Praxissemester: Zu viel Arbeit, keine Kohle

Das Praxissemester stellt Lehramtsstudierende
vor große Herausforderungen. (Foto: caro)

Die Kritik am Praxissemester für Lehramtsstudierende im Master hält an. Keine Entlohnung, oft weite Fahrtwege und zu viele parallele, universitäre Verpflichtungen. Der Abschlussbericht der landesweiten Arbeitsgruppe (AG) zur Evaluation des Praxissemesters bestätigt, dass Verbesserungen dringend von Nöten sind.

„Vor Antritt des Praxissemesters war ich auch für eine Vergütung, da ich davon ausging, dass meine Tätigkeiten im Praxissemester ungefähr den Tätigkeiten eines Referendars entsprechen – also dass man selbstständig viel unterrichtet“, erläutert Lehramtsstudentin Hannah*. Der Unterschied zwischen Praxissemester und Referendariat sei aber, dass bei ersterem „die Reflexion der Theorie in der schulischen Praxis“ im Mittelpunkt stehe. Trotzdem begrüßten viele Schulen, wenn Studierende mehr eigenständigen Unterricht geben würden als vorgesehen. Von studentischer Seite werde dies ebenfalls positiv angenommen, „da sie im selbstständigen Unterrichten mehr Sinn sehen als im Hospitieren“, so Hannah weiter.

Nichtsdestotrotz müssten viele Studierende ihre bisherigen Nebenjobs aufgeben und stünden vor finanziellen Schwierigkeiten. Laut Auswertung der landesweiten Evaluation des Praxissemesters (Stand 12/2016) gaben von 810 Studierenden 70 Prozent an, nebenbei erwerbstätig zu sein. Davon wiederum arbeiteten 46 Prozent zwischen einer und acht Stunden, 47 Prozent zwischen neun und 16 Stunden pro Woche. 25 Prozent gaben an, dass sie einen ihrer Nebenjobs aufgeben mussten.

In einer Petition, die sich aktuell im Landtag NRW in der Prüfung befindet, forderten Studierende, das Praxissemester zu vergüten (akduell berichtete). In der Petition wird dem Land NRW vorgeworfen, auf Kosten der Studierenden zu sparen: Während früher kein Praxissemester im Studium integriert war und das Referendariat zwei Jahre dauerte, wurde seit Einführung der unbezahlten halbjährigen Praxisphase der Vorbereitungsdienst um ein halbes Jahr gekürzt. Die Anzahl der Unterrichtsbesuche im Vorbereitungsdienst reduzierte sich hingegen nicht. Im Abschlussbericht der landesweiten AG zur Evaluation des Praxissemester heißt es zwar, „das Praxissemester [ist] keine vorgezogene Phase des Vorbereitungsdienstes“, eine Kürzung dessen legt aber genau das nahe.

Gute Idee, verbesserungswürdige Umsetzung

Generell sieht Hannah durchaus Vorteile im Praxissemester – etwa „dass man sich gut in die Schule einbringen kann, die Klassen kennen lernt, die Abläufe besser mitbekommt und eigene Unterrichtserfahrung sammeln kann“. Zusätzlich biete sich die Chance, „seinen eigenen Lehrertyp [zu] finden“. Auch wenn nicht auf sie selbst zutreffend, seien aber neben der finanziellen Lage vor allem die „hohe Belastung, viel Organisationsarbeit, um verschiedene Veranstaltungen unter einen Hut zu bekommen und die drei bis vier Forschungsprojekte“ eine große Herausforderung vieler Studierender. Denn neben vier Tagen pro Woche in der Schule, müssen mehrere Portfolios zur Dokumentation geführt, Begleitseminare belegt und Forschungsprojekte in den einzelnen Fächern absolviert werden. Letztere zielen darauf, „unterrichtliche Praxis theoriegeleitet zu reflektieren“, erklärt die Studentin. Und weiter: „Die Forschungsskizzen werden meist vor dem Praxissemester formuliert und sollen während der Praxisphase durchgeführt werden. Danach sollen diese in Form von Seminararbeiten oder Präsentationen ausgearbeitet werden.“

Diese Erfahrungen spiegeln sich auch in den Erkenntnissen der Arbeitsgruppe aus der Evaluation wider. Die als Verbindung zwischen Theorie und Praxis gedachten Studien- beziehungsweise Forschungsprojekte würden seitens der Studierenden „zum Teil nicht als wichtiger Bestandteil des Praxissemesters gesehen“ und damit eines der „zentralen Ziele […] bisher nur zum Teil eingelöst“. Ebenso würde über eine hohe Belastung geklagt, während „Inhalte der Vorbereitungs- und Begleitveranstaltungen der Hochschule in Teilen untereinander sowie im Hinblick auf Veranstaltungen des ZfsL (Anm. d. Red.: Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung) als redundant wahrgenommen“.

In einer Zusatzvereinbarung zur Rahmenkonzeption wurde deshalb vermerkt, dass es „Optimierungsmöglichkeiten […] insbesondere beim zeitlichen Umfang von Unterricht unter Begleitung, der Anzahl der durchzuführenden Studienprojekte und der Abstimmung zwischen den beteiligten Institutionen“ gebe.
Es habe bereits Verbesserungen am Praxismodell gegeben – der Umfang der Forschungsprojekte sei reduziert worden, stellt Hannah fest. „Man merkt schon, dass es Bestrebungen gibt, das Praxissemester […] zu verbessern“, so die Studentin, „Das ist aber schwierig, weil das Praxissemester auch Credit Points gibt und die in Form von Prüfungen – unter anderem Forschungsprojekte – erworben werden müssen“. Für die Zukunft wünsche sie sich, dass die Durchführung verstärkt beim ZfsL liege; dies arbeite „praxisnah“ und liefere „Experten in der Verknüpfung von Theorie und Praxis“.

* Name der Redaktion bekannt