Ein bisschen Universitätsalltag für Geflüchtete

Die Initiative RefUDEe Buddy setzt sich dafür ein, dass Geflüchtete an der Universität Fuß fassen. (Foto: fro)

Eine neue Sprache lernen, sich in ein neues Land einleben und Anschluss finden: Vor diesen Problemen stehen junge Geflüchtete in Deutschland. Schon seit dem Wintersemester 2015/2016 möchte die Universität Duisburg-Essen dem entgegenwirken und bietet Gasthörer*innenschaften für Geflüchtete an (akduell berichtete). Mit RefUDEe Buddy sollen ihnen  nun auch Studierende helfen, sich an der Uni zurecht zu finden.

Die ersten Schritte an der Uni sind für alle Studierende schwer – zum Beispiel wie man einen Stundenplan erstellt oder was es mit dem Raumbezeichnungen auf sich hat. Doch sei dieser neue Lebensabschnitt vor allem für Geflüchtete wegen sprachlicher Barrieren, einer neuen Kultur sowie psychischer Belastungen durch die Fluchterfahrung besonders hart. Gerade deshalb sollte ihnen zusätzliche Hilfe angeboten werden, findet Udo Rasum vom Akademischen Auslandsamt der Universität Duisburg-Essen. Zumindest den universitären Einstieg möchten die Aktiven von RefUDEe Buddy erleichtern. „Dazu zählt beispielsweise dem Gasthörer den Campus zu zeigen, Hilfe bei der Raumsuche zu geben, den Ablauf der Mensa zeigen, oder ihm erklären, wie man in der Bibliothek ein Buch ausleiht“, nennt Rasum einige Beispiele, wie die „Buddys“ junge Geflüchtete unterstützen können. „Insgesamt sollte dem Gasthörer der Einstieg in den Uni-Alltag erleichtert werden“, fügt er hinzu.

Refubuddys war ursprünglich ein Praxisprojekt aus dem Bereich der Sozialpsychologie, der Abteilung für Informatik und Angewandten Kognitionswissenschaft sowie der Fakultät für Informatik. „Das Akademische Auslandsamt wurde zu den Projektvorstellungen mehrmals eingeladen und wir fanden, dass dieses Projekt auch nachhaltig gefördert werden soll“, so Rasum. Nun startet das Projekt unter Führung des Tutoren Service Centers seinen ersten Durchgang.

„Im besten Fall können Freundschaften entstehen“

Derzeit unterstützen zehn Buddys 30 Geflüchtete. Diese werden anhand bestimmter Kriterien einander zugeteilt. „Die Kriterien, mit denen Studenten einander zugeteilt werden, sind der gleiche oder ein ähnlicher Studiengang und falls gewünscht, auch ein ähnliches Alter oder das gleiche Geschlecht,“ erklärt Rasum.

Die Zusammenführung muss aber nicht zwingend rein über universitäre Gemeinsamkeiten getroffen werden. Auch können geteilte Interessen oder Hobbys mit einbezogen werden. Darin sieht Rasum einen entscheidenden Vorteil: „Darüber hinaus können im besten Fall Freundschaften zwischen dem Buddy und den Gasthörern entstehen und es würde uns freuen, wenn sie auch Freizeitaktivitäten miteinander unternehmen.“ Im kommenden Semester seien Treffen zwischen eine*m Betreuer*in des Tutoren Service Centers und allen Teilnehmer*innen vorgesehen, um gemeinsam Freizeit zu gestalten.

Bislang ist Rasum durchaus zufrieden mit dem Projekt: „Die Resonanz von den Geflüchteten, dass es so ein Programm jetzt gibt, war bisher sehr gut“, hebt er hervor. Künftig wollen die Organisator*innen versuchen, noch mehr Freiwillige zu finden, die sich gerne engagieren würden. So könnte eine 1:1-Betreuung realisierbar sein.

Geflüchtete können als Gasthörer*innen studieren

Bereits in ihren Herkunftsländern hätten die Geflüchteten Universitätserfahrung gesammelt und ein Studium begonnen. Manche hätten es sogar schon abgeschlossen, so das Akademische Auslandsamt. Geflüchteten ist es in Deutschland in den meisten Fällen nicht möglich, ein reguläres Studium zu absolvieren. Allerdings besteht für sie seit dem Wintersemester 2015/2016 die Möglichkeit sich, auch an der Universität Duisburg-Essen, als Gasthörer*in einzuschreiben. „Die Gasthörerschaft ist eine sehr gute Möglichkeit, in den universitären Alltag zurückzukehren. Viele Geflüchtete betonen, wie glücklich sie darüber sind, wieder an einem Universitätscampus sein zu können“, sagt Rasum.

Damit können sie das deutsche Universitätssystem kennenlernen und erste Kontakte mit Kommiliton*innen und Dozierenden knüpfen. „Auch die Möglichkeit, die Bibliothek am Campus zu nutzen und dort einen ruhigen Rückzugsort zu erhalten, der in den Flüchtlingscamps kaum gegeben ist, ist als sehr wertvoll zu betrachten,“ führt er fort.  Zwar können Veranstaltungen, die Geflüchtete im Rahmen des Gasthörer*innenprorgrammes besucht haben, nicht auf ein später folgendes reguläres Studium angerechnet werden. Aber seit Januar können Gasthörer*innen mit Geflüchtetenstatus immerhin studienvorbereitende Deutschkurse an der Universität Duisburg-Essen besuchen.