Nimm die Pussy vom Kopf

Die selbstgestrickten Pussyhats sind bei Trump-Gegnerinnen beliebt. (Foto: flickr, Peter Kaminski, CC BY 2.0)

Ein Kommentar Von Lea Sleiman

Mit dem Women‘s March am 21. Januar hat sich der rosafarbene „Pussyhat“ als Symbol des neuen Feminismus etabliert. Die Gegenbewegung zum Trumpismus in den USA ist aus der Idee von Frauenrechten entstanden, die der neue US-Präsident in Äußerungen regelmäßig negiert hatte. Jedoch müssen solche Symboliken und ihre impliziten Bedeutungen hinterfragt werden, bevor sie als glorreiches Protestzeichen im kalten, trumpischen Wind die Köpfe von Millionen zieren.

„Pussy“, umgangssprachlich für Katze oder die weibliche Vagina, als Substrat für Weiblichkeit zu benutzen, ist unter verschiedensten Aspekten mehr als fragwürdig. Die Katze als „das Weibliche” konstruiert somit auch eine Essenz vom Weiblichen, die ebenso mit der Wahl der Farbe Rosa oder Pink ihren Ausdruck findet. Jungen Mädchen werden diese Farben sowie Eleganz und Feminisierung regelmäßig von allen Seiten verordnet. Ein Symbol zu wählen, das genau diese Klischees unterstützt, hilft letztlich niemandem, sich aus der eigenen Genderrolle zu befreien, die auch Trump maßgeblich postuliert. Zuletzt etwa mit der Forderung, weibliches* Personal im weißen Haus solle sich „weiblich“ anziehen. Vielleicht hätte er dem Personal gleich nahelegen sollen, eine pinke Pussymütze aufzusetzen.

Trump nutzt die Kategorie der Frau*, um über Personengruppen zu sprechen – und genau darauf reagiert die Protestbewegung. Außerdem: Nicht alle weiblichen* Personen haben eine Vagina. All jene, die eben keine haben, fallen aus dem Protest heraus – man denke hierbei etwa an Trans*personen . Und andersrum definiert sich nicht jeder Mensch mit Vagina als Frau. Außerdem bleibt anzumerken, dass nicht jeder Mensch eine hellrosa Vagina hat, wie die von vielen „weißen“ Menschen vielleicht.

Es ist ein netter Versuch, eine Bindepussy zwischen den Menschen zu finden. Das einheitliche Symbol kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Trans*frau andere politische Ziele verfolgt als die First Lady, auch wenn sich beide als „weiblich“ definieren. Und eine Frau aus der Arbeiterklasse will auch mit pinker Mütze wahrscheinlich keine Neoliberalisierung der Bildung. Es ist die brüchige Einheit, die damit entsteht, die so lange dauern kann, bis Trump wirklich abgewählt ist. Was danach politisch folgt wird ernüchternder Interessenkampf, solange es verschiedene Klassenlagen, Rassismen, Diskriminierung und Privilegierung gibt. Trotz Pussyhat.