Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn

21 Prozent weniger Lohn – die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind noch immer groß. (Archivfoto: fro)

Die ersten 77 Tage im Jahr arbeiten Frauen in Deutschland unentgeltlich – der 18. März datiert für die Organisator*innen des Equal Pay Days symbolisch den Tag, an dem der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen – der Gender Pay Gap –  ausgeglichen ist. Die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern ist auch im Jahr 2017 noch enorm.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienen Männer im Durchschnitt 20,71 Euro pro Stunde, Frauen dagegen nur 16,26 Euro. Auch wenn sich der Gehaltsunterschied im Vergleich zum Vorjahr ein wenig verkleinert hat, liegt er noch immer bei 21 Prozent. Verantwortlich dafür sind vor allem strukturelle Gründe: Erstens sind Frauen – trotz vergleichsweise höherwertigerer Ausbildung als Männer – seltener in Führungspositionen vertreten. Im vergangenen Jahr bekleideten laut Statistischem Bundesamt nur 22,5 Prozent der Frauen eine leitende Funktion in ihrem Unternehmen. Zweitens sind Frauen vorwiegend im Gesundheits- und Sozialbereich tätig. Damit arbeiten mehr Frauen in Branchen, deren Entlohnung geringer ausfällt als beispielsweise in von Männern dominierten industriellen Berufen. Drittens sind es immer noch Frauen, die nach der Geburt des Kindes in Elternzeit gehen. Anschließend haben nur zehn Prozent der Frauen eine Vollzeitstelle. Viele konzentrieren sich auf die Kindererziehung und übernehmen eher einen Minijob.

Frauen können gegen Lohnungerechtigkeit vorgehen

Aber auch, wenn man den Gender Pay Gap von den strukturellen Unterschieden bereinigt, bleibt eine Differenz bestehen. Wie das Statistische Bundesamt angibt, verdienen Frauen trotz gleicher Qualifikation und Tätigkeit durchschnittlich sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Unter Druck von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte das Bundeskabinett Anfang des Jahres das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit beschlossen (akduell berichtete). Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden müssen ihnen Einsicht über die Gehälter ihrer männlichen Arbeitskollegen in gleichwertigen Positionen gewähren; Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden werden verpflichtet, Verfahren und Überprüfungen in ihrem Betrieb durchzuführen, um Lohngleichheit herzustellen. Damit soll Frauen eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, gegen Lohnungerechtigkeit in ihrem Unternehmen vorzugehen.

Auch in Island möchte man den Gender Pay Gap beseitigen. Noch in diesem Monat soll im isländischen Parlament beschlossen werden, dass Unternehmen zur gleichen Bezahlung von Männern und Frauen verpflichtet werden. Anders als in Deutschland, wo Frauen für ihr Recht auf Gleichstellung den juristischen Weg gehen müssen, soll in Island Emanzipation zur Pflicht werden.