Just doin‘ our thing

Das Logo des Labels. (Foto: Richard Diesing)

Das Logo des Labels. (Foto: Richard Diesing)

Das Hamburger Label Audiolith hat seine 250. Veröffentlichung Doin` our thing, ein Sampler vertreten mit allen möglichen Musiker*innen der Plattenfirma, rausgebracht. Grund genug, dem Phänomen Audiolith nachzugehen.

Von Gastautor Richard Diesing

„Audiolith, Audiolith ich hab‘ dich so lieb und das schon seit zehn Jahren“, heißt es von Okma & Relups anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Plattenfirma. Und das ist nicht das einzige Lied, das Audiolith-Künstler*innen ihrem Label gewidmet haben. Frittenbude verknüpften in ihrem Lied Bilder mit Katze zum Beispiel eine Liebesgeschichte mit dem T-Shirt des Labels, das Kult-Status erreicht hat: „Du kaufst, der Frau die du liebst, ein Shirt von Audiolith“. Und der Hamburger Musiker ClickClickdecker wählte als Refrain seines Liedes Durch die Bank das Labelmotto „Just doin‘ our Thing“. Es entsteht der Eindruck, dass Audiolith kein gewöhnliches Label ist. „Ich denke wir haben aus Versehen etwas geschaffen, womit sich viele Menschen identifizieren können“, sagt Gründer Lars Lewerenz auf die Frage, was Audiolith so besonders macht. Er ist das Gesicht, der 2003 gegründeten Plattenfirma. Heute beschäftigt er mehrere Mitarbeiter und hat eine große Bandbreite an Musiker*innen unter Vertrag.

Diese Diversität ist auch ein Grund für seinen Erfolg. Audiolith ist zwar politisch eher links, hat aber auch genügend Künstler*innen an Board, die nicht explizit politisch in Erscheinung treten. Die einen machen elektronische Tanzmusik, die anderen ruhigen deutschsprachigen Indierock. Und ganz viele irgendwas dazwischen. Audiolith lässt den Künstler*innen freie Hand. Torsun von Egotronic zum Beispiel hat schon mehrere Male die Besetzung um ihn herum geändert und auch der Musikstil der Band hat sich mit den Jahren immer wieder gewandelt. Trotzdem ist Egotronic bis heute Audiolith treu geblieben – und andersherum.

Die Band ist so etwas wie das politische Aushängeschild des Labels, auch wenn es keine explizite Leitlinie für Musiker*innen gibt. Trotzdem sind es eher die linken Künstler*innen, die hier unter Vertrag stehen. Da sind, neben Egotronic, auch jüngere Bands wie Neonschwarz oder Feine Sahne Fischfilet. Beispiele dafür, dass Audiolith eine hervorragende Nachwuchsarbeit leistet. Junge, unbekanntere Acts landen auf dem Label und bleiben dort. Frittenbude zum Beispiel. Die Band ist über die linke Indieszene hinaus bekannt. Die Berliner brachten bisher alle ihrer Alben bei Audiolith heraus – trotz ihres einsetzenden Erfolges.

Ein Grund dafür sind die familiären Strukturen. „Der Erfolg ist eigentlich das soziale Netzwerk dahinter“, so Lewerenz 2010 gegenüber dem Kultursender Arte. Ist Audiolith also so etwas wie eine große Familie? Oft scheint es so. Die aufgelöste Band Bratze bestand aus zwei Musikern, die sich erst über Audiolith kennenlernten, auf dem sie zuvor schon Solo-Veröffentlichungen herausbrachten. Auch die gern erzählte Geschichte, dass Egotronic nie einen Vertrag mit Audiolith unterschrieben haben, sondern alles immer per Handschlag geregelt haben, trägt zu diesem Image bei. Das deutet ja an, dass die Beziehung der Bands und Künstler*innen zu ihrer Plattenfirma nicht szenetypisch scheint. Audiolith, das ist kein gesichtsloses Label wie jedes andere, sondern eines mit Herz und einer gewissen Einstellung.

Geld, das fällt auf, ist für Audiolith nicht so wichtig, wie bei vielen anderen Labels. Klar, die Veröffentlichungen müssen sich auch verkaufen, damit sich Audiolith weiter hält. Aber andere Dinge sind wichtiger. Die Persönlichkeit der Musiker*innen zum Beispiel. „Es ist ein Label basierend auf privaten Kontakten“, meint Torsun in der Doku 10 Jahre Egotronic. Lewerenz nehme zum Beispiel niemanden auf, den er nicht leiden kann, so Torsun weiter. Es seien immer freundschaftliche Verbindungen. „Deswegen funktioniert Audiolith halt auch ein bisschen anders als andere Labels“.

Audiolith hat sich mit der Zeit professionalisiert. Heute haben sie Mitarbeiter*innen, die sich zum Beispiel ausschliesslich um Pressemitteilungen und den Kontakt zu Journalist*innen kümmern. Es ist nicht mehr das Eine-Person-Label, wie es Lewerenz 2003 gründete. Seither erschienen 250 Veröffentlichungen auf Audiolith. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass aus einer kleinen Idee mein Beruf geworden ist und ein paar Leute ernähren kann“, so Lewerenz. Audiolith sei sein Alltag, sein Beruf und seine Liebe. An den Zeitpunkt, an dem er gemerkt hat, dass Audiolith mehr als ein Hobby wird, erinnert er sich trotzdem noch genau: „Als ich 2007 meinen 30 Stunden Job kündigen konnte, um mich hauptberuflich auf das Label zu konzentrieren.“ In diesem Jahr bezog Lewerenz auch sein erstes Büro. „Raus aus unserem Wohnzimmer und „richtig“ arbeiten gehen“, so beschreibt er das. Nun also die 250. Veröffentlichung der Hamburger*innen. Schauen wir mal, was die 500. sein wird.