Nahverkehr: Duisburg rüstet auf

„Der Rat der Stadt Duisburg schafft Fakten und hat dem Beschluss zugestimmt das Streckennetz auszubauen. (Foto: fro)

Duisburg hat bundesweit eines der schlechtesten Bus- und Bahnnetze. Zu dem Schluss kam eine Studie des Beratungsunternehmens Civity Anfang des Jahres (akduell berichtete). Am Image einer ÖPNV-unfreundlichen Stadt möchte man dort jedoch arbeiten. Der Rat der Stadt hat dem Nahverkehrskonzept in der Sitzung am Montag, 05. Juli, zugestimmt.

Ein teures Unterfangen, das den städtischen Nahverkehr aber deutlich aufrüsten würde. Vor allem in Duisburg-Mitte soll es dem Konzeptvorschlag zufolge eine Menge Verbesserungen geben. Für viele Studierende dürfte vor allem der geplante Bau einer neuen Straßenbahnlinie von Interesse sein, der unter dem Titel „90X” konzipiert wird. Damit soll es Passagieren ermöglicht werden, ohne umzusteigen von Hochfeld über die Innenstadt bis zur Universität in Neudorf fahren zu können. Derzeit fährt lediglich die Linie 901 durch Neudorf – und zwar nur in 15-Minuten Taktung und nicht durch den Stadtteil Hochfeld, wo viele Studierende leben. Auch das Studierendenparlament der Universität Duisburg-Essen kritisierte auf einer Sitzung vor zwei Monaten die schlechte Verbindung zwischen den Stadtteilen. Da die 901 nicht unmittelbar vor den Universitätsgebäuden hält und man bis zu den Seminarräumen einen teils weiten Fußweg in Kauf nehmen müsste, würden viele mit dem Bus fahren. Und da diese ohnehin nahezu ausschließlich von Studierenden genutzt werden, seien die Linien trotz 7,5 Minuten-Taktung stark ausgelastet. Die Kosten für die Einführung der 90X-Strecke würden bei über 30 Millionen Euro liegen.

Das Konzept sieht zwei weitere Straßenbahnlinien vor. Die erste soll zwischen Hochfeld und Rheinhausen bis zum dortigen Marktplatz fahren. Der linksrheinische Stadtteil ist vom Straßenbahnverkehr bislang komplett abgeschieden. Dort fahren lediglich einige Züge vom Duisburger Hauptbahnhof kommend sowie Buslinien, die zum Teil lange Fahrtzeiten bis ins Zentrum benötigen. Für die zweite neue Linie veranschlagen die Planenden weitere 60 Millionen Euro. Eine insgesamt dritte  neue Linie soll vom Bismarckplatz in Homberg über die Friedrich-Ebert-Brücke zum Bahnhof Ruhrort fahren. Für den städtischen Nahverkehr würde das jedoch eine enorme Verbesserung darstellen. Die Anzahl der Straßenbahnlinien würde sich von bescheidenen vier auf sieben erhöhen.

Taxi-Busse wie auf dem Land

Auch soll die Flexibilität außerhalb der Fahrzeiten des Regelverkehrs erhöht werden. Anders als bisher sollen nun auch unterhalb der Woche zwischen 23.30 Uhr und 1.30 Uhr Nachtbusse verkehren. Zusätzlich plant die Duisburger Verkehrs Gesellschaft (DVG) die Einführung sogenannter Taxi-Busse, die Flexibilität auch zu später Stunde ermöglichen sollen. Was man aus ländlichen Gegenden kennt – wo die Kutsche erst kürzlich gegen motorisierte Fortbewegungsmethoden ausgetauscht wurde – möchten die Verkehrsbetriebe nun in Duisburg einrichten. Die sieben- bis achtsitzigen Taxibusse sollen per App zum Wunschort gefordert werden und von dort aus ÖPNV Nutzer*innen zur nächsten Nachtexpress-Haltestelle oder gar bis vor die Haustür bringen. Dementsprechend haben die Busse keine festen Abfahrtszeiten, sondern richten sich nach den Kund*innenwünschen. Die Taxibusse könnten mit dem herkömmlichen VRR-Ticket benutzt werden. Die DVG möchte das Modellprojekt schnell an den Start bringen. Noch in diesem Jahr soll das Angebot nutzbar sein.

Bestehende Straßenbahnen werden saniert

Seit längerem gibt es in Duisburg das Problem, dass weniger Straßenbahnen auf den Schienen fahren als benötigt bauen. Vor allem im Duisburger Norden sowie auf der Strecke der Linie 901 zwischen Obermarxloh und Universität/Zoo beziehungsweise Mühlheim an der Ruhr standen Ausfälle und Verspätungen an der Tagesordnung. Der Grund: 28 der insgesamt 64 Straßenbahnen müssen zu Kosten von je 750.000 Euro saniert werden. Diese sind zum Teil seit über 30 Jahren im Einsatz und müssen von Rost und Korrossionsschäden befreit werden. Seit 2015 ist die DVG bemüht, die Schäden zu beheben. Mittlerweile sei schon einen Großteil der Fahrzeuge saniert, sodass sich die Situation verbessert, heißt es auf der Webseite der Verkehrsbetriebe. Derzeit würden drei für die Inbetriebnahme vorbereitet, sechs aktuell saniert und sechs weitere seien demnächst an der Reihe (Stand: Mai 2017). „Die notwendigen Sanierungsarbeiten sind umfangreich und zeitintensiv. Ersatzteile sind teilweise Einzelanfertigungen und daher zeitaufwendig in der Beschaffung”, heißt es weiter. Die Folge: Gerade zu Stoßzeiten morgens und am Nachmittag kommt es vor, dass die Kapazitäten erschöpft sind und Fahrgäste oder die, die es mal werden wollen, auf die nächste Bahn warten müssen. Zwar vesuchte die DVG das Problem mittels eines Schienenersatzverkehrs zu kompensieren. Doch nahmen viele Passagiere das Angebot nicht an – womöglich auch, weil dieser nur bis Meiderich und nicht bis zum Hauptbahnhof fährt.

Bald leerere Straßenbahnen? 

Zumindest ist bald ein Ende in Sicht. Im kommenden Jahr sollen alle Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein, sodass wieder die gesamte DVG-Flotte auf den Schienen unterwegs sein wird. Und mehr noch: Ab 2021 sollen Prototypen neuer Modelle durch Duisburg fahren. Bis 2024 sind insgesamt 47 neue Straßenbahnen zu Kosten von je drei Millionen Euro geplant. Die sollen auch Paum für 200 statt für 172 Passagiere bieten, mehr Platz für Kinderwagen oder Rollstühle haben und sechs statt fünf Türen besitzen. Ob das Ziel, die neuen Linien bis 2030 auf die Schienen zu bringen, tatsächlich funktioniert hat, wird sich zeigen. [fro]