Verjüngungskur für das Museum

Museum – das geht ab jetzt im Folkwang ganz entspannt. (Foto: lenz)

Vergangenen Freitag, 14. Juli, wurde die Sektflöte gegen das Stauder eingetauscht, die Lackschuhe zu Hause gelassen und stattdessen in Sneakers im neu gestalteten Garten des Museum Folkwang getanzt. Anlass der freudigen Feierei war die Gründung von Junge Freunde des Kunstring Folkwang e.V.. Der sonst unbelebte Ort füllte sich mit über 350 Kunstinteressierten und Feierwütigen.

14 Ehrenamtliche treffen sich seit vergangenem Oktober – diskutieren, tauschen Ideen aus und organisieren. Herausgekommen ist eine gut besuchte Gründungsveranstaltung und ein Programm, das bis in das Wintersemester 2017 reicht. Geplant sind jetzt zum Beispiel Führungen, Ausflüge und Diskussionsrunden. Katharina Bruns ist eine der Aktiven. „Es war uns freigestellt, was wir hier eigentlich machen wollen. Das ist eigentlich ganz schön, dass wir keine Restriktionen gekriegt haben oder ein Programm. Dass wir dieses und jenes auf jeden Fall machen müssen, sondern wir dürfen selber entscheiden“, berichtet sie erfreut von der Anfangsphase.

Viele Museen haben neben einem allgemeinen Förderkreis oder einem Kunstring eine Abteilung für junge Interessierte, das Museum Folkwang bislang noch nicht. „Hier ist es auch schon mehrfach versucht worden, so etwas zu initiieren – aber es ist an verschiedenen Ecken leider immer wieder gescheitert“, erzählt Bruns. Christine Heim, Projektmanagerin des Kunstring Folkwang e.V., führt aus: „Es war leider nicht der richtige Zeitpunkt. Jetzt hat es sich auch ganz gut gefügt. Weil wir auch Formate hatten für jüngere Leute und dadurch auch jüngere Menschen kamen.“

Mitglied bei Junge Freunde kann jede*r zwischen 18 und 35 Jahren. „Ob Student, Auszubildender oder so ist eigentlich egal“, so Bruns. Heim ergänzt: „Junge Berufstätige natürlich auch.“ Zehn Euro kostet die Mitgliedschaft im Jahr für Studierende und Auszubildende, Berufstätige zahlen 30 Euro. Dafür winken Vergünstigungen und exklusive Veranstaltungen: „Wir haben zum Beispiel für Mitglieder jetzt eine Fahrt am 30. Juli zur documenta organisiert. Das sind dann exklusive Veranstaltungen, an denen nur Mitglieder teilnehmen können – das ist natürlich auch das Prinzip des Freundeskreises“, so Bruns.

Doch nicht nur vereinzelte Termine wollen die Jungen Freunde planen, sie verfolgen größere Ziele: „Dass man einen Treffpunkt im Museum hat – dieses Museum ist ja doch irgendwie wenig zugänglich, was vielleicht auch an der Architektur liegt“, so Bruns. Das sei auch der Grund, warum sie die Museumswiese bei der Eröffnung bespielen wollten. Heim präzisiert: „Es geht uns auch wirklich um Eroberung von Räumen, also auch ein bisschen subversiv. Wir haben uns diesen Raum erobert, wir haben uns das Untergeschoss erobert und jetzt erobern wir uns den Außenbereich, weil wir denken: das Museum muss einfach belebt werden.“ Auch aus musealen Strukturen wolle man sich lösen.

„Wir wollen genau diese Grenzen auflösen. Dass die Nachbarschaft sich auch einfach auf die Wiese setzt oder den Garten genießt, den wir im Zuge der Grünen Hauptstadt angelegt haben. Wir wollen das Museum näher bringen – und nicht als Kulturtempel“, so Heim.

Das besondere Potential solcher Gruppen liegt für Kunstring-Mitglied Heim auf der Hand: „Das ist die Möglichkeit, wenn junge Menschen das selbst hinaus tragen und wir nicht sagen ‘Ja, wir wollen junge Menschen im Museum haben‘.“ So könnte die Zielgruppe an das Museum gebunden werden, sich dabei aber vor allem selbst entfalten. Bruns stimmt ihr zu: „Wir sind quasi die Schnittstelle. Wir wollen auch, dass Leute ihre eigenen Ideen mit einbringen und ihre Wünsche äußern.“