Zwischen Duisburg und Dortmund

Regisseur Alexander Waldhelm (links) und Kameramann Stephan Glagla vor der Oberhausener Lichtburg. (Foto: dav)

Fast zwei Stunden portraitiert Pottkinder – ein Heimatfilm, das Regiedebüt von Alexander Waldhelm, die fiktive Familie Klüsen aus dem Ruhrpott. Genauer: Aus Oberhausen. Ein Film, der sich in weiten Teilen als Komödie ansehen lässt, jedoch mit seiner Ruhrpottschnauze auch immer wieder ernste Themen anspricht. Nach der Premiere Anfang Mai wurde der Film am Sonntag, 28. Mai, in Anwesenheit des Regisseurs und des Kameramanns Stephan Glagla in der Oberhausener Lichtburg vorgeführt.

Die Familie Klüsen – das sind Jörg, Inge und Sohn Michael. Eine Familie, deren Alltag sich erst einmal nicht sonderlich spektakulär anhört: Jörg arbeitet in der Verwaltung einer Firma für Schreibwaren, Michael ist kurz vor dem Abschluss seines Sportmarketing-Studiums und Inge ist Hausfrau. Pottkinder begleitet jede*n der drei Progatonist*innen durch ihren Alltag. Ein Alltag, der klischeehaft für das Ruhrgebiet ist. An der Trinkhalle um die Ecke wird kurz über Fußball gequatscht, beim Kegeln gegen die Arbeitskollegen angetreten und beim Saubermachen des Vorgartens kommt die Nachbarin zum Tratschen vorbei.

Das Gegengewicht zur Lockerheit und Direktheit des Ruhrpotts in vielen kleinen Szenen bildet dabei die Geschichte von Inge, die an Depressionen leidet. Der Umgang mit der Krankheit, die Therapie und das Eingeständnisses des Problems bildet die Rahmenhandlung und zieht sich durch den Film. Auch wenn ganz zum Schluss Jörg ebenfalls vor einer großen Aufgabe steht, die er bewältigen muss. Eine Prüfung, die für jede*n Nicht-Karnevalist*in blanker Horror ist.

Zahlreiche Gastauftritte

Neben klassischen Elementen des Ruhrpottalltags treten im Film auch zahlreiche Ruhrgebietsklassiker selbst auf. Die Kabarettisten Hennes Bender, Thorsten Sträter, Winfried Schmickler und Fußballtrainer Peter Neururer sind nur eine kleine Auswahl an Prominenz, die in Gastrollen zu sehen ist. Allesamt treten in Form eines ständig neuen Empfangsmitarbeiters in Jörgs Firma auf. Im Gegensatz zu ihnen hatte der Rest der Filmcrew und Besetzung wenig Kameraerfahrung. So kommt bei Laienschauspieler Gerd Fleuren, der Jörg Klüsen verkörpert, mancher Satz noch etwas gestelzt daher, was aber den positiven Eindruck des Films nicht trübt.

Vor allem in den Details zeigt der Film seine Stärken und lässt die Zuschauer*innen schmunzeln. Da sind beispielsweise die eingespielten Nachrichten, die im Hintergrund zu hören sind während Vater und Sohn sich auf dem Sofa unterhalten. Sie erzählen von Beileidsbekundungen seitens der USA an Japan aufgrund der Zerstörung der Städte durch ein riesiges Monster aus dem Meer oder eine Bundespräsidenten-Kandidatur von RTL 2-Gesicht Robert Geiss ankündigen.

Regisseur Alexander Waldhelm ist in Oberhausen geboren. Einen Film über das Ruhrgebiet plante er schon länger – eigentlich als Autor für ein Drehbuch. Bei einem Treffen mit Freund und Kameramann Stephan Glagla entstand dann die Idee, den Film auch tatsächlich selbst umzusetzen. „Dadurch, dass ich zehn Jahre im Lokaljournalismus gearbeitet habe, wusste ich immer für alle Szenen, die ich im Kopf hatte, wen ich fragen kann, um dort zu drehen“, erklärt Waldhelm im Gespräch vor dem Film. Nicht nur die Drehorte, auch die Filmmusik kommt aus dem Pott. Mit dabei ist unter anderem der Duisburger Zepp Oberpichler oder die aus Essen stammende Band Golf.

Finanziert wurde das Projekt teilweise durch Crowdfunding. Für den Betrag von 9 Euro wurde der eigene Name mit in den Abspann geschrieben – dementsprechend lang laufen die weißen Namen auf schwarzem Hintergrund den Bildschirm entlang. Nachdem der letzte Name durchgelaufen ist, fängt das Publikum in der Oberhausener Lichtburg an zu klatschen. „Toller Film“, sagen viele Zuschauer*innen in ihren Gesprächen über den Film.

Pottkinder – ein Heimatfilm hinterlässt einen sehr guten Eindruck, auch wenn manches Ruhrpott-Klischee vielleicht etwas abgedroschen wirkt. Der Film läuft noch in diversen Kleinkunstkinos im Ruhrgebiet, beispielsweise am Mittwoch, 31. Mai, im Essener Filmstudio. Gegen Ende September erscheint er voraussichtlich auf DVD.