Kritik am Studierendenwerk wächst

Kritik am Studierendenwerk wächst

In der Vergangenheit stand das Studierendenwerk Essen-Duisburg bereits mehrfach in der Kritik (akduell berichtete) und noch scheint kein Ende in Sicht. Stetige Mieterhöhungen, teils unzureichende Wohnzustände und ganze Wohngemeinschaften, die nach Herkunftsländern belegt werden. Die studentischen Vertreter*innen setzen sich aktuell im Senat, in der Diversity Management Kommission (DiM) sowie im AStA für ihre Kommiliton*innen, die in Wohnheimen des Studierendenwerks untergebracht sind, ein.

Obwohl das Studierendenwerk im Bezug auf die Mieterhöhung vom Februar 2016 noch an die Studierenden schrieb, „die durch die Sanierungen entstandenen Kosten werden langfristig helfen, die Mietpreise zu stabilisieren“, hieß es Anfang 2017 erneut: 20 Euro draufzahlen. „Das Ergebnis der Nachkalkulation der Mieten in den Studentenwohnheimen, auf Grundlage der tatsächlich angefallenen Kosten und Mieteinnahmen 2015, ist negativ“, so die neue Begründung. „Kostensteigerungen für Strom, Entwässerung, Straßenreinigung und Abfallbeseitigung“ seien ausschlaggebend für die neu angesetzten Mieten, so Johanne Peito, Verantwortliche für Kommunikation und Kultur im Studierendenwerk.

Die Studenten Martin* und Tim* fühlen sich hintergangen: „Die Mitteilungen über die Mieterhöhungen kamen immer erst, nachdem eine Kündigung nicht mehr möglich war“, so Martin. Da es keine Sonderkündigungsfristen gebe, habe man sich nicht wehren können.

Peito entgegnet jedoch, die Wohnheimverwaltung habe bei vorzeitigen Aus- beziehungsweise Umzügen geholfen. Auch erklärt sie: „Das Studierendenwerk ist laut §12 Abs. 2 StWG dazu verpflichtet, seine Wohnanlagen so zu bewirtschaften, dass die Mieteinnahmen die Gesamtkosten decken.“ Deshalb sei man gezwungen gewesen, die Mieten zu erhöhen. Informationsveranstaltungen zu den Hintergründen der Erhöhungen sollen in Kürze in den Wohnheimen angeboten werden. Warum diese nicht schon vor den Maßnahmen stattfanden und welchen Nutzen sie jetzt noch haben, bleibt offen. Da man die Mietkalkulation im Verwaltungsrat offengelegt habe, liege der Mieterhöhung „ein transparenter, wohlüberlegter Prozess zugrunde, in dem die Studierendenschaft über ihre Repräsentanten involviert wurde.“ Weitere Mieterhöhungen seien nicht geplant.

Internationaler Austausch wird erschwert

Das Studierendenwerk zeige sich stolz, dass es so viele internationale Studierende beherberge, so Corinna Kalkowsky, Mitglied im Senat, in der DiM und Parlamentarierin für die Antihelden. Allerdings werde hierbei ausgelassen, dass diese es auf dem freien Wohnungsmarkt deutlich schwerer haben. In der Senatssitzung vom 3. Februar kritisierten die studentischen Vertreter*innen bereits „die nach Kulturkreisen sortierte Belegung der Wohnheime“. Es gebe Berichte, Wohngemeinschaften als auch ganze Stockwerke seien nach Herkunftsländern sortiert. Sabina de Castro, Geschäftsführerin des Studierendenwerks, beteuerte daraufhin, Wünsche internationaler Studierende versuche man zu berücksichtigen und generell sei man um eine „gute Durchmischung der Wohnheime bemüht.“ Dem widerspricht jedoch der Wohnheimaufnahmeantrag, der besagt, „Programmstudierende und Gäste [hätten] leider keinen Einfluss darauf, wo sie untergebracht werden“.

