Gebt den Studierenden ihre Freiheit zurück

Ein Kommentar von Mirjam Ratmann

Das Studium soll wieder an den eigenen Interessen orientiert sein! (Foto: fro)

„Das Studium ist die beste Zeit des Lebens“ – so ein weit verbreiteter Klischeesatz. Es ist ein Ausspruch, den viele Studierende schon in der Schulzeit zu hören bekommen. Während die Schule Pflicht war und man sich durch unbeliebte Fächer quälen musste, sollte im Studium alles besser werden. War Sitzenbleiben in der Schule noch ein mittlerer Weltuntergang, stand das Studium einst vor allem für eins: Zeit haben und sich Zeit lassen.

Doch in der Realität sieht das inzwischen anders aus. Stichwort: Regelstudienzeit. Den Bachelor in durchschnittlich sechs Semestern, den Master in vier – das ist bei vielen Studiengängen angesetzt. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes von 2014 schaffen nur 40 Prozent ihr Studium in dieser vorgegebenen Zeit. Daher kommt auch ein weiteres Klischee: Studierende sind faul. Dabei sind es meistens nur ein oder zwei Semester, die die Absolvent*innen länger brauchen.

Was oft übersehen wird: Wie viele Studierende diese Regelstudienzeit einhalten müssen, um überhaupt weiter studieren zu können. Denn: Die BAföG-Förderung ist an die Regelstudienzeit gekoppelt. Rund 611.376 Studierende bezogen 2015 BAföG, durchschnittlich knapp 400 Euro pro Monat. Es sind 400 Euro, die darüber entscheiden können, ob jemand seinen Lebensunterhalt bestreiten kann oder nicht. Viele müssen zusätzlich Geld verdienen, was die Zeit, die dem Studium gewidmet werden kann, weiter einschränkt. Dabei ist der Lebensabschnitt an der Uni nicht nur dazu da, um sich durch wissenschaftliche Texte zu kämpfen. Allen voran soll er einem die Möglichkeit geben sich gesellschaftlich zu engagieren, Kontakte zu knüpfen und sich selbst zu finden.

Aber wie soll das noch gehen, wenn der Druck so groß ist das Studium in der vorgegebenen Zeit zu schaffen? Zumal in vielen Fächern Prüfungsordnungen kaum Raum für Fehltritte lassen. Anstelle von gut ausgebildeten, frei denkenden Menschen, sind Studierende zunehmend überfordert von der Doppelbelastung Studium und Job, bekommen Depressionen oder Burn-outs. Wo ist die Freiheit, die uns unsere Eltern prophezeit hatten? Wo ist die Zeit, die uns versprochen wurde? Vielleicht ist diese Art von Studium nur eine Utopie. Doch es ist eine, die zum Denken anregt und die ein erstrebenswertes Ziel formuliert: Nämlich, dass schleunigst etwas getan werden muss, damit alle die gleiche Chance bekommen aus ihrem Studium die beste Zeit ihres Lebens zu machen.