Nicht noch 1 Einkaufszentrum

 

Ein Schatz, ein Schatz! Das Gelände hinter dem Hauptbahnhof wird als „Diamant in der Krone“ der Bauflächen gehandelt. (Foto: mac)

Hinter dem Duisburger Hauptbahnhof soll etwas Großes entstehen: ein weiteres Einkaufszentrum. So will es der Rat der Stadt, der Anfang Februar mit der Mehrheit von SPD und CDU die Planung eines Duisburger Outlet-Centers (DOC) durchgewinkt hat.  Der Geschäftsführer der Gruppe Neinver, die den Shoppingtempel jetzt realisieren will, reibt sich die Hände. Es gehe schließlich um einen der „letzten Diamanten in der Krone“, der in ganz Deutschland vergeben würde. Nicht ohne die akduell: Wir hätten da fünf Alternativen, die genauso gut zum neuerdings edlen Pflaster Duisburg passen würden.

1. Parkplätze statt Shopping

Was an der Universität unmöglich scheint, könnte am Hauptbahnhof wahr gemacht werden: Mehr Parkplätze! Grau in grau würde sich das neue Autofahrer*innen-Paradies an den Hauptbahnhof schmiegen. Und das Beste ist: Vielleicht würden dann mehr Menschen umsteigen und mit dem Zug weiter fahren.

2. Mehr Luxuswohnungen braucht Duisburg!

Also wenn wir schon von Diamanten sprechen, dann aber richtig. Wie wäre es mit einer Luxuswohnanlage? Szenischen Ausblick gibt es gratis: Rechts die A59, links die Bahntrasse. Außerdem sind die Pendler*innen, die aus Düsseldorf einfahren, DIE potenziellen Neu-Duisburger*innen schlechthin. Denn Hand aufs Herz: Ein Großteil der Menschen wohnt ja auch wegen der billigen Mieten in Duisburg. Nicht wegen dem bunt angeleuchteten Industrie-Rost.

3. Einfach mal eine Mauer bauen…

… ist ja schon seit jeher Trend und wieder topaktuell. Frankreichs Ministerpräsident Bernard Cazeneuve macht es in Calais vor, Trump stapelt schon Bauklötzchen im ovalen Büro. Mit so einem monumentalen Bauwerk könnte Oberbürgermeister Sören Link (SPD) den reichen Süden vom vermeintlichen No-Go-Area-Norden trennen. Dann wäre er auch endlich die bei ihm oft unbeliebten „Osteuropäer*innen“ los. Es gilt schließlich: Aus den Augen, aus dem Sinn.

4. Versucht’s doch nochmal mit dem Treppenwitz!

Die Liste der gescheiterten Bauprojekte in Duisburg würde diesen Textrahmen sprengen. Wir möchten der Stadt aber eine Neuauflage besonders ans Herz legen: ein zweites Eurogate. Was als moderner Gebäudekomplex am Innenhafen baden ging, könnte doch am Hauptbahnhof wie Phönix aus der Asche auferstehen. Die davor für 11,8 Millionen Euro gebaute bislang unbenutzte Stufenpromenade könnte doch ratz fatz verlegt werden. Vielleicht macht ja dann auch wieder der abgesprungene Investor mit.

5. Wenn alle Stricken reißen, kann man immer noch Bäume fällen.

Für das Worst-Case-Szenario, dass sich auch die Investor*innen des DOC zurückziehen, haben wir einen letzten heißen Tipp: Einfach erstmal alles platt machen. Inklusive Flora und Fauna. Das hat ja schon vor dem Hauptbahnhof geklappt. Dort, wo heute der neue Fernbusbahnhof entsteht, wurde eine imposante alte Platanen-Allee dem Erdboden gleich gemacht. Die Baumschutzsatzung, die das hätte verhindern können, wurde praktischerweise zum 1. Januar 2016 gleich komplett mit pulverisiert. Also Kettensägen an. Wir wünschen Duisburg weiterhin: Frohes „Baum fällt!“