Solidarität gesucht!

Die Flagge der Roma. (Foto: AdiJapan/ Wikimedia Gemeinfrei)

Ein Kommentar von Maren Wenzel

Rom – das bedeutet auf Deutsch nicht mehr und nicht weniger als „Mensch“. Es ist eine Bezeichnung für die größte Minderheit Europas: Sinti und Roma. Am 8. April begehen diese weltweit den Roma Day, um auf die Vorurteile, Benachteiligungen und Diskriminierungen gegen sie aufmerksam zu machen. Und das müssen sie leider auch. Denn noch im Jahr 2017 braucht es mehr als die bloße Debatte um das „Zigeunerschnitzel“ – sinti- und romafeindliches Denken und Handeln muss, wie es die Betroffenen fordern, gesamtgesellschaftlich verurteilt werden.

Eigentlich müsste gerade die deutsche Gesellschaft wissen, wie mörderisch die Vorurteile gegen die Minderheit sein können. Mindestens hunderttausend Sinti und Roma wurden während des NS-Faschismus als „Zigeuner“ verfolgt und vernichtet. Zehntausende von ihnen starben in Auschwitz an Mangelernährung, Krankheiten oder wurden in den Gaskammern ermordet. Ähnlich dem Begriff der Shoa bezeichnen Angehörige der Minderheit diesen Genozid auf Romanes als Porajmos. Und gleich dem Antisemitismus grassiert auch heute noch der Antiziganismus gegen Sinti und Roma.

Gerade in den fünf von der Bundesregierung als „sichere Herkunftsstaaten“ benannten Länder im Westbalkan werden Roma diskriminiert, ausgegrenzt, teilweise sogar attackiert. Trotzdem haben sie in Deutschland wenig bis gar keine Chancen auf Asyl und werden abgeschoben. Jene, die als EU-Bürger*innen nach Deutschland kommen, werden hierzulande auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt diskriminiert. Das zeigten nicht zuletzt die menschenunwürdigen Zustände im Haus „In den Peschen“ von Neonazis umrundet und schließlich von der Stadt Duisburg geräumt wurde.

Aussagen wie „Ich hätte gerne das Doppelte an Syrern, wenn ich dafür ein paar Osteuropäer abgeben könnte“ von Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) müssen als antiziganistisch verurteilt werden. Über Antiziganismus und die Geschichte von Sinti und Roma muss aufgeklärt, die Verfolgung von Roma muss als Asylgrund anerkannt und angewandt werden. Roma und Sinti müssen endlich gleichberechtigte Mitglieder dieser Gesellschaft sein. Das geht aber nur mit Solidarität und Fürsprecher*innen, die zeigen, dass sie aus der Geschichte gelernt haben und Verantwortung übernehmen.