Eine Runde Mitleid für Watzke

Die Freude über den DFB-Pokal hielt nicht lang im Trainerstab des BVB. (Foto: https://www.flickr.com/photos/30478819@N08/, CC BY 2.0: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Ein Kommentar von Sarah Dannehl

Mit verschränkten Armen und düsterem Gesichtsausdruck standen BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Präsident Reinhard Rauball nach dem DFB-Pokalsieg der Borussia auf dem Rasen und zeigten der Öffentlichkeit schlechte Miene zu gutem Spiel. War das die Ratlosigkeit, wie man trotz Titel die Trainerentlassung begründen soll?

Kurz danach schrieb Watzke, dass es bei Führungsverantwortung vor allem um Vertrauen gehe – mit Tuchel nicht möglich. Mit Watzke aber auch nicht. Der behauptet seit Jahren das eine und macht doch das an- dere, was in den Medien längst spekuliert wurde. Zuletzt der Fall beim Verkauf von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan. Damit nervt er nicht nur die eigenen Fans.

Warum trennte man sich nicht schon 2016, als der BVB ohne Titel da stand? Gegenüber dem Spiegel holt Watzke erneut aus; denn Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen, hat schon immer gut funktioniert. Er versucht sich als Opfer des Disputs zu inszenieren. Sogar über einen Rücktritt hätte er nachgedacht – habt Mitleid. Tuchels Verhalten nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus im April: Bloße Taktik, um die Spieler auf seine Seite und gegen die BVB-Spitze zu ziehen. Man habe Watzke als „seelenlosen Technokraten“ abgestempelt. Genau das beweist er aber mit seinem Nachtreten und wirkt wenig professionell.

Damit kennt er sich aus – die kindischen Wortgefechte mit Rummenigge lassen grüßen. Der Anschlag auf den Mannschaftsbus im April bleibt zentraler Streitpunkt: Entgegen der Behauptungen der Vereinsführung habe Reus im Namen des Teams um eine Verlegung des Spiels gebeten. Die Vaterrolle, die sich Watzke gerne zuschreibt, sucht man hier vergeblich.

Stattdessen sollte er sich besser in Selbstreflektion üben, die Fehler nicht allein bei Tuchel suchen. Zu einem guten Vertrauensverhältnis gehören immer noch zwei. Die BVB-Fans halten trotzdem zum Trainer und bejubeln ihn mit lauten Gesängen auf der DFB-Pokal-Siegesfeier, während Watzke einen einseitigen Rosenkrieg startet. Den moralischen Sieg trägt Tuchel davon. Vielleicht plagt Watzke letztlich auch einfach immer noch der Kummer über den Verlust seines besten Kumpels: Denn mit Jürgen Klopp war alles besser. Oder?