Frauenrechte sind Menschenrechte

Am 21. Januar werden vor allem US-Amerikaner*innen, aber auch weltweit Menschen auf die Straße gehen. Sie wollen sich für Menschenrechte – und Frauenrechte im Besonderen – stark machen. Wir fassen für euch zusammen, wer und was dahinter steckt.

Einen Tag nach Donald Trumps Inauguration, der Amtseinführung als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika am 20. Januar, soll der „Women’s March on Washington” sowie zahlreiche Schwestern-Märsche stattfinden. Aktuell sind 370 solcher Events geplant; entsprechend bisheriger Anmeldungen wird mit 700.000 Unterstützer*innen weltweit gerechnet (Stand: 15. Januar 2017).

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Der „Women‘s March on Washington“ will ein Zeichen setzen und Veränderungen anstoßen. (Foto: caro)

Der Veranstaltungsname lehnt sich an den „March on Washington for Jobs and Freedom” an, im Rahmen dessen Martin Luther King seine berühmte „I have a dream”-Rede hielt. Owen Jappen, Vorsitzender des Bereichs Fundraising und Events von Democrats Abroad Germany, erklärt das Motiv dahinter: „Das Ziel hier ist in der Tat, an die Grundprinzipien der Gewaltfreiheit, geprägt durch Dr. [Martin Luther] King, zu erinnern (…).“* Gewaltfreiheit sei eine „positive Kraft“, mit der man Ungerechtigkeit entgegenwirken könne, da sie „deutlich den Kontrast im Vergleich zur hasserfüllten und repressiven Rhetorik, die unsere Opposition nutzt, aufzeigt“.

Offiziell ist der Marsch keine Demonstration gegen Trump. Der Zeitpunkt und die Ziele des Marsches zeigen jedoch eine klare Positionierung gegen seine Auffassungen und für Demokratie auf. Der designierte Präsident fiel im Wahlkampf immer wieder durch kontroverse, sexistische und rassistische Äußerungen auf. Er hetzte gegen Muslim*as, will bis auf weiteres deren Einreise verbieten. Mexikaner*innen brächten Drogen und Kriminalität ins Land und noch dazu seien sie Vergewaltiger*innen. Er gab an, Foltermethoden wie Waterboarding wieder einführen zu wollen. Frauen sieht er als Objekte, denen er überlegen sei. Selbst vor seiner eigenen Tochter, so deutet er an, würde er keinen Halt machen, wäre sie nicht eben diese. Angeblich ein Witz. Nicht zu vergessen, die als „locker room talk“ verharmloste Botschaft, Frauen könne man(n) einfach begrapschen – wenn man denn berühmt sei.

Die Organisator*innen und Unterstützer*innen des „Women’s March on Washington“ hingegen sprechen sich in ihren acht Unity Principles auf ihrer Homepage unter anderem gegen Racial Profiling und Polizeigewalt aus. Sie kämpfen für Frauen- und LGBT*QIA-Rechte sowie Bürger*innen- und Arbeiter*innenrechte. In ihrem Verständnis ist auch Migration ein Menschenrecht, denn „kein Mensch [ist] illegal“. In einer Pressemitteilung vom 9. Januar schreibt Mitorganisatiorin Tina Cassidy: „(…) Die Mission ist, Menschen zusammen zu bringen und zu Themen Stellung zu nehmen, die alle von uns zutiefst beeinflussen. In einer Zeit, in der viele befürchten, ihre Stimmen würden ungehört bleiben, werden die Märsche danach streben, die amerikanischen Grundwerte von Freiheit und Demokratie für alle wieder zu bekräftigen“. Zu den Märschen eingeladen sind nicht allein Frauen*, sondern alle diejenigen, „die daran glauben, dass Frauenrechte Menschenrechte sind“.

Initiiert wurde der Marsch durch eine Facebook-Veranstaltung von der Rentnerin Rebecca Shook als Reaktion auf Donald Trumps Wahlsieg. Innerhalb kürzester Zeit stiegen die Teilnehmer*innenzahlen so weit in die Höhe, dass sich Shook um Hilfe bei der Umsetzung des Events bemühte. Seither agieren die Aktivistinnen Tamika D. Mallory, Carmen Perez, Linda Sarsour und Bob Bland als Vorsitzende des Marsches. „Die Rhetorik des vergangenen Wahlzyklus hat viele beleidigt, dämonisiert und bedroht“, lautet es auf der Homepage des Events. Ihre Mission sei deshalb, durch den Marsch „eine klare Botschaft an unsere neue Regierung an ihrem ersten Tag im Amt [zu] senden. Wir beabsichtigen, unsere Gemeinschaften zu vereinen, ein Netzwerk zu ver- und bestärken, das, solange unsere Werte in Gefahr sind, ohne Pause zusammenarbeiten wird“, erläutert Jappen. Wenn auch vieles „rund um den zukünftigen Präsidenten alarmierend sei“, glaubt Jappen weiterhin an den Fortschritt und zitiert aus Barack Obamas letzter Bitte an die amerikanische Bevölkerung, an die eigene Fähigkeit zu glauben, etwas verändern zu können.
*Zitate aus dem Englischen übersetzt.