Niemand hat die Absicht, den Feierfeierabend einzuläuten

Zappelwütige Tanzbär*innen schwungen bei tosenden Bässen ihren Pelz. (Foto: Smart Part of Art e.V.)

Alle reden von Berlin, doch der Ruhrpott hat kulturell und für Feierwütige auch einiges zu bieten. Am Wochenende öffnete das Druckluft in Oberhausen seine Pforten für das Flabbergasted Festival. Unser Redakteur Meiko Huismann war vor Ort und begab sich auf Spurensuche.

Das Ruhrgebiet ist gespickt von Vorurteilen und Klischees, mit denen wir fertig werden müssen. Aber in einem können wir uns einig sein. Wenn es ums Feiern und Spaß haben geht, macht uns keine*r was vor. So auch am Wochenende auf dem Flabbergasted Festival. Dies fand bereits zum zweiten Mal statt. Nach dem riesigen Erfolg im vergangen Jahr haben die Verantwortlichen alles daran gesetzt, den Spirit aus dem letzten Jahr wiederzubeleben. Das Wetter hielt pünktlich für dieses Wochenende all seine Versprechen. Das Druckluft in Oberhausen war genau die Location, die es braucht, um genau DAS aus dem Boden zu stampfen.

Hallo Dubstep

Alle reden von Trap und dann kommt – nichts ahnend – der Dubstep um die Ecke. Das zog sich wie ein roter Faden durch den Sonntag. Dieser Hauch der Nostalgie machte das Ganze umso tanzbarer. Dennoch kam die berechtigte Frage auf, wieso um alles in der Welt läuft hier Dubstep? Das war schnell beantwortet:Weil es Bock macht. Die schon ins musikalische Rentenalter geschickte Musikrichtung hat in Oberhausen eine ungeahnte Auferstehung erlebt.  Der Flair, den das Festival ausstrahlte, sucht im Ruhrgebiet seinesgleichen.

Schon am Eingang, wenn man in seiner einstudierten „OK, jetzt nichts anmerken lassen“-Pose auf die Türsteher*innen zugeht, merkt man, dass es kein gewöhnlicher Ort zum Feiern ist. Das Sicherheitspersonal strahlte eine Gelassenheit aus, da fiel es nicht schwer sich sofort willkommen zu fühlen.  Erst auf dem Gelände offenbarte sich das ganze Ausmaß des Festivals. Auf insgesamt acht Floors gab es von elektronischer Musik, über Punk bis hin zu Hip Hop alles mögliche auf die Ohren. Geneigten Campus-Fest-Besucher*innen sollte der Name der Botticelli Baby ein Begriff sein. Am Samstag heizten sie den Leuten auf der Outdoorbühne, mit ihrem an die goldenen Zwanziger Jahre anmutenden Sound, ordentlich ein.

Weiter ging es auf den anderen Floors mit CaterKarlos, East Indian Elephant, Earl Grau, DJ Cutoon von der Supakool Bande. Besonders hervorzuheben ist auch der Drum’n’Bass DJ Ambush Bassfalter aus Bochum, der nach langer Abstinenz wieder an die Plattenteller bewegt werden konnte,  denn Ambush versteht sein Handwerk und war der einzige, der ausschließlich mit Vinylplatten aufgelegt hat. Bis in die frühen Sonntagmorgenstunden waren die Floors gefüllt und niemand hatte die Absicht, den  Feierfeierabend einzuläuten.

Dennoch war am Sonntagmittag erst einmal genug mit der Tanzerei. Es sollte ja schließlich noch ein zweiter Tag folgen. Dem Vorabend stand er in nichts nach. Leider hatten wohl die meisten Partypeople genug vom Samstag. Schade, da sich das Lineup im Vergleich zum Vorabend nicht verstecken brauchte. Die aus dem Goethebunker bekannte DJane Desireé mischte am Sonntag ebenso mit wie Tante Dante und Flat Earth Society.

Hau ab mit Kommerz!

An jeder Ecke war die Liebe zum Detail erkennbar. Nicht nur um das auditive Wohlempfinden der Besucher*innen wurde sich gekümmert sondern auch um das leibliche. Feinste vegane Speisen bereicherten das Gesamtpaket. Selbst ein Barbier war anwesend und hat die Wünsche der Kund*innen in die haarige Tat umgesetzt. Was die Leute dort organisiert hatten, war ein Festival fernab von Kommerz und Profit. Alle helfenden Hände arbeiteten als Ehrenamtliche und daher ist es umso höher anzurechnen, was dort auf die Beine gestellt wurde. Denn worum geht es? Eine schöne Zeit zu verbringen und Spaß zu haben.

Das Druckluft gab hinsichtlich der feierwütigen Meute einiges an Platz her. Leider haben das Angebot nicht alle Besucher*innen in Anspruch nehmen können oder wollen. Denn im unmittelbaren Eingangsbereich befand sich die Technobühne. Der Großteil der Leute hat den hinteren Teil des Festivals schlichtweg nicht wahrgenommen. Das hatte zur Folge, dass es sich vorne staute und man das Gefühl bekam, als würde die Halle aus allen Nähten platzen. Und genau das hätte man im Vorfeld durchaus erwarten können, hat doch das Studierendenparlament der UDE einen Antrag bewilligt und das Flabbergasted mit insgesamt 3.500 Euro unterstützt. Tatsächlich verirrten sich nur wenige Studierende auf das Festival. Und bei 15 Euro pro Tageskarte handelt es sich um keinen konformen Eintrittspreis. Alles in allem war es dennoch ein gelungenes Festival, das hoffentlich im nächsten Jahr in seine dritte Runde startet. Denn Flabbergasted und das Druckluft passen wunderbar zusammen, auch mit einer gehörigen Portion Dubstep.