Guckst du Frauen?

Als feministisch lesbar kann jede Serie gelten, die in irgendeiner Form auf die Gleichberechtigung von Frauen* hinwirkt, statt sie als hilfsbedürftig, schwach und dauersexualisiert erscheinen zu lassen. Explizit selbstbezeichnend feministische Serien verbleiben als Nischenprodukt, obwohl beispielsweise Orange is the New Black, das sich in einem Frauen*knast in den USA abspielt und dementsprechend nur weibliche* Personen abbildet,  eine „etablierte“ Serie genannt werden kann.

Die meisten Kassenschlager der Filmindustrie jedoch bestehen nicht einmal den Bechdel-Test, der prüft, ob zwei Frauen miteinander über etwas anderes als Männer sprechen. Frauen* wird also oft keine andere Funktion als Sexyness zugesprochen, sie bringen keine Inhalte in den Film ein und können somit nicht unabhängig von Sexualität und als für das Männliche gelesen werden. Mittlerweile hat sich jedoch das Film- und Serienangebot vervielfältigt und es ist möglich, statt Two and a Half men, Big Bang Theory und How I Met Your Mother auf Mutti‘s Fernseher zu gucken, alternative Serien vom Bett aus zu streamen.

Irgendwas für Frauen*?

Mit Serien wie Orange is the new black etablieren sich auch feministisch geprägte Serien in der Fernsehlandschaft. (Foto: lys)

Filmschaffende jeglicher Art sind dazu gezwungen, sich mit der Inszenierung von Geschlecht auseinanderzusetzen, da der Dualismus von Männlichkeit und Weiblichkeit als materialisiertes Paradigma, das unsere Zeit bestimmt, in jedem Schaufenster zu sehen ist. In Orange is the New Black beispielsweise bieten sich so viele Charaktere an, dass der Schluss auf ein essenzialistisches, also der „Frau an sich“ in den Körper geprägtes Wesen, völlig absurd erscheint. In Shameless,  (der  US-Version von der die siebte Staffel vor Kurzem veröffentlich wurde) managt die Hauptakteurin Fiona eine vercrackte Großfamilie, ohne dabei auf eigene Bedürfnisse zu verzichten. Ihre dreizehnjährige Schwester Debbie muss plötzlich mit Weiblichkeitserwartungen und spezifischen Körperfunktionen umgehen: Periode, Verhütung und– sorry Spoiler – Schwangerschaft. Jedoch weichen die Abbildungen der Personen nicht von Stereotypen ab: Frauen* tragen langes Haar und als weiblich gelesene Kleidung. Wie radikal feministisch eine Serie ist, entscheiden immer noch die Produzierenden.

In Shera, einer Animeserie über eine Superheldin aus den 80ern, wurde, weil die Serie als Pendant zu Hera für „Mädchen“ entstand, die absolute Gendergerechtigkeit umgesetzt: Alle, egal welches Genital, tragen Leggins und Herzen auf der unbekleideten Brust, dabei wird gekreischt und wirrsche Situationen kommen auf. Eine andere, diesmal Marvel-Figur, ist Jessica Jones, die sich die ganze Zeit betrinkt und eher beschissen als Superheldin ist. Ihr Charakter ist tiefgründig und trotzdem verkörpert sie ein sonst inszeniertes „Bad Boy“-Ideal. Keine der bisher genannten Serien nannte sich explizit feministisch: Black Feminist Blogger schon. Aph Ko, die Videoproduzentin, geht darin spezifisch auf die feministische Bloggerinnen*szene ein und zeigt an Protagonistin Latoya zusätzlich die Ausbeutung afroamerikanischer Frauen* – auch im feministischen Blogbetrieb – in den USA auf.

Dass in den meisten Serien und Filmen nur “Männer”, oft genug Menschen mit kurzem Haar und Anzügen, miteinander kommunizieren, ist seltsam. Noch komischer ist es, dass Serien, in denen das nicht der Fall ist, weniger beliebt sind. Gerade strömen aber unzählige neue Produktionen auf den Markt, die die Rolle vom Frau*sein immer weiter öffnen und es gelangt so weit in den Mainstream, dass vielleicht, wenn öfter Raum gegeben wird, Frauen* als Menschen wahrzunehmen, Rape Culture und Unterdrückung ein Ende haben werden. Zumindest auf dem Bildschirm. Erstmal endlos: Orange is the New Black wurde letztes Jahr auf drei weitere Staffeln verlängert, sodass bis mindestens 2019 neue Folgen zu sehen sein werden.