Schul doch mal zurück

Ein Kommentar von Marie-Luise Eberhardt

Foto: pixabay.com/ kath007/ CCo Public Domain

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Die Landtagswahlen in NRW rücken näher und ein Thema dominiert die Medienlandschaft ungemein. Schließlich hat sich das Volk zu Wort gemeldet. Und diese wertvolle Stimme gilt es auf jeden Fall zu beachten.

Bereits im April hatte eine Elternumfrage ergeben, dass sich 79 Prozent der Eltern für die Wiedereinführung von G9 aussprechen. Elterninitiativen wie G9-Jetzt-NRW machen sich stark für ein Jahr länger Schule, weniger Stress, entspannteres Lernen, mehr Freizeit und weniger Druck. Oder doch für ein Jahr länger Schule, ein Jahr mehr Stress, Unfreiheit, Notendruck und Lerninhalte, deren fragwürdige Lebensbedeutung eher einmal in den Vordergrund rücken sollte.

Das so genannte Turbo-Abi wird hier als das Problem verhandelt, obwohl die Leistung der Schüler*innen sich erwiesenermaßen nicht zwischen G8 und G9 unterscheidet. Leistung steht wiederum im Fokus der Unternehmensverbände und die Wirtschaft ist natürlich daran interessiert, so schnell wie möglich Arbeitskräfte zu akquirieren. Okay ein Argument, allerdings steht es nicht im Zentrum der Debatte. Genauso wie das Bildungssystem nicht weiter angetastet oder gar in Frage gestellt wird. Dieses System verkörpert aber nun mal ein Leistungprinzip, was mit Konkurrenz, Stress und Druck verbunden ist. Egal ob 12 oder 13 Jahre.

Für mich, die zwölf Jahre zur Schule ging – in einem Bundesland, in welchem dies nie zur Debatte stand – war nicht die Zeit das Problem, sondern der Unterricht: Auswendig lernen statt Verstehen. Theoretisches Fachwissen statt praktischer Alltagsbezug, wie Kommunikation, Ernährung oder Berufsplanung. Kritikpunkte gibt es viele. Aber wohl die wenigsten haben mit einem Jahr mehr oder weniger zu tun.Vielleicht möchten die Eltern bloß ihre Kinder ein Jahr länger im sicheren Nest wissen?

Wer weiß. Die Parteien sind sich jedenfalls wunderbar uneins. Wie sollen auch die Stimmen der Bevölkerung mit denen der Wirtschaft vereint werden? Die einen wollen G9 wieder einführen, die anderen wollen, dass Familien und Lehrer*innen sich für acht oder neun Jahre entscheiden und wieder andere sehen die Entscheidung bei den einzelnen Schulen. Dann bekommen die leistungsstarken Schüler*innen acht Jahre verschrieben und die leistungsschwächeren neun. Qualität des Unterrichts? Fehlanzeige. Es lebe die Quantität!