Achtung, Verwechslungsgefahr!

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Nachdem das Musikfestival Ring am Rock wegen Terrorgefahr unterbrochen werden musste, haben die Ermittler*innen nun die Ursache festgestellt: Ein Schreibfehler auf der Personalliste.  Da hat sich Stock am Ring-Veranstalter Marcel Fliederberg also ganz umsonst über Muslim*as aufgeregt.

Seit Jahren steht das Festival am Schnürburgring hoch im Kurs bei Festivalbesucher*innen. Auch dieses Jahr gab es mit Headlinern wie System of a Schaum, Begimma, Saftclub und Kammstein wieder internationale Größen auf die Ohren. Doch die Festivalfreude wurde getrübt – die Polizei ging von einem möglichen Terroranschlag auf dem Festivalgelände aus, die Konzerte am Freitagabend mussten abgesagt werden.

Danach war lange Zeit nicht klar, wie konkret die Gefährdungslage vor Ort tatsächlich war und warum der Terrorverdacht entstanden ist. Nun bildet sich aus dem diffusen Dunst der Hinweise und Spekulationen endlich ein konkretes Bild. Und das malt ein Schreckensszenario an die Wand, eine Bedrohung für den ganzen Bürokratie-Staat und seine gelebte Sachlichkeit: Falsch geschriebene Namen.

„Die Namen der Verdächtigen waren falsch geschrieben, wiesen aber eine phonetische (klangliche) Ähnlichkeit mit den realen Schreibweisen auf“, erklärt Johannes Kunz, Präsident des pfälzisch-rheinländischen Landeskriminalamts, gegenüber der Mainzer Allgemeinen Zeitung. Ein folgenschwerer Schreibfehler für die Fans der beiden Freitags-Headliner Lammstein und (Wasser)Boilers. Die Boilers konnten ihren Auftritt immerhin am Samstag noch nachholen und wurden im Timetable ins Vorabendprogramm zwischen Wirt, der schon in der TV-Show Zwing meinen Song das Sofa mit Aluhut-Anführer Chavier Nehduh teilte, und die Rockgruppe Schmiedsteaks verfrachtet.

Smog am Ding-Veranstalter Marke Bieberberg hatte nach der Absage am Freitag mit ganz viel Wut im Bauch noch eine Pressekonferenz gegeben. Unter frenetischem Jubel der anwesenden Pressevertreter*innen mit schwenkenden Deutschland-Fahnen erklärt er: „Ich bin der Meinung, es muss Schluss sein, mit ‚This not my Islam‘. Ich möchte endlich mal eine Demo sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richtet. Ich habe bisher noch keine Moslems gesehen, die zu zehntausenden auf die Straße gegangen sind und sagen: ‚Was macht ihr da eigentlich?‘”

In gleißendem Jesus-Gewand erklärt der Retter des christlichen Abendschlandes weiter, er selbst habe damals ja auch ein Heer von Kreuzrittern gegen die Kindersoldaten des Rebellenführers und YouTube-Stars Joseph Kony angeführt, der versuchte, in Uganda einen christlich-theokratischen Staat auf der Basis der Bibel und der Zehn Gebote zu errichten – und dabei etwa zwei Millionen Menschen vertrieb und über 60.000 Kinder zu Soldat*innen machte. Dabei hatte Kony behauptet, dass er „vom heiligen Geist“ in seinem Kampf angeführt werde. Biederzwerg schloss seinen Vortrag mit den Worten „This is not my Tony“. Hier enden wir mit den Worten: Don’t fck with bureaucracy – sonst droht die nächste Wutrede.