Es tropft weiter

Der Duisburger Hauptbahnhof in vollem Glanze. Qualität
seit 1934. (Foto: lys)

Laola-Wellen für den MSV müssen wohl weiterhin unter dem undichten Dach des schäbigen Duisburger Hauptbahnhofs stattfinden – der geplante Umbau des Daches in ein wellenförmiges, lichtdurchlässiges Gebilde, sowie weitere Reparatur- und Modernisierungsmaßnahmen, sind „auf unbestimmte Zeit verschoben“. Der Grund dafür: weltfremde Kalkulationen und fehlende Bewerber*innen, um die Baumaßnahmen zu managen.

Der Duisburger Hauptbahnhof sieht eigentlich noch so aus wie 1934. Als der Architekt der Reichsbahndirektion damals den Bahnhof umbauen ließ, galt das Design als hochmodern und funktional. Verführt hat die Nazis die neue Sachlichkeit, die schnörkellosen Fenster und harten Formen. 70 Jahre, ein paar Bomben und Restaurationsmaßnahmen später, steht das Ding immer noch. Außer zum Wegfahren kommt hier kaum jemand der täglich 100.000 Reisenden hin. „Wer den Bahnhof betritt, kann […] die Klarheit und Funktionalität des einstigen Entwurfs kaum noch erkennen“, schreibt die Stadt auf ihrer Homepage. Das sah wohl auch Sören Link (SPD), Oberbürgermeister von Duisburg, so und verkündete in Kooperation mit VRR und Deutscher Bahn vergangenen September Modernisierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen ab Juli 2017 (akduell berichtete). Alles sei bis voraussichtlich 2022 abgeschlossen. Hierbei sollte der Duisburger Hauptbahnhof als Exempel gelten für insgesamt 150 Bahnhöfe in NRW, die die deutsche Bahn, mit der öffentlichen Hand gemeinsam finanziert, modernisieren will. Etwa 150 Millionen Euro waren für den Bau eingeplant.

Wellpapp-Versprechen

Angedacht war ein lichtdurchflutetes Dach, das sich wellenförmig zwischen den Ausgängen spannt. Dazu hätte das Jetzige abgerissen werden müssen, da die Halle unter Denkmalschutz steht und Sanierungsmaßnahmen mit diesem Status kompliziert seien, so RP-online. Außerdem sollten neue Leitungen gelegt werden, die Beleuchtung verbessert, Bahnsteige saniert und blindenfreundlicher gestaltet werden. Jetzt liegen die Pläne aber erstmal brach und der Bahnhof ist immer noch eine Bruchbude.

„In Duisburg gab es Probleme mit einem Vergabeverfahren für die Bahnsteigarbeiten“, erklärt Stephan Boleslawsky, Chef des Bahnhofsmanagements in NRW, das geplatzte Vorhaben. „Dieses wurde nicht abgeschlossen, weil der einzige Anbieter ein Angebot abgegeben hat, das hoch unwirtschaftlich war. Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, wie weit uns das gescheiterte Vergabeverfahren zurückwirft.“ Jetzt muss mit der Deutschen Bahn neu verhandelt werden und das Millionenprojekt neue Anbieter für die Baumaßnahmen finden.

Seit 2009 schon laufen Sanierungen in der Empfangshalle. Geändert hat es wenig: Vom Dach tropft’s immer noch. Mr. Link, die Abrissbirne, fokussiert sich bei der Image-Kampagne Duisburger Hauptbahnhof auf Prestigeobjekte wie gläserne Dächer, das teuerste der Vorhaben im Bahnhof. Inklusive Bahnsteige, Dachreparatur und Beleuchtung wären leichter und billiger zu bewerkstelligen. Schaut man sich Duisburgs sonstige Probleme an, sind die sicherlich weitläufiger und investitionsbedürftiger als ein Wellen-Dach. Zum Beispiel fehlt es der Stadt an Soziokultur. Vergangene Woche haben sich deswegen Initiativen zur Nutzung der Alten Feuerwache (akduell berichtete) mit der SPD in Duisburg getroffen. Herausgekommen ist: Kein Soziokulturelles Zentrum in der Feuerwache. Falls jedoch Millionen für Image-Bauprojekte da sind, wieso dann nicht auch für selbstverwaltete Kultur? Duisburgs Bilanz: Kein Dach, keine Feuerwache. Und hochtrabende Pappnasen, die dann die Welle machen.