dann geht sie der Frage nach, wer als Flüchtling gilt und welche verschiedenen Schutzstufen es gibt. Das dient zur Vorbereitung auf den zentralen Punkt der Vorlesung: das neue Integrationsgesetz mit dem Grundsatz „Fördern und Fordern“. Naujoks steht dem Gesetz kritisch gegenüber: „Wir vom Flüchtlingsrat sprechen eher von Integrationsverhinderungsgesetz“. Neben den vielen negativen rechtlichen Änderungen wie beispielsweise der Wohnsitzauflage auch für anerkannte Flüchtlinge oder künstliche 1-Euro-Jobs, deren Aufwandsentschädigung von 1,05 Euro auf 80 Cent gesenkt wurde, biete das Integrationsgesetz eigentlich nur zweieinhalb Verbesserungen: Während einer Ausbildung dürfen Geflüchtete nicht abgeschoben werden. Und auch der Abschluss der Ausbildung führt zum Anspruch auf Aufenthalt. Außerdem wurde die Vorrangprüfung in 133 von insgesamt 156 Agenturbezirken der Bundesagentur für Arbeit ausgesetzt – nicht jedoch im Ruhrgebiet. Deswegen auch nur eine halbe Verbesserung.

Vor allem die Einteilung in Personen mit guter Bleibeperspektive und Personen aus sicheren Herkunftsländer anhand des Fluchtlandes sei fatal. Eine gute Bleibeperspektive haben Menschen aus Ländern, von denen im vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent der Asylanträge angenommen wurden. Naujoks betont, dass Asyl ein individuelles Verfahren sei, und die pauschale Unterstellung allein auf statistischen Grundlagen in der Praxis oft zu Fehlannahmen führe. An den 50-minütigen Vortrag schließt sich eine halbstündige Diskussion an, in der einzelne Inhalte nochmal genauer betrachtet werden.
Naujoks freut sich bereits auf die anderen Veranstaltungen: „Das schöne ist, dass man Integration hier interdisziplinär betrachtet. Das heißt, aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und ganz unterschiedlichen Bereichen und daraus entsteht ein Gesamtkonstrukt.“ So könnten Studierende im Rahmen der Veranstaltung auch ihr Fachwissen um Kompetenzen erweitern, die im Leben wichtig seien. „Dafür wurde die ja auch das Studium Generale mit seinen besonderen Anforderungen geschaffen“, meint Naujoks.

Die weiteren Termine der Reihe sind:
9. November: Timo Baas – Auswirkungen der ‚Flüchtlingskrise‘ auf die deutsche Volkswirtschaft
23. November: Sefik Tagay – Die Bedeutung von Flucht und Trauma bei Flüchtlingen
7. Dezember: Gaby Reinhard und Julia Raspel – Fluchtort Kommune – Sozialräumliche Integration
11. Januar: Alexander Schmidt und Marielly Casanova – Stadt mit sozialen Strategien entwickeln (zweisprachig)
25. Januar: Andreas Niederberger – Warum haben wir überhaupt Verpflichtungen gegenüber Flüchtlingen?