Funkstille bei Campus FM

Wird seit März 2016 in vielen Essener WG Küchenradios vermisst: Das Programm von Campus FM. (Grafik: mehu)

Die Sanierung des Gebäudes R12 am Essener Campus ist in vollem Gange. Viele Fachbereiche mussten ab März 2016 in die Weststadttürme am Berliner Platz umziehen. So auch Campus FM, das offizielle Hochschulradio der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Folkwang Universität der Künste. Eine Sendeantenne musste im Zuge des Umzugs vom Dach verschwinden und der UKW-Betrieb vorübergehend eingestellt werden, bis ein neuer Standort für sie gefunden ist. Bis heute sendet das Radio in Essen nicht, zum Leidwesen der ehrenamtlichen Redakteur*innen und Hörer*innen.

Wenn im Wald ein Baum umfällt und es niemand hört, gibt es dann ein Geräusch? Eine philosophische Frage. So oder ähnlich dürften sich seit über einem Jahr die Redakteur*innen von Campus FM vorkommen. Denn die Frequenz 105,6 MHz ist seit dem Umzug zum Berliner Platz tot. Gesendet wird seitdem nur noch in Duisburg auf 104,5 MHz und im Online-Stream. Ein Link in der offiziellen UDE-App führt auch Campus FM, wenn er denn funktionieren würde. Kurz nach dem Umzug sei die Suche nach einem neuen Standort für die Antenne mit Schwung angeschoben worden, bestätigt Klaus Solbach vom Fachgebiet Hochfrequenztechnik an der UDE, der die Antennen betreut und Ansprechpartner für die Redakteur*innen des Hochschulradios ist. Solbach schildert das damalige Vorgehen zur Sanierung des Gebäudes R12 so: „Wir haben unsere Geräte aus dem darunterliegenden Raum entfernt und in Sicherheit gebracht. Daraufhin haben wir das Baudezernat der Uni gebeten, einen geeigneten Platz für die Antenne zu finden.“ So wurde zum Beispiel das Dach vom T03-Gebäude besichtigt, wo unter anderem das Rektorat beheimatet ist. Der Plan sei gewesen, dass Fachleute die Kosten schätzen und eine Kommission Aufträge erteilen sollte. Das sei nicht geschehen, sagt Solbach und fügt hinzu, dass sich das Baudezernat heute nicht mehr daran erinnern könne, dass das so vereinbart worden wäre.

Mit der Antenne alleine ist es nicht getan. Am vorherigen Standort im Gebäude R12 wurde eine teure Glasfaserleitung vom Studio direkt zur Antenne verlegt, damit das Signal aus dem Studio schnell und in bester Qualität gesendet werden kann. Eine Antenne auf dem Dach der Weststadttürme kommt nicht in Frage, da die UDE das Gebäude nur gemietet hat und daher bauliche Veränderungen nicht genehmigt werden können. Ein weiteres Problem ist die Technik, denn das Dach ist komplett mit Metall verkleidet. Das bedeutet, dass die Antenne in einer gewissen Höhe angebracht werden müsste, damit es zu keinen Störungen in der Übertragung kommt. Solbach glaubt, dass es der Universität schlicht zu teuer ist und ein neuer Standort unerwünscht sei, andererseits räumt er selbstkritisch ein „da nicht hinterher gewesen zu sein.“ Bis Redaktionsschluss war Ute Nieskens, Architektin der UDE, die damals mit in die Planungen und Besichtigungen involviert war, nicht zu erreichen.

Keine Reichweite in Essen

Die Redaktion von Campus FM fühlt sich derweil alleine gelassen. Niklas Ruddigkeit, langjähriger Redakteur, sagt: „Manche von uns haben den Eindruck, von Seiten der Hochfrequenztechnik und der Uni-Verwaltung nicht ernst genommen zu werden. Zum Zeitpunkt des Umzugs im März 2016 war nicht abzusehen, dass die Geschichte so langwierig wird.“ Zudem hat die fehlende Reichweite noch eine gravierende Konsequenz: Die Bekanntheit auf dem Campus. Viele kennen das Radioformat gar nicht, bestätigt auch Niklas: „Das ist sicherlich ein Faktor,“ sagt er. Das Uni-Radio lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Studierenden. Die erfahrenen Redakteur*innen geben ihr Wissen an die neuen weiter und durch die fehlende Präsenz im Essener Sendegebiet ist es nicht einfach, sich für interessierte Studierende zu empfehlen. Denn neben den Fähigkeiten bekommt man weitere spannende Einblicke: Campus FM ist ein eingetragener Verein, was bedeutet, dass auch die Verantwortlichkeiten unter den Redakteur*innen aufgeteilt werden. Es gilt den Vorstand zu besetzen, repräsentativ tätig zu sein und die Finanzen zu verwalten.

Für Niklas ist es aber noch mehr als das: „Mir persönlich hat die Mitarbeit bei Campus FM schon viel gebracht. Neben echten Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, gehören auf jeden Fall das Gemeinschaftserlebnis und Vereinsleben dazu. Dazu gehören aber auch Dinge wie Verantwortung zu übernehmen oder sich für eine Sache einzusetzen.“

Die Universität und die Hochfrequenztechnik sollten bald eine Lösung finden. Denn die Arbeit der Redakteur*innen ist es wert und sollte von allen Beteiligten angemessen geschätzt werden.

Der Autor war bis zum vergangenen Jahr selbst Redakteur bei Campus FM.

Infos:
Frequenz: Essen 105,6 MHz, Duisburg 104,5 MHz
Livesendungen: Montag und Mittwoch „aufgeweckt, die Morgensendung“ von 10 bis 12 Uhr
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