Im Club der 25er­

Nach 25 Jahren hört der Geldregen auf, finanziell verändert sich einiges. (Foto: Robert Kneschke, Adobe Stock)

Mit dem Semesterticket  durch ganz NRW fahren, Ermäßigungen in Theater, Kino und Schwimmbad. Kostengünstig im Elternhaus oder einer WG wohnen. Wir Studierende haben schon geringe Lebensunterhaltskosten. Aber eine große Bedrohung schwebt wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen: wehe, wenn wir 25 Jahre alt werden. Dann ist das Verfallsdatum des sorgenfreien Lebens erreicht, das Lotterleben vorbei und die Regelstudienzeit in Gefahr.

Generell fällt es vielen Menschen schwer, älter zu werden – die Parties werden kürzer, die Kater länger. Gerade für Studierende ist das Erreichen des 25. Lebensjahres ein gravierender Einschnitt, denn dann fallen viele aus der Familienversicherung der Krankenkasse und werden unter Studierendentarifen versichert. Bei den gesetzlichen Kassen belaufen sich die Beiträge auf etwa 90 Euro monatlich. Eine seltene Ausnahme bilden Nebenjobs, bei denen  auch die Arbeitgeber*innen Kosten mitträgt. Als wenn das schon nicht genug wäre, wird das Kindergeld gestrichen und Unterhaltszahlungen bleiben oft aus. Die Folge: Um fehlende Einnahmen aufzufangen, müssen sich Studierende einen Job suchen, insofern sie nicht ohnehin schon beschäftigt sind. Da stellt sich doch die Frage, wieso sich gerade im 26. Lebensjahr  so viel verändert. Wir werfen einen Blick in die Vergangenheit.

Stichwort: Reichsversicherungsordnung

Die Grenze von 25 Jahren im Hinblick auf die Krankenversicherung geht auf die 1913 in Kraft getretene Reichsversicherungsordnung (RVO) zurück, die schrittweise von dem heutigen Sozialgesetzbuch abgelöst wurde. Ein Teil der RVO war die sogenannte Familienhilfe. Sie umfasste unter anderem die Familienkrankenhilfe oder Familienmutterschaftshilfe. Andreas Puhlmann vom Verband der Ersatzkassen (vdek) erklärt, wie sich die Familienversicherung geändert hat: „Anspruchsberechtigt waren damals, auf Grundlage einer grundsätzlichen Entscheidung des Reichsversicherungsamtes vom 4. Juni 1928, nur die jeweiligen Versicherten selbst. Mit Inkrafttreten der Gesundheitsreform von 1988, wurde die Familienhilfe durch die bis heute gültige Familienversicherung abgelöst und der anspruchsberechtigte Personenkreis vom Versicherten selbst auch auf Familienangehörige ausgeweitet“. Die Altersgrenze von 25 Jahren findet sich auch im Bundeskindergeldgesetz wieder.

Teure Späße

Bei vielen Freizeit-Aktivitäten spielt das Alter von 25 Jahren ebenfalls eine Rolle, beispielsweise in den Schwimmbädern in Essen. Dort bekommt man als Studierende*r nur bis 25 Jahre Eintrittsermäßigungen. Der Normalpreis für einen Erwachsenen liegt im Grugabad bei 4 Euro, ermäßigt sind es 2,50 Euro. Dabei orientieren sich die Sport- und Bäderbetriebe Essen (SBE) an den Regelungen beim Bezug des Kindergeldes. Simone Kruk-Braun von den SBE sagt: „Grundsätzlich halte ich die Orientierung an Altersgrenzen, wie sie zum Beispiel auch vom Gesetzgeber für das Kindergeld als Sozialleistung vorgesehen sind, für ein sachgerechtes Kriterium, auch wenn damit nicht jede persönliche wirtschaftliche Situation berücksichtigt werden kann.“ Anders handhaben es die Kinos des Cinemaxx in Essen und dem UCI Duisburg in den beiden Städten. Dort gibt es Ermäßigungen für Studierende ohne Altersgrenze. Beim Schauspiel Essen und dem Theater Duisburg beispielsweise bekommen Studierende Ermäßigungen, wenn sie unter 26 Jahre alt sind. Eine einheitliche gesetzliche Regelung besteht nicht. Wohingegen eine existiert, ist in der Festlegung der Regelstudienzeit für die verschiedenen Studiengänge an der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Auch wenn die Studienanfänger*innen durch hohen Leistungsdruck immer jünger werden, gibt es genügend Studierende auf unseren Campussen, die mit über 25 Jahren noch immer voll im Studium stecken. Einer von ihnen ist der 33-jährige Lehramtsstudent Jens. Für ihn war es keine einfache Zeit: „Kurz nach meinem 25. Geburtstag habe ich mir einen weiteren Job suchen müssen. Dabei habe ich darauf geachtet einen zu finden, der meine Krankenversicherung übernimmt. War definitiv eine stressige Zeit, da ich weniger Zeit für Hausarbeiten und co. hatte“, so Jens.

So wie ihm geht es vielen Studierenden. Denn mit inkrafttretender Bolognareform 2002 haben sich auch die Stundenpläne gestrafft, die Flexibilität in Kombination mit Studium und Arbeit wurde zudem stark beeinträchtigt. In der Regelstudienzeit den Bachelor abzuschließen, wird damit fast unmöglich. 2010 betrug die durchschnittliche Studiendauer in NRW 7,1 Semester. 2015 waren es dann schon acht Semester, Tendenz steigend.