Best of gemäßigte AfD

Ob es gemäßigte AfD-Mitglieder gibt, darüber lässt sich streiten. Björn Höcke jedenfalls ist alles andere als gemäßigt. (Foto: rod)

Ob es gemäßigte AfD-Mitglieder gibt, darüber lässt sich streiten. Björn Höcke jedenfalls ist alles andere als gemäßigt. (Foto: rod)

Björn Höcke hat wieder zugeschlagen. Er sagte kürzlich in Dresden in Bezug auf das Holocaust-Denkmal: „Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von uns Patrioten, die sich hier versammelt haben – also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Wegen der zunehmend radikaleren Äußerungen gelten Funktionär*innen der AfD mittlerweile als gemäßigt, wenn sie sich von Höckes Äußerungen distanzieren. Wir blicken genauer auf diese ach so moderaten Töne.

Wenn es eine AfD-Politikerin gibt, die vordergründig kein rechtes Schmuddelimage hat, dann ist es Alice Weidel. Immer im Anzug ist die Unternehmensberaterin und baden-württembergische Landtagsabgeordnete ein gern gesehener Gast in sämtlichen Talkshows. Zur Causa Höcke sagte sie: „Solche unsäglichen, rückwärtsgewandten Debatten sind überflüssig und kontraproduktiv. Herrn Höckes Alleingänge schaden der Akzeptanz der Partei bei den Bürgern.“ Keine Distanzierung vom Inhalt – aber ein strategischer Rüffel.

„Verengte Erinnerungskultur aufbrechen“

Denn Weidel kann selbst auch richtig auf die Pauke hauen. Das Bundesvorstandsmitglied beschwört in einem Gastartikel in der Wochenzeitung Junge Freiheit, einem Presseorgan der Neuen Rechten, auch gerne mal die „Islamisierung unserer Gesellschaft“ und die „Religions- und Geschlechterapartheit“ (Rechtschreibfehler im Original). Die Überlingerin ist seit Gründung der Partei dabei. Im vergangenen Jahr arbeitete sie noch am Grundsatzprogramm der AfD mit und das fordert auf Seite 48: „Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist zugunsten einer erweiterten Geschichtsbetrachtung aufzubrechen.“

Der als gemäßigt geltende Bundessprecher Jörg Meuthen sah schon im Entwurf dieser Passage „wirklich nichts Verwerfliches“, es sei das Ziel zu einer „differenzierteren und umfassenderen Betrachtung unserer eigenen Geschichte“ zu gelangen, „die ihre großen Leistungen aus anderen Zeiten ebenso beleuchtet wie ihre unvorstellbar grauenhaften Taten in Zeiten des Nationalsozialismus“.

Obwohl sich Meuthen nah an Höckes Revisionismus bewegt, gilt es im medialen Diskurs schon als parteiinterner Tadel, dass Meuthen die Aussagen von Höcke kritisch sehe. Wie nah sich die beiden inhaltlich stehen, zeigt auch Höckes Stellungnahme nach seinen Äußerungen: „Sie (Anm. d. Redaktion: die Schuld) ist ein Teil unserer Geschichte. Aber sie ist eben nur ein Teil unserer Geschichte“ und weiter: „Uns zeichnet aber auch etwas anderes aus: Wir haben den Buchdruck erfunden, Martin Luther stieß die Reformation an. Wir sind das Land der Philosophen, Dichter, Komponisten und Erfinder. Dieser großartige kulturelle Schatz gerät uns zuweilen aus dem Blick.“ Dass schon Adolf Hitler Martin Luther wegen seines Antisemitismus verehrte, dürfte auch der Geschichtslehrer Björn Höcke wissen.

Völkisch-nationaler Vormarsch

Auch Marcus Pretzell, Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in NRW, distanzierte sich eiligst von der Dresdner Rede. Er sagte zu Höcke: „Zum wiederholten Male rührt er dabei mit größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht die Aufgabe der AfD ist.“ Auch hier findet sich wieder eine Betonung auf die zeitliche Dimension. Implizit lässt sich daraus auch schließen, die Revision dieser obliege überhaupt jemandem. Für eine Aufarbeitung des Nationalsozialismus setzt sich Pretzell damit aber auch nicht ein.

Solche Aussagen sind kein Zufall. Wenn auch nicht so donnernd wie der thüringische Landesvorsitzende sondern subtiler – beherrscht auch Pretzell die völkischen Töne im nationalen Blasorchester. Zur Asylpolitik sagte er im Oktober 2016: Deutschland würde durch die Aufnahme von Geflüchteten „höchstens irakische und syrische Probleme nach Deutschland importieren“. [rod/mac]