Zum Konsumieren sind sie da

Das Mensafoyer in Essen. (Foto: mac

Das Mensafoyer in Essen. (Foto: mac

Ein Kommentar von Meiko Huismann

Jeder Gang zur Mensa am Essener Campus wird zur Qual. Früher wurde die gute alte Campustüte einmal im Semester verteilt und gut. Jeden Tag aufs Neue buhlen heute irgendwelche Plattformen für Jobs oder breit grinsende Vertreter*innen der Süddeutschen Zeitung um die Gunst der Studierenden. Oder wir wäre es mit dem neuen Damenduft „Rosebomb“ von Viktor und Rolf?

Täglich beginnt der Konsumwahnsinn im Essener Mensafoyer. Selbst während der Wahlwoche wurde mächtig geworben. Der Wahlausschuss musste gut geschützt vor den Blicken der Studierenden in die hinterletzte Ecke verschwinden. Stattdessen durften Vertreter*innen Studierende mit Konsumprodukten zumüllen. Wie das Foyer ausschaut, nachdem die Damen und Herren die Campustüten verteilt haben, ach was, wenn den Damen und Herren alle Tüten aus der Hand gerissen wurden, ist für mich unerträglich. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein am Arsch! Bei der letzten Verteilung kam mir eine Studierende entgegen und hatte fünf Campustüten getragen.

Die Marketingagenturen haben die Zeichen erkannt. Politikverdrossenheit und Konsumfreude haben längst auch auf dem Campus Einzug gehalten. Der selbsternannte Marktführer im Hochschulmarketing ist der Campus-Service mit Hauptsitz in Köln. Auch für das Essener Mensafoyer ist diese Agentur verantwortlich. Also wenn irgendwer, beispielsweise eine Fachschaft, einen Vorverkauf für eine ihrer Partys organisieren möchte, dann muss sich die Fachschaft nicht etwa beim Studierendenwerk melden, sondern beim Campus-Service in Köln.

Das Studierendenwerk hat die Vermietung der Fläche im Mensafoyer komplett in die Domstadt ausgegliedert. Denn von dort aus können die Belange der Studierenden auch klasse beurteilt werden. Sprich: Es kann durchaus sein, dass eine Anfrage drei Wochen dauert, bis das Einverständnis kommt und der Vorverkauf genehmigt ist. Für mich ergibt das auch Sinn. Mit einem Vorverkauf von Fachschafts-Partys verdient der Campus-Service ja nichts. Dann doch lieber die Süddeutsche Zeitung auf die Studierenden hetzen, oder den ADAC, oder irgendeine Arbeitsvermittlung, die Studierende in den zweifelhaften Arbeitsmarkt der Leiharbeit locken will oder den neuen Duft von Viktor und Rolf. Liebes Studierendenwerk: Ich möchte an einer Universität studieren und nicht konsumieren.