Wenn ein AStA auf Sparkurs geht

Das wird teuer: Die Studierendenschaft muss 177.000 Euro zahlen. (Foto: Magnus Bartels)

Ein Kommentar von Maren Wenzel

Der Finanzreferent an der Ruhr-Universität in Bochum (RUB) betont menschliche Fehler und bittet, sich in dieser Situation „keine gegenseitigen Schuldfragen zuzuwerfen”. Ein Minus von 177.000 Euro ist aber auch kein Pappenstiel und die Verantwortlichen immer noch in hochschulpolitischen Listen aktiv.
Auf den Stühlen im AStA sitzen keine Finanzprofis sondern Studierende, die für eine Aufwandsentschädigung eine Interessenvertretung für ihre Kommiliton*innen schmeißen. Klar, Fehler passieren. Aber gerade finanzielle Irrtümer verschaffen den Stimmen Auftrieb, die studentische Selbstverwaltungen wegen Dilletantismus schließen wollen.

Wenn solche Fehler bei einem Vertrag wie dem mit dem Fahrradverleih Nextbike gemacht werden, dann ist das noch ärgerlicher. Das Angebot der Ausleihräder lässt sich der RUB-AStA – wie auch der AStA der UDE – einiges kosten. 120.000 Euro, also zehn Prozent des Haushaltes, damit die Studierenden die ersten 60 Minuten kostenlos auf den Metropolrädern fahren können. Jetzt zeigt sich, dass das nicht nur ziemlich viel Geld ist, das auch in andere Projekte fließen könnte, sondern, dass solche großen Verträge bei Unstimmigkeiten die komplette studentische Selbstverwaltung betreffen.

Zwar betont der AStA, dass alle Mitarbeitenden, jede Initiative, jedes Autonome Referat, jede*r Referent*in und jede Fachschaft so viel Geld bekommen, wie sie benötigten. Aber es sollen auch Ausgaben überprüft werden – was im Ernstfall heißen könnte, dass Veranstaltungen wegen der Finanzlöcher nicht stattfinden könnten.

Nicht alle Kosten konnte der AStA der RUB vorhersehen. Ein vorgezogener öffentlicher Rechenschaftsbericht des Finanzreferenten mit dem Hinweis auf weitere Transparenz ist der richtige Weg. Aber damit, dass der Finanzreferent sagt, er spreche sich „klar dagegen aus, die Situation für politische Interessen verschiedener Seiten zu instrumentalisieren”, macht er es sich zu einfach. Die AStA-tragenden Listen und die Listen im Studierendenparlament, die den Haushalt beschlossen hatten, werden sich Fragen gefallen lassen müssen. Wer als Hochschulliste Fehler macht, die auch zu Beitragserhöhungen führen, der kann eben auch abgewählt werden. Wie nachhaltig der entstandene Schaden ist? Das werden die kommenden Monate zeigen.