Das könnte eure Feuerwache sein

Diese modern sanierte alte Brandwehr sollte eigentlich ein Soziokulturelles Zentrum werden. (Foto: mac)

2,1 Millionen Euro – richtig viel Schotter. Vor allem für eine Stadt wie Duisburg, deren gescheiterte Bauprojekte Steuerzahler*innen regelmäßig verzweifeln lassen. Diese Millionensumme an Fördermitteln soll die Kommune am Rhein nun Land und EU zurückzahlen, weil sie kein Soziokulturelles Zentrum in der Alten Feuerwache im Stadtteil Hochfeld aufbaute. Ein Bündnis aus Initiativen will sich auch nach dem finanziellen Desaster weiter für einen Freiraum in seinem Viertel einsetzen. Und lädt ein, für einen öffentlichen kulturellen Ort zu streiten.

Wo einst die Feuerwehrautos hinaus rasten, steht heute ein verschlafenes, aber modern saniertes rotes Backsteingebäude an der Friedensstraße in Duisburg-Hochfeld. Bis auf die AWO, die dort Integrationskurse organisiert, steht die ehemalige Brandwehr zu einem großen Teil leer. Kein Betrieb im Café oder dem 130 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal. Ungenutzte Büroräume und Studios im dritten Stock. Viel Potenzial, viel Stillstand.

Symbolische Miete für private Gewinne

Das ärgert Anwohner*innen, Kunstschaffende und Aktive. Sie sagen, in anderen Städten hätten es kulturelle Begegnungsorte leichter. „Nur Duisburg legt sozialen und kulturellen Initiativen seit Jahren Steine in den Weg“, so Jonas Weber vom Verein Mustermensch e.V. Und eigentlich war die Sache auch von vornherein klar: Die Feuerwehr wurde 2005 mit Fördermitteln saniert. Dafür kamen 2,8 Millionen Euro – 50 Prozent von der EU, 40 Prozent vom Land NRW und nochmal 10 Prozent von der Kommune. Aber nur unter einer Bedingung: Der Raum sollte von der Stadt als Stadtteilzentrum Vereinen und Ehrenamtlichen übergeben werden.

Nach der Eröffnung des neuen Glanzobjekts im sonst eher vernachlässigten Stadtteil trug der Verein „Alte Feuerwache e.V.“ den Betrieb. Zumindest bis der Pleitegeier bei den Aktiven landete. Danach setzte die Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU) lieber auf private Bewirtschafter – trotz eben erwähnter Zweckbindung. Nobert Knabben (ehemaliger Sprecher der Grünen in Duisburg-Mitte) verdiente mit seiner Agentur Kanon Geld an den Auftritten von Künstler*innen und der Vermietung der Räume. Die Stadt soll laut Informationen der WAZ das Gewinnstreben auch mit einer symbolischen Ein-Euro-Miete für Knabben subventioniert haben. Auf kurzfristige Nachfrage konnte die Pressestelle keine Auskunft darüber geben, warum die Stadt so handelte.

Es kam, wie es kommen musste: EU und Land forderten einen Teil der Gelder zurück und erwirkten ein Urteil. Noch sei aber kein offizielles Schriftstück eingegangen und keine Summe überwiesen worden, so die Stadt Duisburg auf Anfrage der akduell. Als die Forderung im September 2016 bekannt wurde, setzte die EG DU nochmal zur letzten Rettung an. Gemeinsam mit Initiativen aus dem Stadtteil kam man an einem Tisch zusammen, besprach künftige Ideen, um die Rückzahlung noch zu verhindern. Sogar die Feuerwache wurde besichtigt – aber ohne klare Mietzusage an die mittlerweile zahlreichen interessierten Bürger*innen. Nach Bekanntwerden der Rückzahlung durch die Stadt wurden die Gespräche dann aber plötzlich auf Eis gelegt.

„Jetzt erst Recht!“

Etwa 30 Aktive aus Vereinen wie Kultursprung, Klüngelklub Hochfeld oder dem Medienbunker Marxloh haben daraufhin beschlossen: „Jetzt erst Recht!“ Wenn die Stadt ohnehin über drei Millionen Euro ausgegeben hat, dann solle die Feuerwache in die Hände der Bürger*innen, meint UDE-Student Christian, der sich vor Ort engagiert. Außerdem gebe auch der stadteigene Kulturentwicklungsplan die Handlungsempfehlung, ein Soziokulturelles Zentrum zu finanzieren. Mit der Grünen Fraktion wollen die Aktiven eine Anfrage im Rat der Stadt stellen. Sie wollen herausfinden, wohin die Fördergelder jetzt gehen und was die weiteren Pläne der Stadt sind. „Das sind für uns wertvolle Informationen. Sie schaffen aber auch Transparenz“, so Christian weiter.

Die Engagierten fordern außerdem „endlich einen offenen und partizipativen Prozess für ein unabhängiges Soziokulturelles Zentrum in der Feuerwache“. Die Stadt habe derweil eine Arbeitsgruppe zum Thema eingerichtet und wolle die Stadtteilakteur*innen selbstverständlich in die weitere Entwicklung einbeziehen. Diese wollen weiterhin eine Ideenwerkstatt, auf der gemeinschaftlich entschieden wird, was im Freiraum letztendlich entstehen soll, umsetzen.