Semesterticket: Nur noch Handy und Papier

Ist das Ende des Semestertickets auf der Chipkarte besiegelt? Studierende wehren sich dagegen. (Foto: dav)

Das Semesterticket in Form der All-in-one-Lösung auf dem Studierendenausweis scheint nun endgültig Geschichte zu sein. In der Studierendenschaft und auf Seiten des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) regt sich aber weiter Kritik gegen die Umstellung auf Handy und Papier.

Zukunft ist Vergangenheit ist nicht nur der Titel eines X-Men Films, es ist auch zum Teil ein passender Slogan für die Ticketumstellung an der Universität Duisburg-Essen. An die Vergangenheit dürften sich dabei vor allem Studierende ohne Smartphone erinnert fühlen. Sie werden das Semesterticket lediglich in Papierform nutzen können. Mit dem Ende der All-in-one-Ticketlösung dürfte auch der Neid ein Ende haben, der von Studierenden anderer Universitäten wie Bochum oder Düsseldorf, für die das auszudruckende Ticket schon immer die einzige Möglichkeit bot, wie immer wieder auf WG- oder Unipartys geäußert wurde.

VRR drängte auf Umstellung

Als Ursache dafür, das Ticket überhaupt umzustellen, verweist Ludwig Ciesielski, Leiter des Einschreibungs- und Prüfungswesens der Universität Duisburg-Essen, auf den Verkehrsbund Rhein Ruhr (VRR): „Die Verkehrsbetriebe hatten technische Probleme mit dem Hintergrundsystem, die sich auch auf das Schreiben des Semestertickets auf die Chipkarte auswirkten. Deshalb wandte sich der VRR im Januar 2016 an die UDE und schlug vor, das Semesterticket auf den zunehmend üblichen Online-Standard umzustellen.“ Daraufhin habe man gemeinsam mit VRR, der Universitätsverwaltung, der Firma Intercard und der Studierendenvertretung beschlossen, das mobile Ticket als Ergänzung bereitzustellen.

Dass nun das Ticket gänzlich wegfällt, liege ebenfalls an den Verkehrsbetrieben. So sei im Oktober vergangenen Jahres das Kundenmanagement der Essener Verkehrs AG (EVAG) an das Studierendensekretariat herangetreten und habe mitgeteilt, dass bisher ausgestellte Ausweise mit Ticket zwar ihre Gültigkeit behalten würden, neu ausgestellte Ausweise aber mittels des Handy-Tickets oder eines Ausdrucks vorgezeigt werden müssen.

Aus zusätzlichem Service wird Alleinlösung

Im Rahmen der Ticketumstellung hatte der vorherige AStA immer wieder Kritik am Vorgehen geäußert und Ciesielski einen Alleingang vorgeworfen (akduell berichtete). Er weist die Kritik zurück und erklärt, bereits im Februar 2016 mit dem damaligen AStA-Vorsitzenden Marcus Lamprecht (Grüne Hochschulgruppe) in Kontakt getreten zu sein. Dieser sei auch damit einverstanden gewesen, das Semesterticket als zusätzliche mobile Variante bereitzustellen. Auf Anfrage von akduell betont Lamprecht, dass die Zustimmung für das Handy-Ticket sich allein auf die Beschränkung als Zusatzangebot bezog , er jedoch dem Ersatz der Chipkarte deutlich widersprochen habe. Zu dieser Zeit habe auch Ciesielski lediglich von einem Zusatzangebot gesprochen.

Neben mangelhafter Kommunikation wurden auch vermeintliche Risiken eines Datenmissbrauchs und die Gefahr des sozialen Ausschlusses für Studierende ohne Smartphone genannt. Ciesielski sieht jedoch die Vorteile des Tickets, wie die Unabhängigkeit von Bürozeiten und den Wegfall der Bearbeitungsgebühr für Studierende im Falle eines Ticketverlusts als ausschlaggebender. Auch der Datenschutzbeauftrage der Universität Duisburg-Essen habe das Verfahren genehmigt.

Der aktuelle AStA steht dem Handy-Ticket jedoch ebenfalls kritisch gegenüber. Dominik Dyba (Antihelden) vom Referat für Ökologie, Mobilität und Gesundheit erklärt: „Der Weg hin zur App und PDF-Ticket stellt für uns einen enormen Rückschritt dar und ist für uns vollkommen unverständlich. Anfragen, Berichte und Beschwerden aus der Studierendenschaft bestätigen uns darin und verdeutlichen, dass der Übergang nur Probleme schafft und der Wunsch der Studierendenschaft eindeutig ist, dass das Ticket in seiner jetzigen Form beibehalten werden muss.“ Aktuell befinde sich der AStA-Vorsitz auch noch in weiteren Verhandlungen bezüglich des Studierendentickets. Eine schnelle Rückkehr zur Chipkarte erscheint derzeit jedoch unwahrscheinlich.