Kommen 20 Frauen nach Berlin…

Ein Kommentar von Lea Sleiman

Wenn Ivanka Trump auf Angela Merkel trifft hat das wenig mit Feminismus zu tun (Foto: Michael Vadon / flickr.com / CCBY2.0)

… um über „Economic Empowerment“ zu sprechen. Beim W20 (eine Art G20-Gipfel mit „Frauenfragen“) kamen Frauen von definitiv nicht überall her für eine eineinhalbstündige Fragerunde zusammen. Ivanka Trump zu Besuch beim deutschen Frauenrat, dem Bundesinnenministerium und dem Unternehmerinnenverband mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ergibt nicht besonders feministisch. Sagt Merkel selbst, die ja eingeladen hat, obwohl bestimmt Frauen* unterbezahlt zum reibungslosen Ablaufs dieses Treffens beitragen mussten. Die meisten Reinigungskräfte sind schließlich weiblich.  

Die Agenda: Arbeitsmarktinklusion, digitale Zugangschancen, finanzielle Partizipation. Frauen haben in vielen Bereichen nicht gleichberechtigte Zugangschancen zum Finanzmarkt, dem Arbeitsmarkt und auch nicht zur Digitalisierung. Stattdessen sind sie dafür immer noch viel mit unbezahlter Sorgearbeit – also Haushalt, Kinder, Angehörige, Selbstsorge – beschäftigt. Eine Königin oder Milliardärstochter repräsentieren jedoch kaum den Großteil der weiblichen* Bevölkerung. An die richten sich jedoch die Projekte, von denen gesprochen wird, um solchen Missständen entgegenzuwirken. Computerkurse für Frauen* beispielsweise. Oder die Ausstattung mit Kapital zur Unternehmensgründung, auch, weil sich erwiesen habe, dass Frauen* besser wirtschaften und langfristiger planen würden.

Dass jedoch mit einzelnen Projekten nur den Teilnehmer*innen geholfen wird und die Missstände bleiben, wird nicht besprochen. Denn dann müsste man an den Kern des Problems: Nämlich wie Arbeit grundlegend sexistisch strukturiert ist. Dass es unbezahlte Arbeit und Niedriglohnjobs gibt, Unternehmerinnen*, die sich in einer Machtposition gegenüber Arbeitnehmer*innen befinden. Gesellschaftliche Mechanismen, die dafür sorgen, dass junge Mädchen weniger Anreize haben sich mit Technik auseinanderzusetzen.

In der Rezeption des Panels nimmt die Kleiderwahl der Teilnehmer*innen mehr Raum ein als die Forderung, den Gender Pay Gap zu schließen. Studien hätten ergeben, dass ökonomische Gleichstellung viele Formen von Diskriminierung aufheben kann. Beim G20-Gipfel sitzen dann aber wieder vorwiegend männliche Personen. Ziel des weiblichen Panels war es, Wirtschaftswachstum und Frauen*-Empowerment gleichzeitig zu realisieren. Dass das eine jedoch auf dem Rücken der anderen bisher stattfindet, umschreibt den Widerspruch, der gekonnt ignoriert wird.