Law and Order statt Beitrag für die Gesellschaft

Schwarzlicht im Parkhaus: Eine erste Maßnahme gegen Drogenkonsum auf dem Campus (Foto: mehu).

Ein Kommentar von Maren Wenzel

Für die Ausgabe 174 der akduell recherchierte Redakteur Meiko Huismann zur harten Hand der Universität gegen Drogenkonsumierende auf dem Campus Essen. In einem Rundschreiben an die Mitarbeitenden wurden Maßnahmen vorgestellt, wie man mit der „unerlaubten Nutzung“ des Geländes umgehen wolle. Und die sind unter anderem: rund um die Uhr Wachpersonal, Zugangskontrollen an den Eingängen, Polizeistreifen auf dem Campus. Empathie mit den Betroffenen gleich Null.

„Aufgrund der Lage des Campus Essen in der Nähe der Drogenumschlagplätze Rheinischer Platz und Berliner Platz bekommen wir die Auswirkungen eines gesellschaftspolitischen Problems direkt zu spüren“, schrieb UDE-Kanzler Rainer Ambrosy an die Mitarbeitenden. Die Universität ist also kein abgeschlossener Kosmos, an der gesellschaftliche Einflüsse an einem unsichtbaren Schutzschild abprallen? Das geht anscheinend gar nicht. Tenor: Gesellschaft ja, aber nur, wenn sie gerade keine Probleme” macht.

Es ist verständlich, dass eine Universität ihre Mitarbeitenden im Sinne des Arbeitsschutzes schützen muss. Eine Infektion durch Verletzung an einer Spritze wäre bedauerlich, Angriffe durch aggressive Menschen ebenso. Aber ist harte Verdrängung die Lösung? Denn genau das sollen die Maßnahmen – die ohne belastbare Zahlen der tatsächlichen Nutzung der Uni als Konsumort angeordnet wurden – erreichen. Wäre die Universität ehrlich, würde sie sagen: „Wir bauen jetzt Zäune, Schranken, Schwarzlicht ein. Und zeigen, dass ihr Junkies hier nicht willkommen seid. Geht woanders fixen. Und wenn sich da eine*r an euren Nadeln verletzt, ist das nicht mehr unser Problem.“

Die einzige Anweisung im Sinne der Konsumierenden ist der Ruf eines Rettungsdienstes für verletzte Personen. Alles andere wäre aber auch schlicht rechtswidrig, wegen unterlassener Hilfeleistung. Ansonsten sollen die Mitarbeitenden bloß Abstand halten. Aber, aber! Man arbeite ja auch mit der Suchthilfe Direkt GmbH von der Stadt zusammen, die im Umfeld Spritzen einsammelt, so die Uni. Hier ein Tipp an die Uni: Die können tatsächlich mehr als nur Besteck einsammeln. Etwa im Drogenkonsumraum, wo Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr und am Wochenende wie an Feiertagen von 11.15 bis 18 Uhr in hygienischen Bedingungen unter medizinischer Aufsicht gespritzt, genommen und geraucht werden kann. Da werden Leben gerettet. Doch werden Konsumierende an der Uni darüber informiert?

Das Rundschreiben des Kanzlers macht fassungslos. Statt verantwortungsvoll mit dem „gesellschaftspolitische[n] Problem“ umzugehen – etwa durch soziale Straßenarbeit, den Hinweis auf sichere Konsumräume und Hilfsangebote sowie sichere Entsorgungsmöglichkeiten für Besteck – setzt man auf Law and Order-Maßnahmen. Und das an einer Hochschule, an der man Soziale Arbeit studieren kann. Aber statt mit dem Studiengang zu kooperieren, holt sich die UDE lieber die Polizei auf den Campus.