Das Gute ist doch manchmal so nah

Umsonst & Draußen, abseits großer Zeltstädte. (Foto: mehu)

Sommerzeit heißt Festivalzeit. Doch viele der großen Ableger, wie etwa Rock am Ring oder das Highfield, verlangen für ein paar Tage Musikgenuss über 100 Euro – Summen, die sich viele Studierende nicht einfach mal soleisten können. Doch zum Glück gibt es seit einigen Jahren auch vermehrt „Umsonst und Draußen“-Festivals, bei denen – abgesehen von Getränken und Essen – , alles umsonst ist. Wir verraten euch, wo ihr in den kommenden Wochen und Monaten solche Festivals in der Nähe – also mit Semesterticket erreichbar – finden könnt.

Mehrere 100 Kilometer zurücklegen, ein oder zwei Nächte in einem stickigen, kleinen Zelt übernachten und sich mit tausenden anderen Menschen um einen guten Platz vor einer der drei Bühnen streiten. Kommt dann noch Regen und eine Menge Alkohol dazu, ist für viele das ultimative Festival-Wochenende perfekt. Jenen, denen genau das nicht zuspricht gibt es jedoch eine Alternative: Denn viele kleinere Festivals liegen gar nicht so fern und oft auf einen Tag beschränkt. Sprich: Am Abend kann wieder nach Hause gefahren und im eigenen Bett geschlafen werden. Denn sind wir doch mal ehrlich: Wirklich schlafen tut auf den großen Festivals keine*r. Und das Beste: Sie sind umsonst.

Ein solches findet auch am Samstag, 2. September, in Marl statt. Das Bonirock-Festival ist ein Open Air-Rockfestival, das seit 2015 veranstaltet wird. Dahinter stehen hauptsächlich Mitglieder der Christlichen jungen Gemeinde der Katholischen St. Georg Kirchengemeinde. „Da sind aber inzwischen auch Leute drin, die Freunde von den Organisatoren sind, und absolut nichts mit der Kirche zu tun haben“, ergänzt Julia Segantini vom Presseteam des Festivals. Das Orga-Team bestehe hauptsächlich aus Schüler*innen und Studierenden, so Julia, die selbst an der Universität Duisburg-Essen studiert und in Marl aufgewachsen ist. Sechs Bands vertreten verschiedene Rock-Musikstile, von Punk bis Metal.

Lokale Festivals, lokale Bands?

Der Headliner Liebesspieler, eine Coverband der Das Gute ist doch manchmal so nah Toten Hosen, soll besonders viele Besucher*innen anziehen. Daneben werden zwei Bands aus Marl, eine aus Recklinghausen, eine aus Dorsten und eine Gruppe aus Berlin auftreten. Es bleibt also ziemlich regional.

Das Olgas-Rock-Festival in Oberhausen zieht seit 17 Jahren Musikbegeisterte an. Organisiert wird das Ganze vom Verein zur Förderung von Rockmusik rocko e.V in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Oberhausen. Während hier ebenfalls der Fokus auf Rock- und Punk-Musik liegt, mischen sich auch immer öfter Künstler*innen aus HipHop oder Metal unter das Line Up. Bekannte Namen der letzten Festivals waren Kraftklub, Royal Republic, The Subways oder Zebrahead. Aber auch regional ansässige Bands wie Susanne Blech oder Sondaschule standen bereits beim Olgas-Rock auf der Bühne. In diesem Jahr findet das Festival von Freitag, 11. bis Sonntag, 12 August, statt. Headliner sind unter anderem Anti-Flag, Mad Caddies und Face to Face. Dass das Festival überhaupt noch stattfindet, ist im Übrigen vor allem den Fans zu verdanken: Nachdem die finanzielle Unterstützung des Festivals von der Stadt zwei Jahre in Folge, 2013 und 2014, jeweils um 10.000 Euro gekürzt worden war, stand das Olgas-Rock vor dem Aus. Durch den Spendenaufruf der Veranstalter*innen beim Betreten des Festivals Einen Euro zu spenden, sowie neue Sponsoring-Verträge konnte das Festival schließlich noch gerettet werden.

Für (fast) jeden Musikgeschmack was dabei

Etwas tanzwütiger als bei den klassischen Rock-Festivals wird es beim Groove Point Festival in Mülheim an der Ruhr zugehen, das ebenfalls am Samstag, 2. September, stattfindet. „Ich werd nich mehr. Da gibbet dat Groove Point Festival schon inne zehnte Auflage!“, heißt es auf der Website der Veranstaltung frei Ruhrpott-Schnauze. Zur
Feier des zehnten Geburtstages haben die Veranstalter*innen des Festivals als Headliner die Band Le Fly – St. Pauli Tanzmusik engagiert, die mit einer Mischung aus Rap, Rock und Reggae St.Pauli-Tanz-Feeling nach Mülheim bringen sollen.

Wer sanftere Töne favorisiert, für den ist das Ruhrtal Roots-Festival, das am Samstag, 26. August, im sauerländischen Arnsberg stattfindet. Unter dem Motto „Welt-und Folkmusik“ soll Arnsberg für einen Tag in ein gemütliches Folk-Städtchen verwandelt werden. Die Headliner sind Phønix aus Dänemark sowie Lassatil Abbalari aus Italien. Die Veranstalter, der Arnsberger Folkclub e.V. sowie das Kulturbüro der Stadt Arnsberg, hoffen auf eine gelungene Premiere. Und wenn das Bett dann vielleicht doch zu weit entfernt ist am Abend, finden sich bestimmt auch ein paar Arnsberger*innen, bei denen man couchsurfen kann. Damit wäre die alternative Festival-Erfahrung dann auch abgerundet.