Schwarz sehen

Nach der Vorlesung nach Hause kommen, die Schuhe ausziehen, kurz den Fernseher einschalten, bevor es an den Schreibtisch zum Lernen geht. Oder sich abends mit Freund*innen treffen und bekannte Trash-TV Formate schauen. Für viele Studierende gehört Fernsehkonsum zum Alltag. Ab dem 29. März wird bei Vielen der Fernseher jedoch schwarz bleiben.

Das DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) wird abgeschaltet. Folgen soll das Format DVB-T2 HD, da die Frequenzlizenen neu vergeben wurden: Die Frequenzen vom alten DVB-T werden für das mobile Internet genutzt. In nahezu jedem Elektronikmarkt finden sich jetzt Empfangsgeräte für das neue DVB-T2 HD Format (Einstiegsmodelle ab 30 Euro). Geworben wird in dem Zug mit hoch- auflösenden Programmen und tatsächlich hat DVB-T2 HD das beste Signal im Vergleich zu Kabel- oder Satellitenfernsehen. Das Ganze hat aber nicht nur neben der Anschaffung der Receiver seinen Preis. Jahresgebühr an die privaten Sender DVB-T war kostenlos, sein Nachfolger wird nun der erste Empfangsweg sein, bei dem nicht alle Programme frei verfügbar sind.

Denn die privaten Sender der RTL-Gruppe und der ProSieben Sat.1 Media AG werden verschlüsselt. Gegen eine Jahresgebühr von etwa 70 Euro können sie freigeschaltet werden. Jasmin Mittenzwei, Sprecherin der Pro-Sieben Sat.1 Media AG, erklärt hierzu: „Die Bereitstellung von hochauflösenden Sendern wird mit einem hohen technischen Aufwand betrieben, den die privaten Sender — anders als die öffentlich-rechtlichen – nicht über die Rundfunkgebühr refinanzieren können. Aus diesem Grund zahlen die Zuschauer für den Empfang der HD-Programme ein technisches Zugangsentgelt an den Plattformbetreiber, egal über welchen Übertragungsweg sie die Programme nutzen.“ Über Kabel oder Satellit können die Sender in der Standardauflösung bisweilen dennoch empfangen werden. Das ändert sich aber bald.

Das Ende des Free TV?
2023 läuft die 10-jährige Vereinbarung zwischen den Privatsendergruppen und dem Bundeskartellamt aus, indem festgelegt wurde, dass die Sender unverschlüsselt und in SD über Kabel und Satellit übertragen werden. Nico Jurran, Redakteur des Computermagazins c ́t hat sich mit der Thematik befasst und sieht mit der Umstellung auf DVB-T2 HD das Ende des „Free TV“ besiegelt. Denn nur etwa drei Millionen Haushalte in Deutschland schauen über DVB-T, zum Vergleich ist Satellitenfernsehen in etwa 17 Millionen deutschen Haushalten zu finden. Daher sieht Jurran in der Umstellung eine Art „Experiment“, ob die Menschen auch bereit wären für die privaten Sender zu bezahlen. Schließlich finanzieren sie sich (noch) nur durch Werbung.

Verbraucherfreundliche Umstellung: Fehlanzeige
Kritik gibt es auch von anderer Stelle. Im Jahr 2014, als erste Details zur geplanten Umstellung öffentlich wurden, forderte der Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzbv) eine verbraucherfreundliche Umstellung: „Es ist nicht einsehbar, warum Verbraucher zusätzlich für eine Entschlüsselung zahlen sollen, wenn die neue Übertragungstechnik eingeführt wird“, so Ilja Braun, Referent für Telekommunikation beim Vzbv. Die alten DVB-T Receiver werden bald unnütz sein, veraltet und schließlich Müll. Aktionen wie den alten Receiver im Elektrofachhandel zurückgeben zu können gab es bisher nicht. Allein 2014 lag in Deutschland das Pro-Kopf Aufkommen von Elektroschrott bei 21,4 Kilogramm. Dieser endet oft in fragwürdigen Enddeponien – und das meist nicht in Deutschland. [mehu]