Rechts, Links, Rechts, Los.

2016, ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Überraschungen, positive, wie negative. Politik wird spätestens seit diesem Jahr selbst bei Grundschulkindern ein gemütsaufwühlendes Thema. Mein Neffe (10) fragte mich zur US-Präsident*innenschaftswahl: „Warum mögen die Amerikaner Trump so sehr?“. Ich versuchte eine verständliche Aussage zu finden, aber für menschverachtendes Gedankengut gibt es keine plausible Erklärung! Seufzen.

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Wohin sollen wir schauen? Wohin sollen wir gehen? (Foto: Nick Page/Look/flickr.com/CC by 2.0)

Die Bewerbung eines jeden Wahlkampfes hat Auswirkungen auf ihre potentiellen Wähler*innen, aber was genau ist es, dass Menschen zur noch hässlicheren Seite der Politik schwanken lässt? Gibt es in Deutschland „das Volk“? Was steckt hinter den rechten Bewegungen, die auf uns zu kommen? Ist Rechts tolerierbar geworden? Gibt es Verständnis für rechte Bewegungen? Wie wollen sich „besorgte Bürger*innen“ von rechtspopulistischen Gruppierungen/Parteien abgrenzen? Geht das überhaupt? In wie weit muss und sollte man, als Mensch der linken Mitte, rechte Meinungen akzeptieren? Wann ist man links, wann ist man rechts? Sind nur noch extreme Einstellungen vorhanden? Warum kann man anderen Menschen nicht den gleichen Wohlstand gönnen? Wie wird Wohlstand im Multikulti-Deutschland definiert?

2016, ein Fragenkatalog blättert unaufhörlich, vom Wind verursacht. Rechter Wind. Anlass für dieses Fragenchaos gibt mir auch die verhinderte Podiumsdiskussion vergangener Woche in der Universität zu Köln: „Universität als Chance – Bildung als entscheidendes Moment gelungener Integration?“, hierzu wurde auch Marcus Pretzell, Spitzenkandidat der AfD, geladen. 50 Demonstrant*innen konnten durch Besetzung der Aula, vor allem seinen Auftritt verhindern.

Obwohl die AfD immer wieder verbale Ohrfeigen von sich klar gegen Rechts positionierenden Menschen bekam, gibt sie nicht auf. Vielleicht feuert die „dämonische Liebe“ Petrys Pretzell und Co. an. Ähnlich schamlose Strategien wie der heiß verfolgte Trump: Rassismus streuen, ein bewusstes Mittel im Wahlkampf. Es ist ja nicht unbedingt so, dass jede*r Bürger*in das Recht der freien und eigenen Meinungsbildung und -äußerung hat. Des Öfteren stolpere ich auch über meine Faulheit, jedoch nicht in solch einer Konstitution: Alternative für Deutschland, alternativ zurücklehnen und die Meinung anderer schlucken. Einfacher geht’s nicht. Ein Sechser im Lotto, oder doch eher 666? Definitiv Letzteres. Es gibt nämlich auch noch echte Probleme: Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen der Unter- und Mittelschicht, veraltete Schulsysteme, hohe Zuwanderung ohne Integrationshilfen, Verminderung der Sozialhilfe/-leistungen, einen Tag im Schwimmbad für islamische Frauen, Steuererhöhung. Was? Ausübung der Religion in öffentlichen Räumlichkeiten?

Was passiert mit Deutschland?

Viele Menschen fühlen sich in ihrer Person durch neue, noch fremde Dinge verunsichert. Zeigefinger hoch! Obwohl der menschliche Ursprung und deren Entwicklung auf Neugier basiert. Zeigefinger runter! Die schon oben genannte Partei hat schlauerweise erkannt, dass sie sich diese Verunsicherung wie Piranhas einfleischen, in dem sie potentielle einfache und auch für die Mehrheit ihrer Wähler*innen verständliche Lösungen anbieten und nebenher ein bisschen mehr Verunsicherung anzetteln. Wie die Bäuerin auf ihrem frisch gepflügten Feld Samen sät.

Fruchtbar war 2016 allemal für die (definitiv nicht) Alternative für Deutschland, leider.

Diese Kleinigkeiten bleiben erstmal puristischer Splitter in den verzerrten Ansichten der AfD. Um die einleitenden Fragen zu beantworten, fehlt die nötige und oft auch die politische Tiefe. Immer wieder über die aktuellen politischen Neuheiten nachzudenken und sich neu zu positionieren, Stellung zu nehmen und nicht alles als eine Phase abzuwinken trägt dazu bei, scheinbar einfache postfaktische Fragen (von Kindern) beantworten zu können.