EMMA und die Denkverbote

Ein Kommentar von Maren Wenzel

Klicks, Klicks, Klicks: EMMAs scharfer Teaser auf Twitter. (Sreenshot: mac)

„Die #Hetzfeministinnen, pardon: #Netzfeministinnen. Sie haben nichts zu sagen, aber verbieten anderen den Mund“ – twittert die Zeitschrift EMMA, um den neuen, den großen Wurf zu verkaufen (siehe Screenshot). Einen Artikel mit dem Titel Berliner Szene: Die Hetzfeministinnen. Ring frei: in der einen Ecke die konservativen Feministinnen um Alice Schwarzer, in der anderen die konstruierten Netzfeministinnen™ . EMMA gegen das Missy Magazine, das Blog Mädchenmannschaft, die #ausnahmslos und #aufschrei-Kampagnen und die queere Rapperin Sookee. Für eine Runde Popcorn beim Scrollen der Reaktionen auf Twitter reicht der Beitrag. Aber für mehr eben auch nicht.

EMMA macht den Rundumschlag. Netzfeministinnen™ würden andere einschüchtern: Mit ihrer angeblich exklusiven Sprache (Gendern, Triggerwarnungen), Machtbündnissen in Berlin und ihrer moralischen Überlegenheit, Tribunalen sowie Rassismus-Vorwürfen. Und sie seien „Pro Prostitution“, gar „Pro Burka“ und biederten sich damit dem ideologischen Islam an. Alles in einen Topf. Das ist die Abrechnung, EMMA-Style.

Dabei gibt es gute Gründe, die oben stehenden feministischen Strömungen zu kritisieren. Vor allem die Kampagne #ausnahmslos, zum Beispiel für Bündnisse mit Antisemit*innen (akduell berichtete). Und eben auch ihren Umgang mit Feminist*innen, die das kritisieren. Die Chance hat EMMA aber gründlich verpasst, indem sie von „der Rigidität und dem Terror dieser Politisch Korrekten?!“ sowie von einer „schwer fassbare[n] Armee anonymer Gesinnungspolizist_*innen“ und von „Denkverboten“ schreibt. Man könnte denken, hier wurden fleißig Schlagzeilen des rechten Blogs PI-News abgetippt.

Schulter an Schulter mit rechter Denke gegen den Feminismus. Aber eben den Feminismus der Anderen™. Diese Bewegung, sie ist und bleibt eben heterogen. Eigentlich, ja eigentlich sollte es doch darum gehen, für eine gerechte und lebenswerte Welt zu kämpfen. Wie das ohne Selbstkritik und mit rechtem Sprech gehen soll, damit kann sich EMMA ja im nächsten viralen Artikel beschäftigen. Es ist noch Popcorn da.