Bündnis für eine demokratische und humanistische Gesellschaft

Symbolbild: Arbeiter*innen kämpfen auch heute noch für demokratische Teilhabe. (Foto: mehu)

Brexit, Trump und Populist*innen in Europa – Unsere Gesellschaft verändert sich. Aus demokratischer Sicht alles andere als zum Guten. Doch was können wir Einzelne schon tun? Eine ganze Menge – sagt Nina Kiedrowicz, Studierende an der Universität Duisburg Essen. Aus einem Facebook-Post entstand das Bündnis Arbeitskreis Demokratie. akduell-Redakteur Meiko Huismann hat die Studentin zum Interview getroffen.

akduell: Wie bist du auf die Idee gekommen, dich und andere Menschen zu motivieren, politisch aktiv zu werden?

Nina Kiedrowicz: Ich saß oft mit Freunden in der Kneipe auf ein Bier zusammen. Dabei haben wir immer wieder drüber geredet, dass da gerade Dinge passieren und nicht erst seit kurzem, die echt Angst einflößend sind. Wir haben das Gefühl, dass da eine Veränderung im Gange ist, die grundlegend das System, in dem wir leben, bedroht. Wir haben immer wieder darüber geredet und uns gefragt, was wir tun können. Der ausschlaggebende Punkt war dann einfach Trump. Nach der Wahl dachten wir, das kann doch nicht sein. Wir waren richtig geschockt. Und das war für uns der Wendepunkt, wo wir sagten, dass wir uns das Ganze nicht länger passiv anschauen und nichts tun.

akduell: Wo habt ihr dann angesetzt?

Kiedrowicz: Wir haben uns überlegt, was wir eigentlich wollen. Mit wem wir reden wollen und ganz wichtig, wen wir erreichen wollen. Also die ganz extremen Menschen, an die kommt man halt nicht mit Argumenten ran. Aber es gibt viele Menschen, die haben berechtigte Sorgen. Ich kann es verstehen, wenn zum Beispiel der eigenen Mutter später die Rente nicht zum Leben reicht. Die Sorge kann ich verstehen, aber das hat nichts mit den geflüchteten Menschen zu tun, die hier Schutz suchen. Wir wollen an die Menschen heran, die Ängste und Sorgen haben und sich von den Populisten abgeholt fühlen. Genau die wollen wir erreichen. Denn wir als Gesellschaft können ja auch was verändern. Nicht nur auf „die da oben pöbeln“, sondern mitgestalten, das ist unsere Idee. Wir wollen in den Dialog treten mit den Menschen und auch gezielt darauf eingehen, was verändert werden kann und muss. Gerade das Potenzial im Ruhrgebiet an Menschen, Gruppen, Organisationen und Vereinen ist riesig. Und dann haben wir angefangen, alle anzuschreiben und zu schauen, wie wir an diese Menschen rankommen. Es verbindet uns ja die Idee der Demokratie. Wie unser Name schon sagt: Für eine demokratische und humanistische Gesellschaft.

akduell: Du sagtest gerade, dass ihr auf viele Organisationen zugegangen seid. Wieso habt ihr ein neues Projekt gestartet und euch nicht irgendwo angeschlossen?

Kiedrowicz: Diese Frage wurde uns häufig gestellt und ist auch berechtigt. Also wir sehen uns jetzt nicht als Dachverband der Initiativen, die es schon gibt. Wir denken ganz einfach, dass man die Ressourcen und Potenziale nutzt. Wenn wir zum Beispiel eine Aktion an Schulen machen wollen und brauchen dafür Kontakte zu Schulen und wir haben eine Organisation, die viel in Schulen macht, warum sollen wir das nicht zusammenbringen?

akduell: Du sprichst von „Aktionen“. Wie sähen solche Aktionen konkret aus?

Kiedrowicz: Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen gebildet. Eine davon organisiert demnächst ein Stammtischparolen-Training, also wie man am besten auf Stammtischparolen reagiert. Argumentiere ich mit Fakten oder emotional. Wenn wir mit Menschen ins Gespräch kommen, dann sehen wir das als ersten Schritt für uns. Aber wir wollen dieses Training auch vielen Leuten zugänglich machen, nicht nur Studierenden beispielsweise. Eine andere Aktion wäre, dass wir uns in den öffentlichen Raum stellen, mit einer Art Infostand oder einer Couch und mit provokanten Thesen auf einem Banner beispielsweise Aufmerksamkeit erregen, um dann mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und auch konkret zu fragen, was die Leute beschäftigt.Vor der Landtagswahl am 14. Mai wollen wir auf jeden Fall schon was auf der Straße gemacht haben. Das ist unsere mittelfristige Zielsetzung.

akduell: …und langfristig? Wo siehst du das Projekt beispielsweise in einem Jahr?

Kiedrowicz: Das ist auch ein wichtiger Punkt. Wir haben uns gesagt, dass wir keine Reaktion sind auf Themen, die von der AfD gesetzt werden. Wenn die Bundestagswahl im September „gut ausgeht“ und die AfD beispielsweise nur zwei Prozent bekommt, dann machen wir trotzdem weiter. Wir wollen mitgestalten und das über Wahlen hinaus. Ich hoffe es wird sich weiter festigen im Ruhrgebiet, sodass wir präsent sind, und Leute erreichen, auch Nichtwähler, um denen zu zeigen, dass alle Gesellschaft und Politik mitbestimmen können.

akduell: Wie viele engagieren sich denn derzeit im Bündnis?

Kiedrowicz: Also in unserem Email-Verteiler sind zirka 60 Leute drin. Aber es sind auch viele dabei, die unsere Idee unterstützen und sich über unsere Treffen informieren wollen, aber selbst nicht teilnehmen. Von denen bekomme ich regelmäßig Feedback und daran merke ich auch, dass viele interessiert sind, aber nicht zu jedem Treffen Zeit haben selber zu kommen. Aber das ist gar nicht schlimm. Auch wenn Leute nur einzelne Aktionen unterstützen wollen, dürfen sie das gerne tun. Jeder darf sich bei uns einbringen, wie er es zeitlich hinbekommt. Das war uns wichtig.

akduell: Wenn Leute sich einbringen möchten. Wie erreichen sie euch?

Kiedrowicz: Wir haben ein Profil auf www.change.org, einer Plattform, die gemeinnützigen Organisationen Raum gibt, sich zu präsentieren und zu organisieren. Dort kann man sich unser Kurzprofil ansehen. Auf lange Sicht wollen wir auch von dem Email-Verteiler weg und uns auf dieser Plattform organisieren. Unser nächstes Treffen ist am Montag, 24. April um 19 Uhr am Essener Campus in Raum R12 R05 A69.