Menschenverachtende Kultur

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Verbalattacken gegen Menschen mit Behinderung? Für den baldigen US-Präsidenten Donald Trump kein Problem. (Foto: Gage Skidmore/flickr.com/CC BY-SA 2.0)

Ein Kommentar von Lea Sleiman

Es scheint größtenteils Konsens in Deutschland, der Studierendenschaft und den Medien zu sein, dass Trump und seine Äußerungen ebenso unzumutbar wie widerlich sind. Wie „grab them by the pussy“ oder einen Reporter auszulachen, der nicht kulturell eingesetzten Normalitätsstandards entspricht. Es besteht aber Vieles der Sprachkultur aus Konstrukten wie „behindert“, „schwul“ oder „fotze“. Begriffe, und damit Menschen, die darin klassifiziert sind, werden täglich mit negativen, entwürdigenden Bildern und Situationen verbunden. Was bedeutet es anderes, wenn eine Person sagt „das ist schwul, du Spasti!” als: „Das ist negativ, du bist negativ!“ Das stellt Menschen, die nicht hetero, männlich, und optimal effizient sind wie „Beeinträchtigte“ (in was beeinträchtigt?) in abwertenden Zusammenhängen dar.

Oft wird argumentiert, dies hätte mit Realität und Diskriminierung nichts zu tun und sei bloß Spaß. Jedoch ist Sprachkultur Ausdruck davon, was täglich in Deutschland passiert – Ausgrenzung. Von der Standardnormalverteilung Abweichende verbleiben uneingebunden als Schall, als Anlass zum Witz statt selbst Initiierende von Gelächter unter Gleichen zu sein. Selten wird von Seiten der Lachenden der sprachliche Zusammenhang, die impliziten Bilder, die sich in Köpfen verfestigen und die eigene Position reflektiert. Wann kann ich wieso über ein Thema lachen? Ignoranz führt zu stetiger Kategorisierung von Menschen statt sie als individuelle Personen zu sehen. Bloß Witz? Sagt auch Trump. Und wenn keine „behinderte“ Person dir erlaubt hat, das in eurer Zweierbeziehung zu sagen, lass es! Nur weil es für eine Person ok ist, heißt es nicht, dass alle des kategorischen Haufens „Behinderter“, „Fotzen”, „Schwuchteln” dasselbe wollen und fühlen.

Diese Beleidigungen sind als Spaß gesellschaftlich erlaubt. Weil es ja auch lustig ist, ein Arm mit Spastik, die Fotzen, die alle nur gefickt werden wollen. In solchen „Jokes” werden die niedersten Triebe der Menschlichkeit angesprochen – und es ist kein Gedanke nötig, um ihn zu bringen. Trump dient dann als Projektion, um Diskriminierung von sich zu schieben. Wer sich aber ernsthaft gegen Faschismus und Trump stellt, muss sich auch gegen faschistische Prinzipien stellen – also gegen Kategorisierungen, die dafür sorgen, dass wir eine Person nicht in ihrer Gänze erfassen können: Damit auch gegen die Normalisierung von Menschenverachtung. Und ein bisschen Kreativität in der Beleidungs- und Witzkultur schadet niemandem.