Theater zwischen Licht und Schatten

Darstellende vom Theater an der Ruhr während einer Vorstellung von Kafkas Klassiker „Die Verwandlung“. (Foto: A. Köhring )

Bereits seit 2014 können Studierende der Universität Duisburg-Essen vergünstigt Aufführungen des Theaters an der Ruhr in Mülheim besuchen. Jedes Jahr aufs Neue wird außerdem zur aktiven Beteiligung aufgerufen. Theater von jungen Menschen für junge Menschen. Im Mai steht das neue Projekt des Jungen Theaters auf dem Plan: „Roberto Zucco“ von Bernhard Marie Koltès. In Essen hängt eine ähnliche Kooperation in der Schwebe.

Als Student*in ist oft wenig Geld da, um sich regelmäßig und intensiv kulturellen Veranstaltungen wie Konzert-, Kino- oder Theaterbesuchen zu widmen. Trotz gelegentlichen Vergünstigungen, die mit Vorzeigen des Studierendenausweises an vielen Stellen einhergehen, bleibt ein uneingeschränkter Kulturgenuss vor allem eins: teuer. An der Universität Duisburg-Essen gibt es daher seit 2014 eine Kooperation mit dem Theater an der Ruhr in Mülheim. Zwar nicht komplett umsonst, aber immerhin für nur fünf Euro können Studierende Aufführungen, Ausstellungen und Installationen des Theaters besuchen. „Studierende können sich dafür ein kostenloses Kulturticket im Theater selbst oder beim AStA besorgen“, erklärt Felix Markgraf, ehemaliger AStA-Referent für Kultur und Sport und Mitglied der Linken Liste, das Prinzip der Kooperation. Bezahlt werden die Kulturtickets vom Theater an der Ruhr. Die Zusammenarbeit wurde von den Theaterpädagog*innen Bernhard Deutsch und Esther Merkelt ins Leben gerufen und in Zusammenarbeit mit Mandy Kubale (Linke Liste) realisiert.

Vergünstigtes Theater auch in Essen?

Doch es geht sogar noch besser: An vielen deutschen Hochschulen, so beispielsweise auch an der Ruhr-Universität Bochum oder der Bergischen Universität Wuppertal, gibt es bereits seit einigen Jahren für Studierende die Möglichkeit, komplett umsonst ins Theater zu gehen. Mit der sogenannten Theater- oder Bühnenflatrate können Studierende so oft sie wollen Theateraufführungen besuchen, ohne dafür direkt zahlen zu müssen – der Betrag wird über den Semesterbeitrag mit abgerechnet. Auch an der Uni Duisburg-Essen war ein ähnliches Konzept bereits angedacht worden. „Im letzten Sommersemester wurde ein Kontakt zwischen Theater und Philharmonie (TUP) in Essen hergestellt und es bestand das gemeinsame Interesse eine Kooperation aufzubauen“, erklärt Markgraf. Die Idee war, ebenso wie in Bochum und in Wuppertal, eine Theater-Flatrate einzufügen, die den Studierenden kostenlosen Eintritt für die Aufführungen der TUP garantieren sollte. Im Semesterbeitrag wäre das mit 1,50 Euro pro Semester deutlich geworden. In diesem Jahr hätte die Bühnen-Flatrate an den Start gehen sollen: „Es war angedacht die Kooperation über zwei Semester hinweg zu erforschen, sodass, nach einer Evaluierung, eine Urabstimmung an unserer Universität durchgeführt worden wäre.“, erläutert der ehemalige Kulturreferent Markgraf. Durch die neue Zusammensetzung des AStAs sei es nun jedoch unklar, ob und wie dieser Plan weiter verfolgt werde. Derzeit liegt das Projekt wohl erstmal auf Eis, meint auch Markgraf: „Da sich ein neuer AStA konstituiert hat, welcher sich komplett neu einarbeiten und orientieren muss, halte ich es leider für eher unwahrscheinlich, dass die Kooperation so anlaufen wird.“

Vielschichtiger, düsterer Stoff

Am Jungen Theater des Theaters an der Ruhr hingegen gilt weiterhin: Günstiges Theater für Studierende und teilweise sogar von Studierenden. Denn das Junge Theater sucht jedes Jahr aufs Neue Jugendliche und Erwachsene zwischen 13 und 23 Jahren, die theaterbegeistert sind und an der Verwirklichung eines Stückes teilhaben wollen. 2017 soll „Roberto Zucco“ des französischen Autors und Dichters Bernhard Marie Koltès aufgeführt werden. Nachdem die Mitwirkenden in verschiedene Stücke reingelesen hatten, fiel die Entscheidung: „Es war das Stück, das den meisten in der Theatergruppe zugesagt hat“, so Markgraf. „Ruberto Zucco“ basiert auf dem Leben des gleichnamigen italienischen Serienmörders, der zwischen 1981 und 1988 für Angst und Schrecken sorgte. Nachdem er 1988 verhaftet werden konnte und einen gescheiterten Fluchtversuch unternahm, beging er kurze Zeit später in seiner Gefängniszelle Suizid. Unmittelbar danach machte sich Koltès bereits an die künstlerische Verarbeitung des Lebens des Schwerverbrechers. Im Jahr 1990 wurde es von der Berliner Schaubühne uraufgeführt. Es ist düsterer, abgründiger Stoff, der da behandelt wird, und trotzdem allerlei Vielschichtigkeit bietet. „Wir verstehen die Handlung des Theaterstückes so, dass die Figuren des Stückes auf verschiedene Arten und Weisen auf der Suche nach ihrer eigenen Freiheit sind und sich deshalb auf dieser Suche immer unfreier fühlen“, ordnet Markgraf das Theaterstück ein: „Es ist ein Theaterstück, das zwischen Licht und Dunkelheit wechselt.“

Schauspieler*innen gesucht!

Mitmachen bei der Inszenierung von „Roberto Zucco“ können grundsätzlich alle, die Begeisterung für Theater mitbringen. Schauspielerische Vorerfahrung wird nicht erwartet. „Das wichtigste Kriterium ist Zeit“, sagt Markgraf, „Unsere Proben sind intensiv und finden immer mittwochabends und samstags halbtags statt.“ Außerdem soll es im Mai Intensivproben geben, da das Stück bereits Ende Mai aufgeführt werden soll. Danach soll bis Anfang Juli durch verschiedene Ortschaften getourt werden. Bis dahin hofft Markgraf, dass sich noch weitere Mitwirkende für das Stück begeistern können: „Derzeit ist das Junge Theater an der Ruhr in der Verdichtungsphase des Stücks und wir suchen noch Leute, die in die Gruppe einsteigen wollen.“ Neben der Schauspielerei können Interessierte aber auch Aufgaben wie Licht und Technik übernehmen. Es gibt also genügend Spielraum, um sich kreativ auszuleben und das Junge Theater selbst aktiv mitzugestalten.

Am Samstag, 28. Januar, um 11 Uhr beginnen die letzten offenen Proben. Geprobt wird in der Ruhrorter Straße 108-110 in Mülheim. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Es kann einfach mitgemacht und es muss auch nichts unterschrieben werden. Die Altersgrenze liegt bei 23 Jahren.