Aus den Augen, aus dem Sinn

Ein beliebter Ort der Trinker*innenszene in Duisburg. Ab jetzt darf hier kein Alkohol mehr konsumiert werden. (Foto: mehu)

Ein Kommentar von Meiko Huismann

Nun ist es also offiziell. Das Alkoholverbot in der Duisburger Innenstadt ist vergangene Woche vom Stadtrat beschlossen worden. Damit hofft die Stadt, die Trinker*innenszene aus dem Stadtzentrum zu vertreiben. Bravo! Problem gelöst. Nun kann das Shoppingerlebnis ungetrübt genossen werden, ohne den Anblick von gesellschaftlich abgehängten Menschen ertragen zu müssen.

Getreu dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn“ werden die zum größten Teil alkoholkranken Menschen einfach aus dem Sichtfeld der Menschen verbannt. Immerhin gilt Alkoholabhängigkeit seit 1968 in Deutschland als Krankheit. Es wird beiseite geräumt, was dem Stadtimage schaden könnte.

Der letzte Strohhalm dieser Menschen, an unserer Gesellschaft teilzuhaben, an öffentlichen Plätzen zu trinken, wird ihnen mit dem Verbot genommen. Es gibt Überlegungen einen Raum zu öffnen, damit die Menschen unter Aufsicht trinken können. Wer das bezahlen soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Bei der Problemlösung wird auch nach Essen geschaut. Das Projekt „Pick up“ bietet an: Straßen säubern gegen Bier oder eine warme Mahlzeit. Damals war die Empörung in der Bevölkerung groß. Die Betroffenen aber fühlen sich gebraucht und haben endlich wieder eine Struktur im Alltag. Das Projekt wurde mit den Alkoholabhängigen zusammen ausgearbeitet. In Amsterdam wurde das schon vor einigen Jahren eingeführt und läuft gut. Das ist, was in Deutschland und speziell in Duisburg fehlt. Es wird einfach über Menschen hinweg entschieden, ohne mit ihnen zu reden.

Wenn diese Menschen schon nicht mehr die Chance bekommen unsere Gesellschaft mitzugestalten, dann können sie doch wenigstens das machen was ihnen bleibt. An belebten öffentlichen Plätzen trinken, um wenigstens das Gefühl zu haben, dazuzugehören. Aber diese Trennung passt zur Stadt Duisburg. Denn dadurch wird den Bürger*innen auch der Komfort geboten, nicht sehen zu müssen, dass es in einer Gesellschaft auch tief bergab gehen kann.