Keine Müll-Diät mit Jojo-Effekt

Hanno und Shia produzieren im Jahr so viel Müll, dass er in ein Einmachglas passt. (Foto: mehu)

2012 wurden in der BRD pro Kopf durchschnittlich 611 Kilogramm Müll produziert.Damit liegt Deutschland auf Platz vier in Europa. Wie lässt sich Müll vermeiden? Tipps gab die Bochumerin Shia Su in der Essener Banditenbar. Sie ist selbsternannte „Wastelandrebellin“. Alles begann damit, dass Shia vor allem eins war: Faul.

Es ist 20.30 Uhr und das Interesse ist groß. Shia Su ist mit ihrem Mann Hanno zu Gast, um Tipps zu geben und über ihre Erfahrungen zu berichten, einfach so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Dabei betont sie am Anfang, dass es ein Prozess sei und sie nicht von heute auf morgen kaum nicht-recycelbaren Müll erzeugt haben. Auch die Lebensqualität sollte nicht darunter leiden, meint sie. Hanno, ihr Mann, ergänzt noch, dass sie „keine Mülldiät mit Jojo-Effekt“ machen wollten. Und alles fing an mit „faul sein“ wie Hanno schmunzelnd erklärt. Sie hätten zuerst ihre ganzen Vorräte aufgebraucht und seien nicht einkaufen gegangen, getreu dem Motto „Use What You´ve Got“. Beispielsweise fiel ihnen auf, dass sie einen Zahnpastavorrat für ein ganzes Jahr angehäuft hatten.

Leihen und Tauschen

Lebensmittel machen zwar den größten Anteil des Mülls aus, jedoch haben sich Shia und Hanno auch darüber Gedanken gemacht, welche Gebrauchsgegenstände sie grundsätzlich im Haushalt benötigen. Viele Sachen verschenkten sie an Freund*innen, zum Beispiel die Kapsel-Kaffeemaschine. Werkzeuge leihen sie sich im Baumarkt, denn so eine Bohrmaschine brauche man in der Regel nicht so häufig. Kleidung besorgt sie sich im Second-Hand-Laden oder auf einer Kleidertauschbörse. Und sollte das ein oder andere Elektrogerät, was im Haushalt unverzichtbar ist, den Geist aufgeben, geht sie in ein Repaircafe.

In Puncto Lebensmittel habe Shia „ihre Stadt neu kennengelernt“. Denn sie kauft ausschließlich unverpackte Lebensmittel. Und das sei in der ersten Zeit gar nicht so einfach gewesen. Zunächst richtete sie ihren Fokus auf den Einkauf auf Wochenmärkten. Mittlerweile zieht sie mit Einmachgläsern und einem Stoffnetz los. In vielen Großtädten haben derweil sogar  Unverpackt-Läden eröffnet. Im Ruhrgebiet jedoch hat sich das  Prinzip noch nicht durchgesetzt. Witten scheint den ersten Schritt in diese Richtung zu machen, dort soll bald ein Unverpackt-Laden eröffnen. Doch es braucht nicht zwangsweise ein solches Geschäft, zumal es für die ein oder andere Person viel zu weit sein dürfte.  Dann erklärt Shia, dass es auch einfacher geht, denn viele Lebensmittel gäbe es unverpackt  auch schon im Bioladen um die Ecke.

Haushalt und Hygiene

Viele Besucher*innen hingen gespannt an ihren Lippen, als es um den Haushalt und die Körperhygiene ging. „Viele Putzmittel und Kosmetika sind nun mal in Plastik verpackt“, führt Shia aus. Sie selbst habe sich ein paar Grundprodukte zugelegt und mische sie nach Belieben zusammen. Mit Natron (Hauptbestandteil im Backpulver) und Zitronensäure mixt sie ihr eigenes Spülmittel. Waschsoda wird für die Kleidung benutzt und die palmölfreie Olivenölseife für den Körper. Haarshampoo aus einem Schuss Apfelessig und Roggenmehl. Eigentlich ist eine Vielzahl dieser Produkte Bestandteil der meisten Haushalte, erst recht nicht handelt es sich dabei um einen neu gewonnen Markt. „Viel mehr sind sind diese einfach in Vergessenheit geraten.“ ergänzt Hanno. „Schon unsere Großmütter und -väter hätten Natron oder Waschsoda benutzt. Quasi Back to the Roots.“

Shia und Hanno wollen ihren Lebensstil aber nicht mehr nur zu Hause ausleben. Es soll überall möglich sein, wenig Abfall zu produzieren, auch unterwegs. „Dafür eignet sich das Zero-Waste-Kit“. Shia gibt an, aus was es besteht: Zum Beispiel einer Edelstahltrinkflasche, einem Taschentuch aus Baumwolle, oftmals Besteck, weil der Schnellimbiss nur Plastikbesteck anbietet und auch ein Geschirrhandtuch ist mit an Bord. Das lässt sich prima vor allem dann einsetzen, wenn es beispielsweise zum türkischen Imbiss geht. Dort bestellen sie meistens eine Falafeltasche, ohne Serviette und Alufolie natürlich. Da kann es auch durchaus mal vorkommen, dass Shia über den Plastikgehalt im Mittelmeer redet.

Ihr Vortrag ist anschaulich, es gibt einige Lacher und es wirkt nicht so, als würden alle in der Bar nun ihrem ultimativen Lifestyle folgen müssen. Vielmehr zeigte sie auf, wie wir uns einem täglichen Konsumwahnsinn mehr oder weniger aussetzen. Abschließend stellt sie noch fest, dass „genug für uns da ist, wir müssen es nur besser verteilen“. Auf ihrem Blog wastelandrebell.de hat sie allerlei Tipps, wie wir alle unseren Müll reduzieren können.