Jugend gegen G20: Bildungsraum statt Lernfabrik

„G20, du Opfer!“ – Beliebt waren die Gipfel-Teilnehmer*innen bei den Jugendlichen nicht. (Foto: dpe)

Der G20-Gipfel ist vorbei und damit eine Woche voller Proteste gegen Kapitalismus und die Politik vieler Regierungen, die am G20-Treffen teilnahmen. Mehrere tausend Menschen machten für ihre Interessen Lärm auf den Straßen Hamburgs. So auch das Bündnis Jugend gegen G20. An dessen Bildungsstreik beteiligten sich am Freitagmorgen, 7. Juli, fast 2.000 Schüler*innen, Studierende und Auszubildende, die jedoch institutionellen Schikanen ausgesetzt waren.

Bereits bei den Vorbereitungen hatte das Bündnis mit Problemen zu kämpfen: Die Schulbehörde Hamburg warnte Lehrende und Schüler*innen vor einer Teilnahme an der Demonstration. Demnach solle eine „Schulpflichtverletzung“ vorliegen, insofern sie sich an den Protesten beteiligen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sah darin kein Problem und äußerte gegenüber der taz, dass die Schulleitungen „im Idealfall einen Projekttag zur politischen Bildung“ einrichten, um eine Teilnahme zu ermöglichen. Die Behörde verwies daraufhin auf die „politische Neutralität des Schulwesens“, die eine Teilnahme ausschließen würde.

Trotz Repression: Ein voller Erfolg

Ganz anders sahen das die Betroffenen und Organisator*innen der Demo. Auf der Pressekonferenz des Medienzentrum FCMC erklärte Zazie Götz, Pressesprecherin des Bündnisses, dass ein Streik nur Sinn mache „wenn man das bestreikt, was man kritisiert“. Zudem sei der Bildungsstreik „der einzige Ort im Rahmen der Proteste, an dem Schüler*innen, Studis und Azubis gemeinsam für ihre Vorstellungen eines anderen Bildungssystems auf die Straße gehen“ könnten. Auch Marvin Hopp von Jugend gegen G20 bezeichnete gegenüber der akduell die Warnung der Schulbehörde als „größte Farce überhaupt“, denn diese verhalte sich damit eben nicht politisch neutral.

Dass die Jugendlichen mit ihren Ansichten offenbar nicht allein da stehen, zeigte sich dann am Freitagmorgen: Mit bis zu 800 Demonstrant*innen hatten sie ursprünglich gerechnet, am Ende waren mehr als doppelt so viele Menschen gekommen, um ihren Unmut kundzutun. Begleitet von einigen hundert Polizist*innen verlief die Demonstration ohne Zwischenfälle. Für das Bündnis – das auch von der Jugend des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der IG Metall unterstützt wurde – war der Streik am Ende ein voller Erfolg. Und das „trotz der massiven Polizeigewalt, die es am Donnerstag gegeben hat“, so Marvin Hopp.

Eine Erziehung zur Mündigkeit

Auch inhaltlich hatten die fast 2.000 Demonstrant*innen vieles zu sagen. Neben Schildern mit Aufschriften, die sich konkret auf die Bildung bezogen, wie „Selbstbestimmung statt Mitbestimmung“ oder „Gegen ein vorbestimmtes Leben“, ging es einigen Anwesenden auch um politische Fragen zum Klimawandel. Streikteilnehmerin Ann-Katrin hatte etwa eine klare Botschaft an Staatschefs wie Donald Trump und Wladimir Putin: „Eure Lösungen sind unsere Probleme“ stand auf ihrem Schild. „Respektlos“ sei der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. „Was bringt uns das?“ fragte sie und gab gleich selbst noch das Fazit dazu: „Das geht einfach gar nicht“.

Aber die Kritik der Jugend gegen G20 richtete sich nicht nur an die Staatschef*innen der Institution G20. „Wir wollen eher die gesellschaftlichen Verhältnisse, die dahinter stehen, kritisieren“, sagte Marvin Hopp und betonte dabei „das kapitalistische Wirtschaften“ und „die globale Konkurrenz“, die sich ständig verschärfe. Das betreffe alle Lebensbereiche, einer der zentralen sei das Bildungswesen. „Wir wollen keine Verwertung, sondern eine Erziehung zur Mündigkeit. Wir wollen, dass Menschen demokratisch partizipieren können“, so Hopp während hinter ihm die Jugendlichen zu Bands wie Neonschwarz tanzten und ankündigten: „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik; das ist unsere Antwort auf eure Politik“.