Make Bildungspolitik Great Again!

Nicht unser Schulsystem: Eltern demonstrieren in den USA. (Foto: Ted Eytan, flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Zu große Klassen, fehlende Mittel für vielseitigen Unterricht und Freizeitangebote in den Schulen, wenig Fachpersonal für integrierenden Unterricht jeglicher Form – in öffentlichen Schulen der USA (wie auch in Deutschland) läuft einiges falsch. Die vor kurzem knapp bestätigte Bildungsministerin im Trump-Kabinett, Betsy DeVos, hält dem eine Stärkung der privatwirtschaftlich organisierten Schulen entgegen. Zu den Konsequenzen neoliberaler Bildungspolitik.

DeVos plädiert in ihrer Amtsbestätigung für ein Gutschein-Konzept privater Schulen, das einkommensschwachen Familien den Zugang zu selbigen ermöglichen soll. Dabei ist Kritik an öffentlichen Schulen der USA durchaus berechtigt. Das erkannte 2001 sogar der republikanische Präsident George W. Bush und erließ den No Child Left Behind-Erlass (NCLB), dazu gehört unter anderem ein standardisierter Leistungstest zur periodischen Erfassung des Bildungsstandes und des Vergleichs von Schulen. Damit wurden Kriterien für ‘failing schools’ etabliert. In Konkurrenz mit den Ergebnissen vom Vorjahr und mit anderen Bildungseinrichtungen treten, ist Teil des Programms, um die Qualität der Schulen anzuheben, jedoch ohne weitere finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.
Republikanische Tradition, Neoliberalismus pur: Statt staatliche Schulen besser zu finanzieren, wird Druck und Konkurrenz aufgebaut. Zum NCLB gehörte auch die erstmalige Einführung von Schulgutscheinen für Privatschulen, die bisher jedoch nur begrenzt gültig waren und von Wenigen in Anspruch genommen wurden. DeVos setzte sich bereits vor ihrem Amt durch Spenden und Verbindungen zu christlichen Organisationen aktiv für die Gutscheine ein, die nun in 13 Bundesstaaten anerkannt sind und argumentiert damit weiterhin in Bushs Manier.

Sie bezieht sich bei ihrer Amtseinführung explizit auf ‘failing public schools’, die die Milliardärin selbst wohl nur aus der Bush-Rede kennt. Ihr Master-Plan dagegen: Den öffentlichen Bildungsinstitutionen, und damit auch den in den USA starken Lehrer*innengewerkschaften, die staatliche Förderung entziehen, um sie Privatschulen zukommen zu lassen. „Sie hat konsequent ihre Unternehmensagenda vorangetrieben, um die staatliche Bildung zu privatisieren und zu entprofessionalisieren“, reagierte die Lehrer*innengewerkschaft NEA auf DeVos‘ Nominierung. Bisher war es verfassungsrechtlich untersagt, Privatschulen staatlich zu finanzieren, jedoch untergräbt das Gutschein-Konzept diese Regelung, wenn sie 40 Prozent förderbedürftige Schüler*innen aufnehmen.
Religion ist Privatsache

Mit den Vouchers (Gutscheinen) soll Erziehungsbeauftragten mehr „Wahlmöglichkeiten“ zugestanden werden. Diese Gutscheine bezahlen die Privatschule aber nur teilweise. Für den Rest sollen Menschen mit geringem Einkommen selbst aufkommen. Falls sie das nicht können, wären sie weiterhin gezwungen ihre Kinder auf die (bis dahin noch schlechter ausgestatteten) öffentlichen Schulen zu schicken. Falls doch, ist die Qualität und Säkularität der privaten Schulen, besonders in einkommensschwachen Gegenden, keineswegs gesichert. Je nach Bundesstaat unterscheidet sich, ob sich die Privatschulen an den Lehrplan halten müssen, der Gültigkeit für die öffentlichen Schulen besitzt. Viele Privatschulen beteiligen sich jedoch freiwillig auch an nationalen, standardisierten Curricula, da sie ihre Schüler*innenschaft über ihren vermarkteten Ruf generieren. Sie werben beispielsweise damit, die geforderten Inhalte besser zu vermitteln und darüber hinaus auch religiöse oder sonstige Aktivitäten zu fördern.

Was auch meist stimmt, da an einer Privatschule abhängig vom Einkommensstand der Gegend und Sponsor*innen (oft christliche Verbände oder Konzerne) in deutlich kleineren Gruppen gelernt wird. Vom Lehrpersonal wird größtenteils ein Bachelor gefordert, spezielle Regeln für Lehrtätige in Privatschulen sind in einigen Bundesstaaten aber völlig ausgehebelt. „Der florierende Markt mit tatsächlich guten Privatschulen ist faktisch auf Regionen mit einem überdurchschnittlichen Anteil besser gestellter Familien begrenzt, in denen sich dann eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Privatschultypen auch mit alternativpädagogischen Konzepten findet“, schreibt die Zeitschrift für Pädagogik über Privatschulen in den USA.

Was fehlt ist Unterstützung

DeVos, selbst protestantisch erzogen, bezieht sich in ihrer bildungspolitischen Vision deutlich auf „christliche Werte”. Mit der staatlichen Förderung privater Schulen, besonders der Charter-Schulen, die von privaten Betreiber*innen verwaltet, aber mit Steuergeld finanziert werden und durch Vertragsschlüsse mit dem Bundesstaat besonders von Regelungen ausgenommen sind, geht eine Stärkung der religiösen sowie unternehmerischen Think Tanks und Institutionen einher, denen DeVos mit ihrer Bildungsreform den Weg zur Erziehung der Schüler*innenschaft ebnet.

Trump sprach sich beispielsweise auch explizit gegen bundesweite Curricula aus. Die „Common Core State Standards seien eine totale Katastrophe und führten nur zu Bürokratie“, zitiert die Zeit Trump. DeVos passt ins Bild des schaurigen Trump-Kabinetts. Sollte sie ihre Pläne umsetzen, was von den einzelnen Bundesstaaten abhängt, werden sich Einkommensgefälle nur verlagern und „bessere“ und „schlechtere“ Privatschulen weiter etablieren. DeVos glaubt, dass die öffentlichen Schulen, sobald sie mit Privatschulen um Schüler*innen in Konkurrenz treten müssen, besser werden. Das einzige was ihnen jedoch wirklich fehlt, ist Unterstützung.