Die geballte Unfähigkeit

In Duisburg ist das Nahverkehrsangebot eine Katastrophe. Das geht aus einer Auswertung von Fahrplänen in über 50 Städten des Beratungsunternehmens Civity hervor, die der Zeit vorliegt. Um das herauszufinden, wurden die Abfahrten aller Busse und Bahnen aller Haltestellen zusammengezählt und durch die Anzahl der Stadtbewohner*innen dividiert. Zumindest bei den Bahnen hatte das Unternehmen in Duisburg sicherlich nicht viel zu tun. Mit seinen drei Linien und dem für eine Großstadt dürftigem U-Bahn-Netz, das unglaubliche sieben Haltestellen zählt, kann die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) nicht gerade glänzen.

Problematisch ist, wenn das mangelhafte Verkehrsangebot auch noch beeinträchtigt wird: Derzeit werde nach Angaben der DVG ein Drittel der insgesamt 45 Straßenbahnen saniert (Stand: November 2016) – was dringend nötig ist, denn die Bahnen sind nunmehr bis zu 30 Jahre im Betrieb. Die Folgen sind für Kund*innen aber spürbar. Passagier*innen der Linie 901 müssen sich mit Ersatzbussen begnügen, da die Straßenbahnen der Linie schon seit Jahren zur Kompensation für die Strecke der viel befahrenen 903 genutzt werden. Und auch auf letzterer fahren neuerdings Ersatzbusse, um das Sardinenbüchsen-Feeling in den Transportmitteln zu mindern. Leider kam die DVG noch nicht auf den Gedanken, die Abfahrtszeiten der Busse transparent zu machen, sodass die Ankunft derer ein Glückspiel ist. Es ist keine Seltenheit, dass nur eine Handvoll Passagier*innen die Busse in Anspruch nehmen, zumal diese nur einen Streckenteil abfahren.

Aber: Aus der Unfähigkeit der DVG kann man Kapital schlagen! Das Verkehrsunternehmen bietet ironischer Weise mit dem Titel „Immer nach Plan“ versehenen Vorhaben an, bei Verspätungen ab zehn Minuten die Fahrtkosten (teilweise) zurückzuerstatten. Wenn der online einzureichende Antrag bewilligt wurde – und das wird er in der Regel – können sich Studierende pro Verspätung 1,60 Euro in der Kundenzentrale abholen. Buchführung lohnt sich im Übrigen. Innerhalb eines Monats können um die 20 Euro anfallen. Es könnte ein zukunftsträchtiges Geschäft sein. Denn bis der Nahverkehr in der Ruhrgebietsstadt auch nur annähernd dem einer Großstadt gerecht wird, dürfte es noch einige Jahrzehnte dauern. Erst ab 2020 sollen neue Straßenbahnen auf Duisburgs Schienen fahren.