Peito erklärt, „Programmstudierende und Kurzzeitstudierende mit weniger als einem Semester Studienzeit werden gemeinsam untergebracht, da die hohe Fluktuation andernfalls zu Unzufriedenheit und Beschwerden seitens der regulären Studierenden führt“. Worauf diese Annahme basiert, wird nicht spezifiziert. Erasmus-Studentin Sofia* bestätigt: alle Erasmus-Studierenden seien im Wohnheim in der Meistersingerstraße in Essen untergebracht. Zugleich bemängelt sie diesen Zustand aber, „weil wir keine Gelegenheit hatten, deutsche Leute kennen zu lernen“.

Obwohl im vergangen Jahr bereits der positiv aufgenommene Vorschlag gemacht wurde, internationale Studierende könnten in Zukunft Wünsche angeben, ob sie in internationalen Wohngemeinschaften leben und mit welchem Geschlecht sie zusammen wohnen möchten, ist dies bisher nicht in die Tat umgesetzt worden. Peito hält dagegen: „Studierende können Wünsche angeben, mit wem sie zusammen wohnen möchten. Eine geschlechterspezifische Belegung wird in 98 Prozent der Fälle gewünscht und realisiert.“ Auf dem Anmeldeformular befindet sich hierzu aber nach wie vor kein eigener Eintrag, sondern lediglich ein Feld für allgemeine Bemerkungen.
Da sich die internationalen Studierenden aufgrund ihrer Wohnsituation zumeist im eigenen Kulturkreis bewegen, finden die studentischen Senator*innen, dass dem Auftrag zur Förderung des internationalen Austauschs des Studierendenwerks nicht nachgekommen wird. Zwar habe das Studierendenwerk ein Wohnheimtutor*innenenprogramm auf den Weg gebracht, das positiv angenommen werde, aber noch nicht ausreichend sei. Hier findet sich auch die Kritik an mangelndem studentischen Freiraum wieder. Neben dem geschlossenen Kunst- und Kulturcafé (KKC) seien auch in den meisten Wohnheimen die Gemeinschaftsräume nicht zugänglich oder in einem schlechten Zustand.

Das Studierendenwerk weist diese Vorwürfe zurück. Die Tutor*innen würden ein Freizeit- und Veranstaltungsprogramm bieten. Weiter wird auf das Komm In!-Büro in Duisburg verwiesen: „Dort unterstützen wir internationale Studierende bei der Kommunikation mit Behörden (…), bei der Orientierung an den Hochschulen sowie in den Städten Duisburg, Essen, Mülheim und Bottrop und beim Einleben in Deutschland.“

Unterstützung für Studierende – wie geht’s weiter?

Aus Gesprächen mit Studierenden gewann Kalkowsky wiederholt den Eindruck, dass viele sich nicht trauen oder nicht wissen, wo und wie sie sich beschweren und Hilfe holen können. Es sei darum umso wichtiger, deutlich zu machen, in welchen Gremien sich studentische Vertreter*innen für die Belange der Studierenden engagieren.

In der DiM werde der Handlungsbedarf insbesondere in Bezug auf die internationalen Studierenden von allen geteilt, so Kalkowsky. Kritik komme nicht nur von Studierenden. Professorin Anja Weiß etwa kritisierte den Zustand des internationalen Gästehauses. Zudem wurde der Wunsch nach mehr Unterstützung durch das Rektorat geäußert. Über Prorektorin Evelyn Ziegler wurde deshalb eine Informationszusammenstellung an das Rektorat weitergegeben. Des Weiteren sei ein Gespräch mit dem Kanzler geplant, „um die Problematik noch mal zu verdeutlichen“, so Kalkowsky. In der Senatssitzung einigte man sich aus Zeitmangel darauf, dass die studentischen Senator*innen noch ausstehenden Fragen zur Situation in den Wohnheimen per E-Mail an de Castro schicken können. Ein Gespräch bot sie ebenfalls an.
Der AStA hat sich indes ebenfalls der Problematik angenommen und plant Gespräche. De Castro solle ins Studierendenparlament eingeladen werden; eine wohnheimübergreifende Facebook-Gruppe soll Beschwerden und Erfahrungen an einer Stelle sammeln.

*Namen der Redaktion bekannt.