Studi-Werk: Die Suche nach Verantwortung

Hausalarm im Studi-Wohnheim in der Eckenbergstraße führt zu neuen Spannungen. (Foto: caro)

Bereits in der Nacht zum 11. Mai wurde im Studierendenwohnheim in der Eckenbergstraße in Essen-Kray der Hausalarm ausgelöst. Es folgte: Chaos. Der AStA, Studierende und das Studierendenwerk Essen-Duisburg sind sich seitdem uneins über die Zuständigkeiten und die Verantwortung der einzelnen Parteien.

Gegen 23:30 Uhr ertönte der Hausalarm, der laut Studierendenwerk mutwillig von einer Person, die nicht Mieter*in im Wohnheim sei, ausgelöst wurde. Anscheinend wurde der Alarm von mehreren Mieter*innen als Feueralarm wahrgenommen. Laut Facebook-Post des AStA gingen diese davon aus, dass die Feuerwehr automatisch über den Alarm informiert wurde, so wie es auch an der Universität der Fall ist.

Erst nach Eigeninitiative konnten zunächst Feuerwehr und später der Sicherheitsdienst gerufen werden. Letzterer konnte gegen 2:30 in der Nacht den Alarm ausschalten. Der AStA wirft dem Studierendenwerk „komplette[s] Versagen des Krisenmanagements“ und ein „ungeeignetes Brandschutzkonzept“ vor. Sie fragen, warum selbst die Tutor*innen der Wohnheime nicht über entsprechende Notfallkontakte verfügten.

Fluchttüren nach innen

Das Studierendenwerk wirft in ihrer Stellungnahme vom 15. Mai den Bewohner*innen vor, dass „teils Unsicherheit, teils Unwissen und fehlende Eigeninitiative“ dazu geführt hätten, dass die Feuerwehr nicht umgehend gerufen wurde. Christian Weidkamp, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des AStAs, macht jedoch deutlich: „Entgegen dem Eindruck, den das Studierendenwerk zu erwecken versucht, war fehlendes Wissen bei den Bewohnern nicht das einzige, was schief gelaufen ist.“ Auch in der Vergangenheit sei die Feuerwehr „ohne das Zutun der Bewohner gerufen worden.“ Dass diesmal Eigeninitiative gefordert war, hätten diese daher nicht wissen können. Der Wohnheimtutor Till schildert, dass das Verlassen des Gebäudes erst zögerlich begann und bestätigt, nicht alle hätten gewusst, „wie sie sich zu verhalten haben“. Da er „keinen unnötigen Notruf absetzen“ wollte, habe er selbst erst nach 15 Minuten die Feuerwehr benachrichtigt. Das Krisenmanagement falle aber nicht in sein Aufgabenfeld. Da niemand einen Brand gesehen habe, könne er verstehen, dass diese zuvor noch nicht gerufen wurde. Allerdings sei ihm nicht klar, „dass der Hausalarm nicht als solcher verstanden wurde“. Das Studierendenwerk aber bleibt bei seinem Generalverdacht gegenüber den Studierenden. Johanne Peito vom Studierendenwerk argumentiert, nur Till habe die Feuerwehr verständigt und nur er habe daher gewusst, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.

Der Pressesprecher der Feuerwehr, Mike Filzen, erklärt, dass es sich bei dem Objekt in der Eckenbergstraße nicht mehr um ein Studierendenwohnheim handele: „Das Haus ist seit Ende 2013 durch genehmigte Umbaumaßnahmen […] ein Wohngebäude für studentisches Wohnen.“ Aufgrund dieser „Klassifizierung“ sei es erlaubt, dass sich Fluchttüren nach innen öffnen. Peito versichert ebenso, die Haustüren entsprechen „den genehmigten Brandschutzplänen“. Weiter bestätigt Filzen, die Hausalarmanlage habe keine „Übertragungsleitung zur Feuerwehr[;] Sie kann aber zum Beispiel auf einen privaten Sicherheitsdienst aufgeschaltet werden.“ Der Betreiber der Anlage sei verantwortlich, die Feuerwehr zu verständigen. Das dürfe „aber erst dann erfolgen, wenn die Ursache der Auslösung der Hausalarmanlage kontrolliert wurde“, so Filzen, da der Einsatz sonst kostenpflichtig wäre.

Wenig Greifbares beim Studiwerk

Eine Anrufweiterschaltung zu einem zentralen Notdienst ist in der Eckenbergstraße vorgesehen. „Diese Anrufweiterschaltung hat an dem entsprechenden Tag leider nicht funktioniert. Das bedauern wir sehr und dafür möchten wir uns entschuldigen,“ so Peito. Als Grund für den Defekt wird Vandalismus angegeben. Warum dieser das System außer Gefecht setzen konnte, statt grundsätzlich mit einkalkuliert zu sein, erläutert Peito nicht weiter.
Bei Einzug erhalte jede*r Bewohner*in die Notdienstregelung, der zu entnehmen sei, was in welchem Fall zu tun ist. Entgegen der Aussage Peitos, wird hier allerdings nicht der Hausalarm aufgeführt. Man wolle die Notdienstregelung „einer kritischen Überprüfung“ unterziehen und die Mieter*innen in Zukunft besser aufklären. Weidkamp sieht hierin den ersten Schritt in die richtige Richtung, findet aber auch, „das Studierendenwerk sollte dringend ermitteln, wie es zu dem technischen Defekt kam und wie sich so etwas in Zukunft verhindern lässt. Den Willen dazu hat es […] leider nicht deutlich gemacht.“ Die Stellungnahme und die Äußerungen Peitos lesen sich vor allem als Anklage gegen die Bewohner*innen.