Schnellschuss Debatte

Innenansicht des Hauses der Geschichte in Bonn. (Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Wolkenkratzer, CC BY-SA 3.0)

Innenansicht des Hauses der Geschichte in Bonn. (Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Wolkenkratzer, CC BY-SA 3.0)

Ein Kommentar von Meiko Huismann

In Zeiten von „Fakenews” (Propaganda) und Shitstorms in Sozialen Medien sind die Medienmacher*innen vorsichtig geworden mit dem Umgang ihrer Zielgruppe. Jeder Tweet und jedes Posting wird mehrmals überprüft, bevor es veröffentlicht wird um ja nichts abzubekommen. Ganz untergegangen sind Debatten, die von Journalist*innen selbst inszeniert werden.

Der journalistische Taschenspieler*innentrick hat vergangene Woche wieder Anwendung gefunden. Ein Journalist der Deutschen Presse Agentur hat den Stiftungspräsidenten vom Haus der Geschichte, Hans Walter Hütter, interviewt. Ihm wurde die Frage gestellt, ob das Haus der Geschichte erwägt, den LKW, mit dem der Attentäter Anis Amri am 19. Dezember in den Berliner Weihnachtsmarkt gefahren ist, in die Dauerausstellung des Bonner Museums aufzunehmen. Die implizite Frage generiert eine Meldung, wo gar keine Meldung ist.

Und schon diskutiert ganz Deutschland, ob der LKW ins Museum gehört oder nicht. Doch die Debatte darüber hat ihre Berechtigung. Denn zum Beispiel sind Gegenstände und Fragmente des zerstörten World Trade Centers von den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York auch ausgestellt. Aber der frühe Zeitpunkt der jetzigen Debatte dürfte für die Angehörigen der Opfer fürchterlich sein. Kaum wurden die Menschen beerdigt, soll das Mordwerkzeug schon hübsch ausgeleuchtet ein Teil zur deutschen Geschichte beitragen. Dann sollen sich so schnell wie möglich viele Schulklassen gelangweilt an dem LKW vorbei drängeln. Und Islamist*innen können damit ihrem Märtyrer ganz nah sein und bekommen kostenlose Propaganda.

Gleichwohl, der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Todesopfern hat auf traurige Weise deutsche Geschichte geschrieben. Ob der LKW ins Museum kommt oder nicht, müssen andere Menschen entscheiden. Nicht aber ein*e Journalist*in, die*der eine Schlagzeile für die morgige Ausgabe braucht. Schon gar nicht so kurz nach einem Anschlag. Übrigens: Inzwischen ließ das Haus der Geschichte verlauten, sich nicht um den LKW bemühen zu wollen.