MSV: Rechte Hools greifen Kohorte an

Die Ultras von der Kohorte sorgen für Stimmung im Stadion, sind aber auch Ziel von Neonazis und Hooligans. (Foto: https://www.flickr.com/photos/bomann/34656657561 //https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/)

Der MSV Duisburg hat eine überragende Saison hinter sich. Der Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga gelang als Tabellenführer, der Auswärtssieg im Niederrheinpokalfinale bei Rot-Weiß Essen machte das Double perfekt. Das letzte Saisonspiel stand daher auch im Zeichen der Fankurven: Pyrotechnik und Choreographien sorgten beim Spiel für Aufsehen. Recherchen der akduell zeigen nun, dass es auch unschöne Szenen im MSV-Block gab: Rechte Hooligans griffen die antirassistische Ultragruppe Kohorte an.

„[…] Vor dem Spiel gegen #RWE gab es im #MSV-Block eine Auseinandersetzung unter den Duisburger Fans“, schrieb die RevierSport 25 Minuten nach Anpfiff des Niederrheinpokalfinals in den Sozialen Netzwerken. Was sich dort zugetragen hatte, blieb zunächst verborgen. Ein Blick in die jüngere Geschichte der deutschen Fanszenen verrät: Auch Duisburg blieb nicht von den bundesweiten Kämpfen um die Deutungshoheit in den Fankurven verschont. Dort hatte vor allem die rechte Hooligan-Gruppe Division Duisburg versucht, innerhalb der ultradominierten Fanszene an Einfluss zu gewinnen.

Eine rassistische Kampfsport-Truppe

Die Folge: Zahlreiche Attacken auf antirassistische MSV-Ultras der Kohorte, so auch am 11. Januar 2015, als Mitglieder der Division, weitere rechte Hooligans und der neonazistische Nationale Widerstand Duisburg eine Party der Kohorte überfallen hatten. Geistesgegenwärtig filmte die Gruppe den Überfall, bei dem die Neonazis und Hooligans sie mit Stühlen und Pfefferspray attackiert hatten. Kurz nachdem die Ultras den Übergriff öffentlich machten, löste sich die Division, nach eigenen Angaben wegen des anschließenden medialen Echos, auf.

Damit verschwanden die Mitglieder der rechten Hooligan-Gruppe zwar nicht aus dem Stadion, dennoch kehrte bis vor kurzem vorläufig Ruhe in die Fanszene ein. Politische Botschaften, beispielsweise zu bürgerrechtlichen Themen wie dem Alkoholverbot in der Duisburger Innenstadt, hatten keine körperlichen Angriffe mehr zur Folge. Auch die Aktionen des eingetragenen Vereins Zebras stehen auf, der sich gegen Diskriminierung im Stadion engagiert und eng mit dem MSV Duisburg zusammenarbeitet, trafen auf breitere Zustimmung in der Fangemeinde.

Das, was sich jedoch am Donnerstag, 25. Mai 2017, beim Niederrhein-Pokalfinale zutrug, lässt aufhorchen: Zunächst haben Teile der ehemaligen Division Duisburg offenbar den Vatertag als Anlass genutzt, um sich weit vor dem Spiel miteinander zu treffen und auf das Pokalfinale vorzubereiten. Screenshots, die der akduell vorliegen, zeigen eine Art Kampfsport-Männerbund und darunter unter anderem die Ankündigung: „Knallt Essen weg Jungs“. Gegenüber der akduell schildert der Verein Zebras stehen auf, dass etwa zehn Personen aus besagten Spektrum, „die unschwer der früheren Division Duisburg zuzuordnen waren“, im Block mehrfach „das rassistische ‚Lied‘ Zick-Zack-Zigeunerpack“ angestimmt haben.

Keine Toleranz für Diskriminierung

Provokativ seien diese direkt neben die Kohorte gerückt, um den Sprechchor erneut von sich zu geben und anschließend „geschlossen […] zum Angriff über[zugehen]“, schildert Zebras stehen auf die Attacke. Dabei scheint es jedoch nicht um eine plötzliche Rückkehr der aufgelösten Gruppe zu handeln, vielmehr sammelt diese sich nun unter dem bereits länger existierenden Slogan „47 Crime“, über den auch „Merchandise vertrieben […] und das Umfeld [der Division] gebündelt wurde“, wie aus internen Kreisen der Fanszene hervorgeht.

Auch der MSV Duisburg sieht hier eine bedrohliche Lage für Fanszene und Verein, wie Pressesprecher Martin Haltermann der akduell mitteilte. Für den Verein sei jedoch wichtig, dass etwas „handfestes“ gebraucht werde, um zu handeln. Zurzeit würden „keine Anzeige [und] keinerlei Aussagen“ vorliegen. Zu betonen, sagte Haltermann, sei auch, dass man prinzipiell „als MSV Wert auf Themen wie Integration und Anti-Rassismus“ lege und „das auch immer wieder deutlich“ mache – zum Beispiel mit gemeinsamen Aktionen in Kooperation mit dem Fanprojekt. Auch mit der betroffenen Gruppe Kohorte stehe man über die Fanbetreuung in „intensivem Kontakt“, um den Sachverhalt aufzuklären. Haltermann gab an, dass es außerdem wichtig sei, „Tendenzen [zu] beobachten“, dazu seien auch „alle Fans […] aufgerufen.“

Dass es auch in Zukunft mit der Antidiskriminierungsarbeit und der gesellschaftlichen Verantwortung weiter geht, zeigt der Verein Zebras stehen auf: Am Samstag, 1. Juli 2017, veranstalten sie gemeinsam mit dem Fanprojekt zum dritten Mal das Refugees Welcome-Turnier auf dem Gelände des Ruhrorter Turnvereins 1860 e.V., um „MSV-Fans und Neu-Duisburger zusammen [zu bringen].“