Leben am Limit

Weniger Schlaf, mehr Stress. Drittversuche kratzen an der Substanz. (foto: Bernd Schmitz, flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Kurze Nächte, dampfende Gehirne. Die Klausurenphase ist in vollem Gange und verlangt von Studierenden wieder alles ab. Der Badeurlaub weicht der sommerlichen Residenz am Schreibtisch oder der Universitätsbibliothek. Doch während manche lässig die Leiter des akademischen Erfolgs hinaufschnellen, plagen sich andere mit Drittversuchen von Prüfungen herum.

Aller guten Dinge sind drei: Der Lernstoff erschließt sich nicht, man kommt mit dem Prüfungsformat Klausur nicht zurecht oder man hat schlicht und ergreifend einen Blackout. Dass zwischen Performance und Kompetenz ein großer Unterschied liegt, spielt bei der Klausurbewertung keine Rolle. Die Prüfung gilt als nicht bestanden und der Frust verstärkt sich, wenn auch der zweite Anlauf nicht von Erfolg gekrönt ist. Denn nach dem Drittversuch verschließen sich die Türen zu der Anstalt schicker Belesenheit.

„Dann wären die letzten Jahre für die Katz gewesen“, weiß der Biologie-Student Tobias. Er kennt die Situation nur allzu gut. Im Laufe seines Bachelors musste er dreimal einen Drittversuch antreten. „Ich habe jedes Mal der Exmatrikulation ins Gesicht geblickt und habe ihr dann doch den Rücken zugekehrt“, sagt Tobias, der seinen letzten Drittversuch – und damit seine letzte Prüfung im Bachelor – mit 2,7 bestanden hat.

Trotzdem: Ein Drittversuch ist stressig, meint Tobias: „Man hat schon eine gewisse Zukunftsangst. Und das spiegelt sich natürlich im Schlafverhalten wieder.“ Schließlich ist die akademische Karriere zumindest im betroffenen Fach beendet, wenn man im Drittversuch durchfällt. Für nicht wenige bedeute es dann, Jahre ihres Lebens vertan zu haben – wenn man von dem brotlosen Erkenntnisgewinn einmal absieht.

Der Countdown läuft

Das gilt es zu verhindern. Daher seien Studierende beim dritten Anlauf in einer ganz besonderen Art und Weise zwangsmotiviert, findet Tobias. Man wisse, wie die Klausuren aufgebaut sind und wende den zwei- bis dreifachen Lernaufwand auf – schließlich gehe es bei der finalen Präsentation der Darstellung erworbener Kompetenzen im Bereich des Bulimielernens um alles. Wenn man sich gegen die Problemverschiebung in die weit entfernte Handlungsphase des künftigen und natürlich weiseren Ichs entscheidet, beginnt zudem der Kampf gegen die Zeit. „Ernst wird es ab einem bestimmten Punkt. Nämlich sobald man sich nicht mehr von der Klausur abmelden kann“, sagt Tobias.

An der Universität Duisburg-Essen kann man dies nämlich bis zu einer Woche vor dem Prüfungstermin. Wird die Frist überschritten, muss man seinem Schicksal ins Auge blicken. „Egal was passiert – in einer Woche schreibt man dann die Klausur,“ führt er fort. Während man bei den ersten beiden Versuchen größtenteils im Einzelspieler*innen-Modus die verschiedenen Level universitärer Drangsalierungsmethoden unter gigantischen Dauerqualen durchkämpfen musste, erführen gepeinigte Leidende des Drittversuches eine völlig ungewohnte Solidaritätswelle anderer Studierender. „Zum Glück ist unsere Kommilitonenschaft sehr freudig, wenn es darum geht, Studierenden in Drittversuchen Zusammenfassungen und Altklausurfragen zur Verfügung zu stellen“, freut sich Tobias.